21.09.2016, 15:08 Uhr

Ein Leben auf der Kante

Liegestuhl statt Gletschertraining: Für Marion Kreiner ein ungewohntes Gefühl. "Graz im Spätsommer zu genießen, ist eine gänzlich neue Erfahrung." (Foto: geopho.com)

Ex-Snowboarderin Marion Kreiner über den Kampf Frau gegen Frau, Druck und
Zukunftsvisionen.

WOCHE: Sie waren an die 20 Jahre als Snowboarderin in der ganzen Welt unterwegs. Wie sind Sie zu diesem Sport gekommen?
Marion Kreiner: Bei meinem zweiten Schulskikurs hatten wir die Möglichkeit, das Snowboarden auszuprobieren. Die Piste war eisig, der Hintern war danach blau, mein Interesse war aber mehr als nur geweckt.

Sind Sie als "Flachländerin" zu Beginn Ihrer Karriere belächelt worden?
Eigentlich nie. Wir waren damals eine recht große Gruppe aus Graz, die fast jedes Wochenende mit dem Bus in die obersteirischen Skigebiete geführt wurde. Ich habe das nie als Nachteil empfunden. Viel eher habe ich mich gefreut, aus der Stadt rauszukommen und am Board zu stehen.

Gibt es als Profi-Sportlerin eigentlich den richtigen Zeitpunkt, um aufzuhören?
Nicht wirklich, jeder muss das individuell entscheiden. Die Heim-WM 2015 im Lachtal war sicher noch ein Highlight, wo ich dabei sein wollte, danach sind die Überlegungen in Richtung Karriereende stärker geworden. Im Endeffekt wollte ich mir den Aufwand, den man betreiben muss, um erfolgreich zu sein, nicht mehr antun. Nur um die hinteren Plätze mitzufahren hat keinen Reiz.

Wie sehr prägen Niederlagen?
Sie gehören zum Sport dazu. Die erste Stunde nach einem schlecht verlaufenen Rennen habe ich Dampf abgelassen, da war es besser, wenn man mich allein gelassen hat. Danach war ich sofort auf das nächste Rennen fokussiert. Je schneller man über eine Niederlage drüber steht, umso schneller kann man daraus lernen und sich auf die nächste Herausforderung konzentrieren.

War der Kampf Frau gegen Frau für Sie Ansporn oder Hemmschuh?
Dieses Format ist mir sehr entgegengekommen. Ich liebe die direkte Auseinandersetzung mit der Gegnerin. Mit Druck konnte ich eigentlich immer sehr gut umgehen. Mich hat das gepusht, ich war grundsätzlich eher der Wettkampfs- und nicht der Trainingstyp.

Ist die Snowboard-Community eher eine Familie oder besteht sie aus lauter Einzelkämpfern?
Im Gegensatz zu den Skifahrern, die in vielen kleinen Gruppen trainieren, haben wir unsere Trainingskurse eigentlich fast immer als ein großes Team abgehalten. Männer und Frauen haben gemeinsam trainiert. Wer jetzt aber glaubt, dass es Zickenkriege nur bei den Frauen gegeben hat, der irrt (lacht).

Sie haben im Rahmen Ihrer Sportlertätigkeit auch Verantwortung übernommen und waren in der FIS-Athletenkommission tätig. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Snowboardsportes?
Insgesamt wäre im Parallelsport wichtig, wieder mehr Saisonrennen in den Kalender zu bekommen. Das hat mitunter auch damit zu tun, dass es der FIS nicht gelingt, einen Hauptsponsor für den Weltcup zu finden. Die Tatsache, dass die Sparte Freestyle sehr gefördert wird, während bei den nächsten Olympischen Spielen sogar der Parallelslalom gestrichen wurde, ist für die Alpin-Boarder sehr unbefriedigend.

Welche Pläne hat die Sport-Pensionistin Marion Kreiner als nächstes?
Ich arbeite aktuell 20 Stunden als Marketing-Koordinatorin in einem Grazer Autohaus. Daneben versuche ich, mein Fernstudium in Wirtschaftspsychologie voranzutreiben. In Zukunft kann ich mir auch vorstellen, meine Erfahrungen im Snowboard-Nachwuchsbereich einzubringen.

WOCHE-Wordrap

Der schönste Ort am Berg ... ist ein frisch verschneiter Hang, wo ich bei Sonnenaufgang die ersten Schwünge ziehen kann.
Mein Lieblingsplatz in Graz ... ist der Schloßberg.
Am meisten freue ich mich ... auf einen Urlaub!
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