31.08.2016, 07:00 Uhr

Altes Stück sucht neuen Besitzer

Bewahrt vergessen geglaubte Schätze: Günter Fröhwein ist auch ein bisschen Seelsorger für seine Kunden. (Foto: WOCHE)

Schmökern und Schnäppchenjagd: Günter Fröhweins Aktionshalle beherbergt Lebensgeschichten.

Schallplattenspieler, Porzellangeschirr, Spielzeug und ein Flipper – wer seinen Fuß in den Laden von Günter Fröhwein setzt, hat eine Liebe für scheinbar Vergessenes oder besitzt eine gesunde Portion Schaulustigkeit.

Erinnerungen

Mitten am Gratweiner Hauptplatz wollen in der Aktionshalle alte Dinge von neuen Besitzern gefunden werden. Und jeder Gegenstand erzählt seine eigene Geschichte. Man kann noch so viele Runden drehen, jedes Mal sticht ein anderer ins Auge. "Viele kommen, um nach Erinnerungen zu suchen. Was man früher als Kind gehabt hat oder irgendwas, was an die Oma erinnert. Momentan wird am meisten nach Schallplatten gefragt. Die Zeit der Sammler ist aber vorbei", sagt Fröhwein, der neben Vintagefans auch solche Kunden hat, die mal schnell vorbeikommen, weil sie einen Kochtopf fürs Campen brauchen oder weil das Geld für eine neue Waschmaschine nicht reicht. Zwischen Büchern von Dostojewski gibt es genug Alltägliches, um eine ganze Wohnung einzurichten. Hier liegt neben Silberschmuck eben auch die Küchenfolie.

Seelsorger

Die Ware des 42-Jährigen stammt aus Ankäufen, Wohnungsräumungen oder Nachlässen und hat einmal jemandem gehört. Für ihn selbst sei das kein emotionales Erlebnis mehr, "außer es handelt sich um jemanden, den ich persönlich kenne bzw. gekannt habe". Für seine Kunden sieht das oft anders aus. "Ich bin Seelsorger und Druckablasser in einem." Und er hört gerne zu, weiß von Geldnöten genauso wie von den schönsten Erinnerungen.

Lieblingsstück

Angefangen hat alles damit, dass Fröhwein im Alter von 20 Jahren am Flohmarkt stand. "Ich hab dort ein altes Glas für 700 Schilling gesehen. Es hat mich neugierig gemacht, wer dafür so viel zahlen will", schmunzelt er. Mit den Jahren entwickelte sich eine Affinität zum Schmökern und zur Schnäppchenjagd. Seit 2012 ist Fröhwein nun selbstständig. Dieses Jahr ist er mit seiner Aktionshalle von Gratkorn hierher gewandert, wo noch mit Schilling, Mark oder Franken bezahlt werden kann. Ob er ein Lieblingsstück hat? "Uhren", schießt es aus ihm raus, "ich tu mir schon schwer, wenn jemand eine kaufen will".
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