22.03.2016, 13:30 Uhr

Ein Mann, viele Talente – Slackliner Reinhard Kleindl persönlich

Zwischen den Welten: Reinhard Kleindl ist Physiker, Slackliner und Schrifststeller. (Foto: geopho.com)

Reinhard Kleindl über ein außergewöhnliches Leben mit Extremsport, Physik und Krimis.

Ein 30 Millimeter schmales Kunststoffband, in 90 Metern Höhe über eine Distanz von fast 100 Metern über die Victoriafälle in Afrika gespannt. Oben drauf Reinhard Kleindl, der es im Jahr 2014 gemeinsam mit dem Deutschen Lukas Irmler als erster Mensch geschafft hat, auf einer Slackline über den breitesten Wasserfall der Welt zu balancieren. Bisher wohl sein spektakulärstes Projekt als Extremsportler – unter vielen anderen spektakulären Projekten. Slacklines zwischen den Türmen der Grazer Mariahilferkirche, am Dachstein oder auf Hochhäusern in Frankfurt sind nur einige davon.

Leichtigkeit

Warum aber stellt man sich auf ein viel zu schmales Stoffband, das über einen viel zu tiefen Abgrund gespannt ist? „Für mich ist es die Leichtigkeit“, erklärt Kleindl. „Es geht um das Überwinden von Ängsten und Schwierigkeiten. Im Sport kommt es immer wieder vor, dass es von einem Moment auf den anderen umschlagt und sich plötzlich alles ganz leicht anfühlt. Das ist das Schönste daran. In den intensivsten Momenten ist es sicher auch so eine Art Rausch.“

Neuland

Noch ohne dieses Gefühl zu kennen, ist der Grazer 2006 das erste Mal auf einer Slackline gestanden, als er während seines Studiums der Theoretischen Elementarteilchenphysik eigentlich noch lieber mit einer Zigarette in der Hand über seinen Büchern gesessen ist, als Sport zu machen. Ein weiter Weg zu dem Mann, der seine Arbeitstage inzwischen schon einmal als eine Art moderner Seiltänzer an Orten verbringt, die andere wahrscheinlich nur vom Dienstagabend im „Universum“ auf ORF 2 kennen.
„Graz war damals international eines der ersten Zentren des Sports und es gab eine Runde, die sich immer im Augarten getroffen hat“, erinnert sich Kleindl an seine Anfänge. „Ich war gerade mit dem Studium fertig und es hat mir getaugt, Neuland zu erkunden. Dann habe ich schnell gesehen, dass ich Talent habe und international mithalten kann.“

Leidenschaft

Talent haben aber auch andere – und vor allem immer mehr jüngere, die durch ihr Alter auch immer öfter im Vorteil sind. Mit ein Grund, warum sich Reinhard Kleindls Fokus langsam vom Sport in Richtung dem Schreiben verschiebt. Wie das mit seinem Physikstudium und dem Leben als Extremsportler zusammenpasst, kann sich der 36-Jährige selbst kaum erklären. „Ich verstehe das auch nicht so richtig“, sagt Kleindl und lacht. „Es ist aber so, dass ich sehr leidenschaftsgetrieben bin. Wenn ich etwas sehe, das mich wirklich fasziniert, dann gehe ich dem auch nach. Das war bei der Wissenschaft so und das war beim Sport so. Geschrieben habe ich schon immer und durch die Erfolge im Sport habe ich das Selbstvertrauen bekommen, das wieder mit Nachdruck anzugehen.“ Und mit Erfolg: Im Sommer erscheint mit „Baumgartner kann nicht vergessen“ sein dritter Krimi.

Steckbrief

Geboren am 29. April 1980 in Graz.
Studium der Theoretischen Elementarteilchenphysik an der Karl Franzens Universität Graz.
Einer der Pioniere des Slacklinens (ähnlich dem Seiltanzen), mit dem er 2006 begonnen hat.
Vor allem auf Highlines spezialisiert, die in großer Höhe und in alpinem Umfeld gespannt werden.
Projekte u. a. bei den Victoriafällen in Afrika, in Malaysia, im Iran, in den Dolomiten und auf einem Wolkenkratzer in Frankfurt.
Hat als Autor ein Slackline-Lehrbuch und die Krimis „Gezeichnet“, sowie „Baumgartner und die Brandstifter“ veröffentlicht, Nr. drei folgt im Sommer.
Web: www.reinhardkleindl.at; www.buchwerk.at

WOCHE-Wordrap

Wenn ich in der Früh aufwache, denke ich als erstes an ...
... Kaffee.
Ich bin gelangweilt, wenn ...
... nichts weiter geht.
Wenn ich alt bin, möchte ich ...
... zufrieden sein.
Als Kind wollte ich ...
... Schriftsteller werden.
Wäre ich eine Zeichentrickfigur, dann ...
... am liebsten Micky Maus.
Ich habe zuletzt laut gelacht ...
... als ich etwas vom Postillon (Satirezeitung, Anm.) gelesen habe.
Auf eine einsame Insel würde ich auf keinen Fall ...
... einen Computer mitnehmen.
Wenn ich könnte, würde ich heute ins Flugzeug nach ...
... Hawaii steigen.
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