27.04.2016, 08:00 Uhr

Eierspeis und Weißwein – Graz persönlich mit Manuel Rubey

Krankes Kabarett: Auf der Suche nach dem Glück geht es in „Gott & Söhne“ auch ins Krankenhaus. (Foto: geopho.com)

Manuel Rubey erzählt, warum er gerne „kranke Typen“ spielt und Falco wohl 100.000 Freunde hatte.

„Es dauert noch ein bisschen, der Manuel reist gerade mit dem Zug aus München an“, ruft uns der Manager im Orpheum entgegen, als wir zum Interview erscheinen. Kurz darauf öffnet sich die Tür zum Backstage-Bereich: Manuel Rubey begrüßt uns freundlich und entschuldigt sich mehrmals für die Verspätung. Von Starallüren keine Rede.

Manuel, Falco & die Taxifahrer

Dabei hätte der 37-jährige Schauspieler allen Grund dazu, leicht abzuheben. Spätestens seit seiner überzeugenden Performance als „Falco“ (2007) ist er im heimischen Filmhimmel angekommen. Ob es ihn noch nervt, auf diese Rolle angesprochen zu werden?
„Jetzt nicht mehr. Ich bin sehr dankbar für diese Chance. Am Anfang war es schon sehr schräg, als mir plötzlich jeder Taxifahrer und jeder zweite Hotelportier eine Geschichte von Falco erzählen wollte – weil sie ja alle mit ihm befreundet waren. Demnach hatte Falco wohl 100.000 beste Freunde“, lacht Rubey.

Kinder, Freunde & Augenblicke

Der Künstler, der seine ersten Schritte im Theater tat, dessen Ziel aber stets die Filmbranche war, hat sich inzwischen auch in der Kabarettszene einen Namen gemacht. Gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Stipsits steht Rubey derzeit mit „Gott & Söhne“ auf der Bühne. So auch in 30 Minuten, wenn der Vorhang zur Vorstellung im Orpheum fällt. „Ich habe etwas Grundnervöses, Flippiges in mir, aber vor einem Auftritt bin ich relativ ruhig. Unsere Vorbereitungen beginnen meist 20 Sekunden vor der Vorstellung“, meint der Wiener, der gerne nach Graz kommt.
„Im Theatercafé haben Thomas und ich schon Stücke um fünf Uhr früh umgeschrieben – leicht betrunken, bei Eierspeis und Weißwein, versteht sich.“ An der Bühne fasziniert ihn vor allem das Hier und Jetzt. „Was passiert, passiert. Mit Texthängern, Fehlern und Zuschauern, die anders reagieren als erwartet. Beim Film mag ich, dass sich alles um einen Augenblick dreht.“ Dabei hat der Familienvater viel von seinen Töchtern gelernt: „Für Kinder gibt es einfach kein Gestern und kein Morgen, sondern nur den Moment.“

Glück, Zufall & etwas Talent

Die Portion Glück, dann in diesem einen Moment am richtigen Ort zu sein, ist hilfreich, um in der österreichischen Filmszene durchzustarten, meint der Schauspieler. „Etwas Talent ist natürlich auch nicht schlecht.“ Und an diesem mangelt es dem Charakterdarsteller bestimmt nicht. Vom krebskranken Egozentriker zum Vatikan-Inquisitor: „Ich spiele oft ‚kranke Typen‘ – mir gefällt, wenn sie ein Problem haben, aber auch einen Schmäh. Die gute Komödie entsteht eben aus der Tragik“.
Plötzlich klopft es an der Tür. „Manuel, die Vorstellung beginnt, jetzt! – „Okay, nun bin ich doch nervös“, schmunzelt Rubey, während er sich um Punkt acht Uhr eilig in die Umkleide verabschiedet. Diesmal muss er es wohl ohne die 20 Sekunden Vorbereitungszeit auf die Bühne schaffen ...

Steckbrief

Geboren am 26. 3. 1979 in Wien.
Ist Schauspieler und Kabarettist.
Lebt mit Künstlerin Stefanie Nolz und den Töchtern Ronja (9) und Luise (5) in Wien.
Besuchte die „Schauspielschule Krauss“ in Wien.
Studierte vier Semester Philosophie und Politikwissenschaften.
Filmografie: „Falco, verdammt wir leben noch!“ (2007), „Echte Wiener“ (2008/2010), „Braunschlag“ (2011), „Die Werkstürmer“ (2013), „High Performance“ (2014), „Gruber geht“ (2015), u. v. m.
„Gott & Söhne:“ aktuelles Programm mit Thomas Stipsits. (Österreichischer Kabarettpreis für ihr erstes Stück „Triest“ 2012).

WOCHE-Wordrap

Meinen Kindern möchte ich mit auf den Weg geben, dass ...
... sie immer mit allem zu mir kommen können.
Das letzte Mal richtig gelacht habe ich ...
... bei einem Stück des Kabarettisten Klaus Eckel.
Das Verrückteste, was ich je getan habe, war ...
... vor Kurzem einen Halbmarathon zu laufen, nachdem ich 20 Jahre Raucher war.
Wäre ich eine Zeichentrickfigur, dann am liebsten ...
... „Gaston“ (französischer Comic), der arbeitet in einem Büro, versteht sich aber als Erfinder und richtet immer Katastrophen an.
Das Coolste, was mir ein Fan je geschenkt hat, war ...
... eine dreistöckige Torte.
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