„Abwanderung ist kein Schicksal!“

Bildung, Arbeit und Lebensqualität funk­tioniert als praktikable Gegenmaßnahme zur Abwanderung.

BEZIRK. Würden die Visionen von Ernst Wurz, seines Zeichens Mastermind der Waldviertel-Akademie, umgesetzt, mutierte das Waldviertel innert einer Dekade wahrscheinlich zu einer europaweit vorzeigbaren Muster-Region.
Die Waldviertel-Akademie ist als Vordenker-Organisation seit Jahren ein Begriff. Aktuell befasst sie sich in einer bezirks­übergreifenden Diskussionsreihe mit dem Thema Abwanderung und den machbaren Gegenstrategien. Aus diesem Anlass führten die Bezirksblätter Gmünd ein Gespräch mit dem Visionär Wurz.
Ziel dieser vier Waldviertler Denkwerkstätten sei es, den Menschen bewusst zu machen, dass Abwanderung kein Schicksal sei. „Man muss die Waldviertler Zivilgesellschaft wachrütteln, eine Diskussion in Gang bringen. Derzeit suchen 200 Waldviertler Betriebe rund 500 qualifizierte Arbeitskräfte. Man muss Schulabgängern und Eltern bewusst machen, dass es im Waldviertel sehr wohl Arbeit gibt“, betont Wurz eingangs.
Als eine der Hauptsäulen der Abwanderungs-Gegenstrategie seien differenzierte Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten – auch berufsbegleitende – im Waldviertel zu schaffen.
„Das allerdings ist Aufgabe der politischen Mandatare und nicht der Schulleiter, die primär Schul- und Schulstandortinteressen vertreten. Jugendliche, die im Waldviertel ihre Schulausbildung machen können, bleiben auch eher im Waldviertel“, ist Ernst Wurz völlig überzeugt und hat für eine durchdachte Umsetzung auch gleich einen Vorschlag, in welche Richtung es bei einem neu zu schaffenden technischen Ausbildungszweig gehen könnte.

Facility-Management als HTL-Zweig im Waldviertel
„Es braucht hier vor Ort Ausbildungen, die auch von der Wirtschaft nachgefragt werden, wie etwa eine HTL-Richtung Facility Management mit Gebäude- und Energietechnik!“
Dabei dürfe aber das große Ganze nicht außer Acht gelassen werden, das Denken bis zur Gemeinde- oder Bezirksgrenze müsse ein Ende haben, denn: „Sonst sind immer die anderen die Verhinderer und Land und Bund haben zu Recht die Ausrede, die Waldviertler wissen nicht, was sie wirklich wollen.“

Überangebote einschränken
Neue Ausbildungen zu schaffen hieße aber auch, nach Bedarf angebotene Ausbildungen einzuschränken – ein Thema, bei dem erfahrungsgemäß manche Gemüter zu kochen beginnen. Aber, so Wurz abschließend: „Schüler werden auch im Waldviertel weniger, neue Ausbildungen könnten auch Schüler von auswärts herbringen.“

Zur Sache:
Vier Voraussetzungen gegen Abwanderung:
1. geeignete Arbeitsplätze und damit Einkommen
2. Wohnqualität zu leistbaren Preisen
3. rasche Verkehrsverbindungen in Zentralräume, auch durch öffentliche Verkehrsmittel
4. Lebensqualität, dazu gehören Nahversorgung, Vereinsleben, Kultur- und Freizeitanbote

Facility Management
Grundstücke, Gebäude, Anlagen, Einrichtungen, Maschinen, Installationen und Infrastrukturen sind strategische Ressourcen von Unternehmen und Organisa­tionen. Ihre Steuerung und Bewirtschaftung ist als umfassender Prozess über die gesamte Lebensdauer zu verstehen. Facility Management unterstützt die Hauptaktivitäten einer Organisation.


von Eva Jungmann
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