12.04.2016, 15:00 Uhr

Sabine Zettl: "Beim Essen kommen die Leute zusammen"

Sabine Zettl blüht in ihrer Arbeit auf und wird neben dem Bloggen bald auch Kochkurse geben. (Foto: geopho.com)

Sie bloggt, kocht und redet gerne darüber. Foodbloggerin Sabine Zettl erzählt, warum Gurken keine Stempel brauchen, Märkte ihre große Liebe sind und Riechen wichtiger als Schmecken ist.

Ihr Beruf ist es, Gerichte online zu präsentieren. Wie wird man Foodbloggerin?
Meine eine Leidenschaft ist das Kochen, die andere das Schreiben. Schon mit 13 habe ich kleine Romane geschrieben. Irgendwie wollte ich die beiden Dinge kreativ verbinden. Ich habe dann begonnen, für Magazine über Essen zu schreiben. Bei einem Interview vor vier Jahren bin ich gefragt worden, was ich mache. Der Reporter meinte: „Ah, du bist Foodbloggerin!“ – dann habe ich es auch gewusst (lacht).

Welche Bedeutung hat ein gemeinsames Essen mit Familie oder Freunden für Sie?
Das ist das Schönste überhaupt. Wenn ich dabei noch selber kochen kann und die Leute glücklich mache, ist das wunderbar. Daher koche ich auch so gerne für meine Kinder.

Dürfen Ihre Kinder auch einmal bei Fastfood zuschlagen?
Grundsätzlich ist es mir wichtig, dass meine Kinder einen nachhaltigen Zugang zu Essen bekommen. Ich war mit ihnen aber auch schon bei McDonald’s, aber sie wollten das gar nicht probieren.

Steht Nachhaltigkeit für Sie in Verbindung mit vegetarischer oder veganer Küche?
Sagen wir so: Ich versuche, bei meinen Rezepten regional zu bleiben, aber den derzeitigen Trend von „bio“ und veganen oder vegetarischen Restaurants verstehe ich nicht. Das ist meiner Meinung nach eine Verkaufsmasche. Warum muss ich denn bei einer Gurke bitte hervorheben, dass sie vegan ist? Oder wenn ich Minestrone mache, schreibe ich dann extra dazu: vegetarisch? Das ist es doch automatisch.

Sie kochen also einfach, worauf Sie gerade Lust haben – ob fleischlos oder nicht?
Genau. Meistens schaue ich zuerst, was ich zuhause habe und entwickle dann ein Rezept dazu für meinen Blog. Gewürze sind dabei sehr wichtig, denn jeder würzt anders. So kann man seinem Gericht eine individuelle Note verpassen. Und was bei mir auch lustig ist: Ich schmecke nicht ab, sondern rieche, ob meine Speisen gelungen sind. Das finden manche witzig, aber Geruch spielt beim Essen ja eine Riesenrolle.

Wann haben Sie die Liebe zum Kochen für sich entdeckt?
Ich bin in einem „Mikrowellen-Haushalt“ aufgewachsen. Meine Mutter hat nicht gern gekocht, aber meine Oma war Bäuerin. Von ihr habe ich viel mitbekommen. Und mein Au-Pair-Jahr in Rom nach der Schule hat mich stark geprägt. Jetzt kann ich mir nichts anderes vorstellen. Wenn ich in der Küche stehe, bin ich glücklich. Allein bei dem Gedanken krieg ich schon Gänsehaut.

Was ist das schönste Feedback, dass Sie für Ihre Kochkünste bekommen können?
Manchmal backe ich etwas für die Kinder im Hof. Ein Bub hat einmal gemeint: „Du machst die besten Muffins der Welt!“ Das war ein schönes Kompliment.

Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Rezepte?
Ich gehe gern auf Märkte und rede mit den Menschen dort. Und in Graz haben wir sowieso die schönsten Märkte, die es in Österreich gibt. Das liebe ich unter anderem an der Stadt. Samstagvormittag ist klar, wenn man sich trifft, dann am Lendplatz oder Kaiser-Josef-Markt.

Was wollen Sie den Leuten durch Ihre Arbeit mit auf den Weg geben?
Essen ist Kommunikation. Selbst, wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen, ein gemeinsames Essen kann Kulturen verbinden.

WOCHE-WORDRAP
Ich esse am liebsten ... eine gute Leber.
Das Schönste daran, eine Frau zu sein ist ... über Essen Sinnlichkeit zu verbreiten.
Wäre ich einen Tag ein Mann, würde ich ... dasselbe tun wie als Frau. Ob Koch oder Köchin, die Tätigkeit bleibt die gleiche.
Zu Abend essen würde ich gerne einmal mit ... Konstantin Wecker.

Steckbrief:
Geboren am 21. 1. 1975.
Ist gelernte Köchin.
Lebt seit sechs Jahren in Graz
Hat zwei Töchter (8 und 13).
Betreibt einen Food-Blog.
Arbeitet auch für die „Gourmet-Patisserie“.
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