Im Bereich Tourismus musste Goldegg in den letzten zwei Jahrzehnten massive Einbrüche verzeichnen
Hans Mayr ist ein Marketingstratege und in gewisser Hinsicht ein Visionär. Intensiv beschäftigt sich der Goldegger Bürgermeister mit der Ankurbelung des Tourismus, der in den vergangenen zwanzig Jahren massive Einbrüche erleben musste – erklärtes Ziel: 100.000 Nächtigungen im Jahr.Beschreiben Sie bitte die Struktur Ihres Ortes!
HANS MAYR: „Wirtschaftlich baut Goldegg auf Landwirtschaft, Tourismus und einige Gewerbebetriebe. In den letzten 20 Jahren waren beim Tourismus leider massive Einbrüche zu verzeichnen. Die Zahlen sprechen Bände: 1989 hatten wir 1.700 Einwohner und 1.300 Gästebetten; heute freuen wir uns über fast 2.500 Einwohner, haben jedoch nur mehr 700 Gästebetten. Auch die Nächtigungszahl ist auf 84.000 im Jahr 2009 gesunken. Ich bin der festen Überzeugung, dass das für die Entwicklung des Ortes ungünstig ist und der Bevölkerung dadurch nachhaltiger Schaden entstehen kann. Daher erachte ich es als eine meiner Hauptaufgaben, mit verschiedenen Maßnahmen den Tourismus zu stärken und dadurch die Bettenkapazität zu verbessern.“
Wie erklären Sie sich diesen strukturellen Umbruch?
HANS MAYR: „Von außen betrachtet ist der Einbruch im touristischen Bereich völlig unverständlich, weil eine gute Infrastruktur vorhanden ist. Wir haben das Schloss, die Malakademie, unsere Seen, Wanderwege, einen attraktiven Golfclub und vieles andere mehr. An den Einrichtungen kann es also nicht liegen. Vermutlich haben wir schlicht und einfach verlernt, unsere Attraktionen richtig anzubieten.“
Gibt es ein Konzept, mit dem man in Goldegg gegen diese Entwicklung ansteuert?
HANS MAYR: „Gemeinsam mit den Ausschussmitgliedern des Tourismusverbandes habe ich ein Arbeitskonzept entwickelt, bei dem alle zwölf Mitglieder des TVB-Ausschusses mitarbeiten. Dieses läuft unter dem Titel ‚Goldegg 100.000 Nächtigungen‘. Beruflich komme ich aus dem Finanzsektor, wo ich eine Ausbildung zum Marketingtrainer genossen haben. Als solcher versuche ich gemeinsam mit den Goldegger Touristikern Wege zu finden, die uns aus der Krise führen.“
Seit wann läuft dieses Projekt und gibt es bereits konkrete Erfolge?
HANS MAYR: „Wir haben im Jänner 2010 begonnen und konnten die Nächtigungszahlen 2010 steigern. Die Jahre davor war jedes Mal ein dickes Minus in der Bilanz. ‚Goldegg 100.000‘ trägt also schon erste Früchte, indem sich die Gästenächtigungen auf rund 88.000 entwickelt haben.“
Gibt es neben dem touristischen Einbruch weitere Sorgenkinder in Goldegg?
HANS MAYR: „Ein Sorgenkind ist der Verkehr. Aufgrund der Engstellen rund um den See und im Dorfbereich ergeben sich immer wieder Probleme. In der Vergangenheit gab es viele Baulandwidmungen im Ortsteil Altenhof, die das Verkehrsaufkommen im Dorfgebiet erhöht haben. Eine Überarbeitung des räumlichen Entwicklungskonzepts ab 2011 ist erforderlich. In den Ortsteilen March und Goldegg-Weng kann aus meiner Sicht noch Bauland entstehen. In Goldegg-Weng, wo wenig Infrastruktur vorhanden ist, kann ich mir auch ein kleines Gewerbegebiet, touristische Flächen und die Ansiedelung eines Nahversorgers vorstellen.“
Wieviel Budget steht Ihnen im Jahr zur Verfügung und wie kommen Sie mit den finanziellen Ressourcen zu Rande?
HANS MAYR: „2011 budgetieren wir 4,2 Millionen im ordentlichen Haushalt und zusätzlich 400.000 im außerordentlichen Haushalt. Wir müssen sparen, da wir in Zukunft einiges vor haben, beispielsweise die thermische Sanierung der Volksschule – Start 2012. Das alleine kostet geschätzte 700.000 Euro.“
Ihre Partei, zumindest die Landes-ÖVP ist stolz auf die beschlossene Möglichkeit zur Einhebung einer Zweitwohnsitzabgabe in Form eines Zuschlags von 30 Prozent auf die besondere Ortstaxe. Wird Goldegg davon Gebrauch machen?
HANS MAYR: „Diese Option werden wir vermutlich in Anspruch nehmen und den Zuschlag einheben.“
Die SPÖ pocht auf der Anhebung der Ortstaxen-Obergrenze auf zwei Euro. Wie stehen Sie dazu?
HANS MAYR: „Diesen Vorschlag befürworte ich. Ich habe auch den entsprechenden Antrag in der Pongauer Bürgermeisterkonferenz eingebracht, der zur unlängst verabschiedeten Resolution dafür geführt hat.“
Wie sieht es mit dem Bahnausbau in Richtung Stadt Salzburg aus – begrüßen Sie dieses ÖVP-Bestreben?
HANS MAYR: „Komplett! Das beste wäre eine S-Bahn-Linie von Schwarzach bis nach Salzburg. Außerdem ist der öffentliche Nahverkehr innerhalb der Salzburger Sonnenterrasse auszubauen und zu verdichten. Alle drei Bürgermeister arbeiten schon gemeinsam mit dem Regionalverband an einem Konzept. Für die Umsetzung sind Landes- und Bundesmittel erforderlich.“
Wie gestaltet sich das Miteinander in der Gemeindestube – wie ist dort der Umgangston?
HANS MAYR: „Hervorragend. In den vergangenen zwei Jahren ist es darüber hinaus gelungen, einen attraktiven Bürger-Servicebereich zu entwickeln.“
Wenn Sie der Landeshauptfrau gegenübersitzen würden, welches Anliegen würden Sie an sie richten?
HANS MAYR: „Aus meiner Sicht sind im Schulbereich dringende Reformen nötig. Die Strukturen gehören entflechtet. Die Position der Schuldirektoren ist zu stärken.“
Es fällt auf, dass Ihre Gemeinde viel Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Warum ist der Bedarf gerade in Goldegg so groß?
HANS MAYR: „Die Information der Bürger ist mir sehr wichtig. Bürger sollen stolz auf ihre Heimat sein, haben aber auch das Recht, von Geschehnissen und Plänen informiert zu werden. Immer mehr sind bereit, aktiv an der Gemeindeentwicklung von Goldegg mitzuarbeiten.“
Wer ist der geheime Bürgermeister in Ihrer Gemeinde?
HANS MAYR: „Ich hoffe, dass die Bürgerinnen und Bürger meinen Einsatz für unser Dorf spüren und mit ihrem Bürgermeister zufrieden sind.“
Interview: Peter J. Wieland






