19.07.2016, 14:51 Uhr

Türkei: Steirer hautnah bei Angriff auf Erdogan dabei

Das behinderte Mädchen genoss die Delfintherapie sichtlich – bis schwer bewaffnete Truppen die Hotelanlage stürmten.

Kampfhubschrauber, Spezialeinheiten, Dauerfeuer – eine steirische Familie erlebte den Anschlag auf Erdogans Urlaubsdomizil in Marmaris hautnah mit.

14 Tage Urlaub an der türkischen Riviera in Marmaris standen für eine fünfköpfige steirische Familie auf dem Plan, inklusive Delfintherapie für die behinderte Tochter. Das Hotel Turban mit dem angrenzenden Delfinarium unter deutschsprachiger Leitung schien der ideale Ort dafür. Die ersten sechs Urlaubstage verliefen auch perfekt, die weitläufige Anlage mit Hotelkomplex und Bungalows ein wahres Paradies. Einzig der Zugang zum Delfinarium gestaltete sich als schwierig, nur das behinderte Mädchen durfte hin, die Begleitung musste, im Gegensatz zu vorangegangenen Therapien, draußen bleiben.

Erdogan bei den Delfinen

Wie sich im Nachhinein herausstellte, wurde das Areal deshalb hermetisch abgeriegelt, weil der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der inkognito in einem der Turban-Luxusbungalows residierte, mit seiner Familie mit den Delfinen schwimmen wollte.
Freilich bekamen die Urlauber nichts davon mit, dass der Türken-Sultan im Hotel Turban ausspannte, auch die Dutzenden als Touristen getarnten Sicherheitskräfte fielen erst nicht wirklich auf. Erdogans schlagkräftige Privatarmee sollte sich jedoch als Glücksfall für die Urlaubsgäste erweisen. Die Truppe war nämlich zur Stelle, als der Wahnsinn in der Nacht von vergangenem Freitag auf Samstag seinen Lauf nahm. „Um 1.30 Uhr fielen die ersten Schüsse, wir dachten an ein Feuerwerk. Als ich aus dem Fenster sah und direkt vor mir beinahe lautlos ein Black-Hawk-Kampfhubschrauber ohne Licht, völlig im Dunkeln schwebte und feuerte, wusste ich, dass da was Fürchterliches passiert“, berichtet der Familienvater.

Spezialkräfte stürmen Hotel

Insgesamt 40 Mann einer Spezialeinheit versuchten – unterstützt von vier Black-Hawk-Kampfhubschraubern – das Hotel zu stürmen, weil sie den gesuchten Präsidenten im Hauptkomplex vermuteten. „Erdogans Spezialeinheiten konnten die Angreifer aber abwehren. Wer weiß, was passiert wäre, wenn es die Truppen ins Hotelinnere geschafft hätten“, weiß der Vater, dass es für die Seinen viel schlimmer hätte kommen können. Sie verbrachten die Nacht auf dem Boden kauernd in einem fensterlosen Raum. Einzig die Nachrichten im TV vermittelten ihnen, was draußen vor sich ging. Sie sahen auch Erdogans TV-Ansprache. „Die hat er mit seinem Handy aufgenommen, da haben wir im Hintergrund die selben Vorhänge wie in unseren Zimmern erkannt. Da war uns alles klar“, erinnert sich der Vater. Feuerstöße waren bis in die Morgenstunden zu hören, erst um 7 Uhr war der Spuk vorbei.
Endlich wieder im Freien, erkannten die Steirer das wahre Ausmaß des Anschlags – da wurde der Familie erst bewusst, welches Glück sie hatten. In den Gebäuden rundum waren Einschüsse sichtbar, keine 20 Meter von ihren Zimmern entfernt. Nur logisch, dass die fünfköpfige Urlaubergruppe ihre Koffer packte und mit der großartigen Unterstützung von Personal und TUI-Reiseleitung um Astrid aus Tirol auf kürzestem Weg zum Flughafen brauste und mit dem ersten Flieger heimflog.

Auch Ex-Teamkicker Ekrem Dag weilte während des Putschversuches in Istanbul.
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