16.06.2016, 08:00 Uhr

Die Musik als Auftrag im Kopf

Entspannt beim Kaffee oder wenn sie ein Konzert gibt, sieht man Corry Gass in der Eschenlaube regelmäßig. (Foto: prontolux)

Die Grazer Jazzsängerin Corry Gass erzählt von Tourneen in den 80ern, von ihrer Arbeit mit „Opus“ und wie man schwere Schicksalsschläge gut mit Musik verarbeiten kann.

Sie haben gerade Ihre neue CD „Walk with me“ herausgebracht. Ihre letzte CD erschien vor zehn Jahren, warum diese lange Pause?
Corry Gass: 2005 war ein hartes Jahr für mich mit vielen Schicksalsschlägen. Ich habe gemerkt, dass ich wirklich über zehn Jahre gebraucht habe, um alle diese Ereignisse zu verarbeiten.

Hat Ihnen die Musik dabei geholfen?
Ja, enorm. Beim Schreiben von Songs verarbeitet man sehr viel. Das mag ich so daran. Wenn du mit jemandem zusammen Musik machst, lernst du diesen Menschen auch sehr gut kennen, weil man sich öffnen muss und etwas Intimes von sich preisgibt.

Sie haben in Ihrer Karriere schon mit vielen musikalischen Größen wie etwa Opus zusammengearbeitet. Von wem haben Sie am meisten gelernt?
Stark beeinflusst hat mich meine Professorin an der Kunstuni, Sheila Jordan. Und von Ewald Pfleger, dem Opus-Mastermind, habe ich viel mitgenommen. Er ist ein „Schaffer“, das beeindruckt mich. Ich arbeite nach wie vor gerne als Background-Sängerin bei Opus.

Sie machen nun seit Jahrzehnten Musik. Gab es jemals eine Alternative für Sie?
Ich wollte schon zu Schulzeiten lieber Musik machen als zur Schule zu gehen. Aus Liebe zu meiner Mutter habe ich dann die Schule beendet. Danach habe ich zuerst Klassik studiert, was mir aber zu korsetthaft war. Dann habe ich mich für Jazz entschieden.

Musik war also stets die einzige Option?
Seit ich denken kann ist das wie ein Auftrag für mich im Kopf. Ich stamme aus einer Musikerfamilie: Meine Mutter hat immer schon mit mir gesungen, mein Opa Ziehharmonika gespielt und gejodelt. Aber nur von Musik zu leben, war nicht immer einfach. Besonders neben dem Studium zu arbeiten und dann noch ein Kind zu haben, das war herausfordernd. Aber mit der Unterstützung der Familie hat das bis jetzt immer ganz gut funktioniert.

Was hat sich im Laufe der Jahre, die Sie im Musikbusiness tätig sind, besonders geändert?
Meine letzte CD habe ich vor zehn Jahren rausgebracht. CDs zu verkaufen wird immer schwieriger, weil sich die meisten einen MP3-Download kaufen. Lustigerweise erlebt Vinyl wieder ein Comeback. Aber man macht eine CD als Künstler auch, weil man dann am Ende etwas in Händen halten will.

Am 21. Mai hatten Sie Ihre CD-Präsentation. Sind Sie immer noch nervös, wenn Sie auf der Bühne stehen?
Ja, ich glaube, wenn man das nicht mehr hat, dann sollte man es sein lassen. Ich denke, man hat einfach dieses Bestreben, etwas Gutes zu machen.

Sie kennen die Grazer Musikszene wie Ihre Westentasche. Gibt es in der Stadt eine große Konkurrenz zwischen den Musikern?
Gar nicht. Ich glaube sowieso, dass jeder seinen Platz findet. Es kennt hier ja auch jeder jeden, das ist etwas Schönes. Ich habe schon mit vielen tollen Künstlern hier zusammenarbeiten dürfen. Mit dem Besitzer der Eschenlaube, Gerry Landschbauer, war ich schon Ende der 80er Jahre in den USA auf Tournee. Wir hatten damals eine Tanzband. Wir waren jung und mussten irgendwie Geld verdienen. Wir tourten mit einem deutschen Sänger und einer Jodelsängerin, das hat sich so ergeben. Das war eine lustige Erfahrung mit dem Van einen Monat durch Amerika zu reisen und in deutschen Clubs aufzutreten.

WOCHE-Wordrap

Das Schönste daran, eine Frau zu sein ist für mich ... dass wir unsere Sensibilität auch zur Schau stellen dürfen.
Das Verrückteste, was ich je getan habe ... ich bin immer ein bisschen verrückt.
Wenn ich einen Tag lang ein Mann wäre, dann ... würde ich mich von hinten bis vorne bedienen lassen.

Steckbrief

Geboren am 23. Februar in Graz
Ist Sängerin, Songwriterin, Sprecherin und Produzentin
Hat in Graz Jazzgesang studiert
Die neue CD „Walk with me“ von Corry Gass & the Wild Dogs ist am 21. Mai 2016 erschienen
Spielt am 1. Juli mit Opus & friends bei einem Livekonzert in Gratwein-Straßengel.
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