11.08.2016, 11:59 Uhr

Ein Stück „gelebtes Europa“

Beim Besuch der Bibliothek Alling drehte sich alles um Literatur und wie diese der Bevölkerung am besten zugänglich gemacht werden kann. (Foto: Gemeinde Lannach)

Wie aus Kameraden Freunde werden, zeigt die Gemeindepartnerschaft zwischen Lannach und der Gemeinde Alling im Südwesten von Bayern.

Rena Eichberger
„Wir setzen auf kommunaler Ebene an, das Trennende zwischen europäischen Völkern zu überwinden“, richtet Bürgermeister Josef Niggas einen Fokus auf den europäischen Gedanken. Bereits 1987 hatte sich der Österreichische Kameradschaftsbund mit dem Veteranen- und Soldatenverein aus dem deutschen Alling zu einer Vereinspartnerschaft zusammengeschlossen. Mit jedem Treffen lernte man einander besser kennen, nach und nach entstanden seitdem enge Freundschaften. Dieses Potenzial wussten die Gemeindeväter zu schätzen und schlossen im Jahr 2000 offiziell die Gemeindepartnerschaft.

Licht an

Alling findet unter dem Namen „Allingas“ erstmalig in einer Urkunde aus dem Jahr 802 Erwähnung. Schon zu Zeiten der Kelten und Römer war diese Gegend, die heute rund 25 km außerhalb von München liegt, besiedelt. Überreste von Viereckschanzen, die südlich von Holzhausen zu finden sind, geben Zeugnis davon. Seit damals hat Alling bewegte Zeiten erlebt. Von kriegerischen Auseinandersetzungen bis zum Ausbrechen einer Pestepidemie wird berichtet, wenngleich nur wenig davon dokumentiert ist. Fest steht, dass die Edlen von Alling, auch „Allinger“ genannt, die große Burganlage bewohnten, die über der Landschaft thronte. Außerdem erfreute sich die Region zu Beginn des 15. Jahrhunderts am Status, die größte und wohlhabendste Gemeinde des ganzen Gerichtsbezirkes zu sein. Exakt seit dem 1. Oktober 1912 genießt Allings Bevölkerung die Freuden elektrischer Beleuchtung.
Neben den diversen Veranstaltungen auf Vereinsebene finden regelmäßige Round-Table-Gespräche der Gemeinderäte statt, um Einblick in und Verständnis für die Strukturen und das politsche Vorgehen des jeweils anderen zu erlangen. Dank der intensiven Einbindung der gesamten Bevölkerung ist hier auf beiden Seiten das „gelebte Europa“ spürbar, von dem so viel die Rede ist.
Beide Seiten haben für sich die Vorteile entdeckt, die der Input von außen mit sich bringen kann. Mittlerweile gibt es kaum mehr einen Bereich, in dem kein grenzüberschreitender Austausch stattfindet. So erkundeten beispielsweise die Lannacher Büchereileiterinnen gemeinsam mit Bürgermeister Niggas die gemeindliche Leihbibliothek in Alling. Dabei wurden die jeweiligen Konzepte und Sortimente erörtert, Personalstruktur und Öffnungszeiten verglichen, Erfahrungen mit Lesungen für Erwachsene und die Zusammenarbeit mit Schulen diskutiert.

Vorhang auf

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der offiziellen Verbindung fand ein ganz besonderer Event statt. Neben diversen Festlichkeiten legten bei einem gemeinsamen Staffellauf von Alling nach Lannach Sportler beider Nationen in Summe 512 km verteilt auf 7.200 Höhenmeter zurück.
2015 rissen die Bayern mit einem gewaltigen Theaterdonner in der Lannacher Steinhalle das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Mit einer Neuauflage des Goldoni-Klassikers „Krach in Chiozza“ sorgten die Darsteller des Theater- und Kulturvereins Alling für allerlei Liebesverirrungen – selbstverständlich nur auf der Bühne.

Infobox

Fläche: 21,04 km2
3.874 Einwohner (Stand 1.1.2016)
Außer einem eigenen Gewerbegebiet werden in Alling einige landwirtschaftliche Betriebe noch aktiv bewirtschaftet. Viele Bürger arbeiten bei den örtlichen Baufirmen, Malerbetrieben und den diversen Handwerker- und Dienstleistungsunternehmen.
Sehenswürdigkeiten: Die Kirchen in Alling, Biburg, Holzkirchen und Holzhausen sowie die spätgotische Votivkapelle Hoflach.
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