26.07.2016, 12:04 Uhr

Ein neuer Partner ist kein Zuckerschlecken

Eine neue Liebe kann so schön sein, doch wann ist der Zeitpunkt gekommen, sie den Kindern vorzustellen? (Foto: Bilderbox)

Die alte Liebe ist zu Ende, die neue soll den Kindern vorgestellt werden. Der Psychologe erklärt, wann und wie dies am besten funktioniert.

Schmetterlinge flattern im Bauch, die Welt ist bunt und schön – das Gefühl, frisch verliebt zu sein, ist ein wunderbares, doch wie bringt man seinen Kindern nach einer Trennung bei, dass man einen neuen Partner oder eine neue Partnerin hat? Der Psychologe erklärt, wann der richtige Moment gekommen ist, seine neue Liebe vorzustellen.

Kein Elternersatz
Kinder wollen grundsätzlich, dass ihre Eltern zusammenbleiben oder wieder zusammenkommen. Ein neuer Partner ist aber das Signal, dass die Beziehung der Eltern endgültig vorbei ist. Dadurch werden Kinder oft aktiv und drängen dazu, die Führungsrolle zu übernehmen und auszusuchen, wer dabei sein darf in der neuen Familie. Wichtig dabei ist, dass die Zustimmung der Kinder zwar wünschenswert ist, doch letztendlich entscheidet der Erwachsene, wer die neue Person an seiner Seite ist. Den Kindern gilt es aber stets zu vermitteln, dass die neue Person in der Familie kein Vater- oder Mutterersatz ist, was nicht heißen soll, dass diese Bezugsperson nicht auch abgesprochene Erziehungsaufgaben übernehmen kann. Bevor ein neuer Partner oder eine neue Partnerin integriert wird, sollte wirklich feststehen, dass diese oder dieser ein fixer Bestandteil der Familie werden soll. Und gemeinsam mit dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin sollte geregelt werden, wie viel Erziehungskompetenz der neuen Person zusteht. Hier ein paar hilfreiche Tipps:

1. Überstürzen Sie nichts. Achten Sie beim Vorhaben, Ihren neuen Partner den Kindern vorzustellen, auf Ihr Fingerspitzengefühl. Sie spüren, wann der richtige Zeitpunkt da ist.
2. Besprechen Sie sich. Reden Sie mit Vertrauten, die Sie bei Ihrer Entscheidung, wann Sie es sagen können, stützen.
3. Schaffen Sie Rückhalt. Zeigen Sie Ihren Kindern klar, wann Sie wo sind, in welcher Wohnung oder in welchem Haus Sie fix beheimatet sind. Schauen Sie auf einen klaren Ablauf.
4. Bleiben Sie klar. Verheimlichen Sie Ihren Kindern nicht, dass Mama und Papa sich jetzt nicht mehr auf der Beziehungsebene verstehen. Seien Sie offen, auch wenn Sie mit einem neuen Partner oder mit einer neuen Liebe ausgehen.
5. Teilen Sie die Zeit auf. Solange noch nichts klar ist, trennen Sie gut, wann Sie für die Kinder da sind und wann es Zeit für die neue Liebe gibt. Führen Sie Ihre Treffen woanders durch. Seien Sie dabei, aber offen.
6. Lockeres Kennenlernen. Erste Kontakte mit neuen Partnern und den Kindern sollten in einer ungezwungenen Atmosphäre stattfinden – bei einer Aktivität, die allen Spaß macht.
7. Kein Spielball. Unterliegen Sie nicht der Verführung, dass der oder die Neue zum Spielball der Gewalten für ungelöste Konflikte zwischen Ihnen und dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin wird.
8. Gemeinsame Erziehung. Wenn Ihr neuer Partner miterziehen soll, dann müssen Sie ihm ein Recht zum Erziehen verleihen. Dies soll offen und transparent auch gegenüber Ihrem Ex-Partner kommuniziert werden.
9. Klare Botschaften. Dies klingt alles viel, aber die Erfahrung zeigt: Wenn sie souverän, offen und klar Ihre Botschaften zeigen, dann gelingt die Integration des neuen Partners und eine erfolgreiche Patchworkfamilie entsteht.

Dr. Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut, sowie Lebens- und Sozialberater.
Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz, das größte Familientherapiezentrum der Steiermark.
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