27.07.2016, 08:00 Uhr

'Integration darf nicht einseitig sein'

Integration von Anfang an: Zur rascheren Integrierung werden in Raaba-Grambach Deutschkurse für Asylwerbende angeboten. (Foto: KK)

Wie kann Integration funktionieren? Raaba-Grambach zeigt, wie es gehen kann. Nun wurde Beauftragte installiert.

Es ist eine Frage, die derzeit immer wichtiger wird: Wie kann Integration funktionieren? Und im besten Fall gleich vom ersten Tag an. In Raaba-Grambach wurde mit der Grünen Gemeinderätin Claudia Rauner nun eine Integrationsbeauftragte ins Leben gerufen.
"Ausschlaggebend dafür war, dass die Anzahl mit 80 Asylwerbenden in der Gemeinde sehr hoch ist", erklärt Rauner. Die Kommune liegt damit mit 20 Flüchtlingen über der 1,5 Prozent-Quote. Die Geschlechterverteilung sei sehr ausgewogen, auch viele Kinder sind unter den Asylwerbenden. "Die größten Probleme haben wir eigentlich mit der Zeit – zum Beispiel, dass Eltern die Kinder pünktlich in die Schule bringen. Auch mit Lärm nach 22 Uhr gab es Probleme. Das wurde aber geklärt. Wir wollen Transparenz schaffen, weil es hier Unsicherheiten in der Bevölkerung gibt", berichtet die Gemeinderätin. Gerade deshalb sei es wichtig, eine Schnittstelle zwischen Bürgermeister, Gemeindebürgern und Asylwerbenden zu haben.

Freiwillige sind wichtig

Im Ort wird sowieso einiges unternommen, um den Flüchtlingen vom ersten Tag an eine Integration zu erleichtern. "Wir wollen ein gutes Zusammenleben in unserer Gemeinde sicherstellen. Alle, die hier gemeldet sind, zählen für mich zur Bevölkerung von Raaba-Grambach", sagt Rauner. Bereits im Februar gab es einen Kulturaustausch, wo sich Flüchtlinge und Bewohner kennenlernen konnten. Im Kultursaal Raaba finden zudem zwei Deutschkurse statt. Neben der Caritas gestalten dort freiwillige Lehrende den Unterricht. "Bei uns gibt es den Unterricht fünf Tage in der Woche. Das ist also wirklich viel", ist die Integrationsbeauftragte stolz auf die freiwillige Hilfe im Ort. In Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion Raaba-Grambach wurde den Asylwerbenden auch eine Verkehrsschulung angeboten. Jugendliche werden im örtlichen Jugendzentrum eingebunden, in der Volksschule wird den schulpflichtigen Kindern bei den ersten Schritten unter die Arme gegriffen. "Der nächste Schritt wird die Beschäftigung sein. Am Anfang waren die Flüchtlinge sehr müde, traumatisiert und ausgelaugt. Gerade wegen der Traumatisierung wäre eine Beschäftigung wichtig, um sich abzulenken", erzählt Rauner aus Gesprächen mit Asylwerbern. Beim steirischen Frühjahrsputz wurde bereits mitgeholfen. "Das kann auch ein Praktikum im Bauhof sein. Das wäre eine Möglichkeit, zumindest im Sommer eine Kleinigkeit zu machen. Auch an Integration in den örtlichen Fußballverein denke ich dabei", so Rauner. "Integration ist nicht einseitig, sondern zweiseitig. Es muss dich auch jemand integrieren lassen", meint die gebürtige Niederösterreicherin mit einem Augenzwinkern auch in Hinblick auf ihre persönliche Integration in der Steiermark. Für die Zukunft sind – auch mit Unterstützung des Integrationsfonds vom Land – ein Vortrag über Rechte und Pflichten in Österreich, Ausflüge in der Region oder Spielnachmittage geplant. "Die Leute haben jetzt Bock, sich zu integrieren!"
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