16.03.2016, 16:30 Uhr

Spuren der Liebe auf dem Papier

"Der Brief als ideales Medium für den Ausdruck von Gefühlen blieb bis heute bestehen", so R. Schuh, wissenschaftliche Projektassistentin.

Eine Liebesgeschichte über die emotionale Beziehung zwischen Mensch und Papier.

Die ersten, antiken Tintenspuren der Liebe hinterließ der römische Versdichter Ovid auf Pergament, das aus Tierhäuten hergestellt wurde. Und auch in der höfischen Dichtung des Mittelalters finden sich Liebeserklärungen: in Minnereden, die meist mündlich vorgetragen wurden – eine vollständige Verschriftlichung fand längst noch nicht statt.

Revolution Papier

Zu dieser Zeit gab es zwar bereits Papier aus China – dieses war jedoch teuer. Erst gegen Ende des Mittelalters führten die Erfindung des Buchdrucks und der Aufschwung des teils belesenen Stadtbürgertums zur europäischen Papierrevolution. In Graz gab es die erste Papiermühle 1517, im Laufe desselben Jahrhunderts verbreitete sich die Innovation in ganz Österreich. Am Herstellungsprozess hat sich seither wenig verändert. Ein Brei aus zerstampften Pflanzenfasern und Wasser wird durch ein Sieb getrieben, die verfilzten Fasern bilden das Blatt Papier. Heute wird Papier in der Regel aus Zellstoff oder Holzstoff hergestellt.

Der Liebesbrief

Im 18. Jahrhundert gehörte der Liebesbrief zum guten Ton, beim Verfassen desselben hielt man sich an standardisierte Vorlagen. So schrieben auch große Männer jener Zeit wie Mozart und Beethoven ihren Angebeteten. "Die Form des Briefes war ein besonderer Ausdruck der Gefühle und wird noch heute mit Romantik und Emotionen assoziiert", so Literaturwissenschafterin Maria Löschnigg.
„Den Höhepunkt fand der Liebesbrief mit Samuel Richardsons 'Pamela' und Goethes 'Werther'", erklärt Löschnigg weiter. Die Briefromane dieser Autoren lösten einen wahren Hype aus. Das Lesen und Schreiben von Briefen erlebte seine Blütezeit schließlich in der Epoche der Romantik. Zu diesem Phänomen trug die sich verbreitende Alphabetisierung wesentlich bei.

Neue Spuren

Selbst im modernen Computerzeitalter hat die handschriftliche Korrespondenz den poetischen Charakter beibehalten. „Der Briefroman und so auch der Brief selbst erleben gerade eine Renaissance. Die zeitgenössische Literatur-Nobelpreisträgerin Alice Munro erreichte große Bekanntheit durch Anwendung dieses Stilmittels. Dass diese Bücher wieder modern sind, beweist, dass der traditionelle Brief nach wie vor ein Trend ist und Papier mehr als nur Papier“, schwärmt Löschnigg. Diese romantische Renaissance reanimiert eine Nostalgie, die ewige Liebesspuren auf Papier verspricht.
Carmen Rebecca Hammer
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