18.08.2016, 08:41 Uhr

Arm, aber herzlich

Herzlicher Empfang der Gäste aus Pécsvárad: Die ungarischen Freunde bringen Farbe nach Hausmannstätten. (Foto: Gemeinde Hausmannstätten)

Die Bevölkerung vor Ort hat meist nur das Nötigste. Mit ihrer Bescheidenheit und Herzlichkeit punkten die Menschen aus Pécsvárad (HU) nicht nur bei ihrer Partnergemeinde Hausmannstätten.

„Mit 500 Euro im Monat zählt man dort zu den Spitzenverdienern. Viele alte Menschen bekommen kaum oder gar keine Pension und sind auf Spenden angewiesen“, berichtet der Hausmannstättner Vizebürgermeister Johann Lendl. Jede Bettwäsche, jedes (gut erhaltene) Kleidungsstück, alles was nicht angeschafft werden muss ist hier für Altersheime, Schulen und Kindergärten eine enorme Hilfe. Was genau damals, Anfang der 90er-Jahre der Grund war, dass sich nicht nur Hausmannstätten, sondern eine ganze Reihe von Gemeinden im Grazer Umland ausgerechnet ungarische Partner aussuchen sollte, weiß man nach so vielen Jahren nicht mehr. Seitens der Bezirkshauptmannschaft war eine Reise nach Ungarn organisiert worden, mit dem Ziel künftiger Kooperationen. Das Warum ist auch kaum von Belang. Was zählt, ist das Wie!

Handlungsbedarf

Ebenso wie Raaba und mehr als 20 weitere GU-Gemeinden war Hausmannstätten mit seinem Gemeinderat beim ersten gemeinsamen Besuch in Ungarn vertreten. Ohne genaue Vorstellungen ist man an die ganze Sache herangegangen. Umso heftiger war die Reaktion auf die Armut, die den Steirern dort begegnet ist.
Man hat seitdem geholfen, wo es ging. Trotzdem macht Pécsvárad heute neben dem Sozialsystem vor allem die große Arbeitslosigkeit zu schaffen. Vor Ort gibt es nur wenig Industrie, viele versuchen im 200 km entfernten Budapest oder in Pecs ihr Glück. Jedes Jahr besucht ein Verein die ungarischen Partner und bringt mit, was am Nötigsten gebraucht wird. Schreibutensilien, Spielzeug und Gewand werden voller Dankbarkeit entgegengenommen. So manches gute Stück aus Hausmannstätten liegt zu Weihnachten in Ungarn auf dem kargen Gabentisch. Als besonderes Highlight gilt bis heute ein alter Unimog, den Pécsvárad auf Vermittlung durch Hausmannstätten günstig erstehen konnte. Mit Stolz betrieben und bestens gepflegt kommt er wohl noch viele Jahre zum Einsatz.

Vorbilder

Trotz etlicher Missstände können sich andere Länder durchaus etwas abschauen von den ungarischen Nachbarn. Ganztages-Kindergärten und –Schulen sind hier usus, ab dem ersten Schuljahr lernen die Kinder nicht nur ihre eigene Muttersprache, sondern auch Englisch und Deutsch. „Ein paar von uns bemühen sich redlich, Ungarisch zu lernen. Es ist aber extrem schwierig“, gesteht Lendl diesbezüglich selbst noch einen gewissen Aufholbedarf. Dolmetsch braucht man dennoch keinen, sprechen doch einige Ungarn unsere Sprache nahezu akzentfrei. Entsprechend gern angenommen wird die Möglichkeit eines Schüleraustausches, der nach einigen sporadischen Aktionen ab dem heurigen Herbst jährlich durchgeführt werden soll.
Vor allem aber zeigen die Menschen in Pécsvárad etwas, das viele Mitteleuropäer inzwischen verlernt haben: wie genügsam man leben kann und dabei auch noch Großzügigkeit walten lässt. Für Hausmannstätten gab es anlässlich der Eröffnung des Marktzentrums 2004 eine wunderschöne Skulptur, die inmitten wohlduftender Rosen neben dem Gemeindeamt ihren Platz gefunden hat. Seitdem wird diese Stelle „Pécsvárad-Platz“ genannt – vorläufig allerdings nur inoffiziell.

Infobox

Pécsvárad liegt in der ungarischen Region Südtransdanubien.
Fläche: 36,03 km2
Rund 4.500 Einwohner
Vor allem die als Kloster errichtete Burg von Pécsvárad ist sehenswert. Sie ist eines von Ungarns bedeutendsten Baudenkmälern aus dem Mittelalter. Aus dem einstigen Bergfried wurde mittlerweile ein Hotel, das Burgmuseum selbst befindet sich im Schloss aus dem 18. Jhd.
Im August feiern die in Pécsvárad lebenden Donauschwaben alljährlich ein großes Fest. Eine Abordnung aus Hausmannstätten ist natürlich mit dabei.
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