12.08.2016, 16:39 Uhr

Wenn Eggersdorf mit Eggersdorf

Ob Eggersdorf oder Kétújfalu (im Bild) - die Delegationen nutzen die Besuche für Besichtigungen und eine Intensivierung der Beziehungen in einem immer enger zusammenrückenden Europa. (Foto: Gemeinde Eggersdorf)

Schon früh sprang Eggersdorf auf den Zug in ein geeintes Europa auf. Gemeindepartnerschaften sind ein probates Mittel um gemeinsam eine positive Zukunft zu gestalten.

Rena Eichberger

Noch heute kommt mancher Eggersdorfer ins Schleudern, wenn er spontan den Namen der ungarischen Partnergemeinde „Kétújfalu“ aussprechen soll. Dabei wurde diese Gemeindepartnerschaft bereits 1995 ins Leben gerufen und im Jahr darauf durch die Partnerschaftserklärung offiziell geschlossen. Damit hat Eggersdorf auf das Bestreben des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung, die östlichen Nachbarn auf Gemeindeebene näher an die EU heranzuführen, reagiert.

Intensivierend

Seit dem Antrittsbesuch von Altbgm. Rupert Haas und Dr. Helmut Fallada, dem damaligen Bezirkshauptmann von Graz-Umgebung, ist viel passiert. Neben gemeinsamen Wanderungen, Betriebsbesichtigungen und Ausflügen sind es vor allem die jüngsten Bürger, die den Europagedanken verstärkt und mit großer Begeisterung leben. Zwischen der Neuen Mittelschule Eggersdorf und der Schule in Kétújfalu entstand ein reger Schüleraustausch, der auf beiden Seiten regen Anklang findet.
2011 kam dann die Gemeindepartnerschaft mit Eggersdorf bei Schönebeck in Sachsen-Anhalt dazu. Hier geht es ziemlich zielstrebig zu, sind es doch in diesem Fall ganz besonders der Schützenverein sowie die Schützengilde, die schon lange Zeit vor der formalen Verpartnerung beste Kontakte zu den „anderen“ Eggersdorfern pflegten. Muss man sich mit den ungarischen Partnern zumeist noch via Dolmetsch verständigen, fällt die Kommunikation von Eggersdorfer zu Eggersdorfer freilich leichter.

Bewegend

Und Gesprächsstoff gibt es reichlich. Von der bewegten Geschichte der deutschen Partnerregion zeugt unter anderem der Eggersdorfer Ortsfriedhof, auf dem nicht nur zwei polnische Zwangsarbeiter, sondern auch ein US-amerikanischer Pilot, der in der Region mit seinem Flugzeug abgestürzt ist, ihre letzte Ruhestätte fanden.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das südlich der Stadt Schönebeck an der Elbe liegende Eggersdorf im Jahre 1205. Anno dazumal hat Papst Innozenz III. dem Kloster Nienburg den Landbesitz bei Ekkehardestorp im Umfang von drei Hufen attestiert. Bestanden haben dürfte der Ort allerdings schon im 10. Jahrhunderte. Lag der Ort zur Zeit seiner erstmaligen Erwähnung noch im Machtbereich des Bistums Halberstadt, fiel er 1240 an die Grafen Arnstein-Barby und nach deren Aussterben 1659 an das Herzogtum Magdeburg. Eine der rauesten Zeiten durchlebte die hiesige Bevölkerung wohl während des Dreißigjährigen Krieges, als kämpferische Truppen mordend und brandschatzend durch die Dörfer zogen. Nach einer Brandkatastrophe 1632 hatte gut die Hälfte der Bewohner das Dorf verlassen. Im Ersten Weltkrieg mussten 30 Kriegsgefangene auf den örtlichen Bauernhöfen mitarbeiten, im Zweiten Weltkrieg befand sich in Eggersdorf ein Außenlager des Lager Altengrabow, dessen Gefangene ebenfalls in Landwirtschaft und Haushalten Zwangsarbeit verrichten mussten. Ein interessantes Wohnbauprojekt wurde 1934 umgesetzt. Arbeitslose hatten unter dem Namen „Eigene Scholle“ eine Kleinsiedlungsgenossenschaft gegründet und in Eigenleistung fünf Doppelhäuser errichtet.

Infobox

Kétújfalu
Fläche: 16,3 km2
Ca. 700 Einwohner
Kétújfalu (zu Deutsch Neudorf) liegt im Komitat Baranya, östlich von Pecs. Die Gemeinde ist landwirtschaftlich strukturiert. Der nächste Besuch der Eggersdorfer in Kétúfalu steht übrigens bereits Anfang September auf dem Programm.
Eggersdorf – Gemeinde Bördeland
Fläche: 5,55 km2
Ca. 1240 Einwohner leben in der Ortsgemeinde Eggersdorf, die neu gegründete Großgemeinde Bördeland besteht aus sieben früheren Gemeinden und beherbergt 8200 Einwohner
In Eggersdorf kann die Dorfkirche St. Martin besichtigt werden. Sie ist einer der ältesten Kirchenbauten des Landkreises.
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