27.05.2016, 08:39 Uhr

„Studieren und Chancen nutzen“

Tipp an die Studis: Christa Neuper legt ihren Studierenden ans Herz, über den Uni-Tellerrand zu blicken. (Foto: geopho.com)

Christa Neuper über die Funktionen als Rektorin und das Männer-Frauen-Ungleichgewicht an der Universität Graz.

WOCHE: Seit 2011 sind Sie Rektorin der Uni Graz, davor waren Sie Leiterin des Instituts für Psychologie. Fehlt Ihnen das Forschen und Lehren?
Christa Neuper: Ich muss zugeben, die Forschung und vor allem das Lehren geht mir durchaus ab. Es war für mich immer spannend und schön, mich mit jungen Menschen in Vorlesungen oder Seminaren auszutauschen. Aber der Gestaltungsraum als Rektorin ist noch spannender.

War es schon immer Ihr Ziel Rektorin zu werden?
(Lacht.) Nein, dass ich einmal Rektorin der Uni Graz werde, hätte ich mir nie gedacht. Ich bin von meinen Kollegen und Freunden angesprochen und ermutigt worden.

Glauben Sie, dass der Weg als Frau dahin schwerer war als für einen Mann?
Ich glaube, mein Weg in die Wissenschaft war vor allem im technischen Bereich für eine Frau ungewöhnlich – dahingehend musste ich schon einige Herausforderungen bewältigen.
Aber bei den letzten Schritten meiner Karriere würde ich die Chancen gleich wie etwa bei einem männlichen Bewerber einschätzen.

Gibt es Ihrer Meinung nach typische Frauen- oder Männerstudien? Es gibt eindeutig ein ungleiches Geschlechtsverhältnis bei einigen Studien. In den Geisteswissenschaften, den Erziehungswissenschaften oder etwa der Psychologie dominieren unverkennbar die Frauen. Im technischen Bereich ist wieder Gegenteiliges der Fall.

Zusätzlich schließen mehr Frauen als Männer ihr Studium ab – kommt hier vielleicht ein „natürlicher“ Ausgleich am Arbeitsmarkt ins Rollen?
Ich möchte mich hier lieber auf die Laufbahn der Studentinnen an der Universität beziehen. Mit einem Anteil von ca. 26 Prozent weiblicher Professoren herrscht hier eindeutig Handlungsbedarf.

Was kann man als Rektorin dahingehend unternehmen?
Wir versuchen, hier gezielt Frauen in ihrer wissenschaftlichen Karriere zu unterstützen. Zum Beispiel mit einem flexiblen Arbeitszeitmodell, Kinderbetreuungsplätzen, Coaching und Mentoring etc. Kurz: Wir versuchen, die Rahmenbedingungen familien- und frauenfreundlich zu gestalten.

Sonja Hammerschmid ist neue Bildungsministerin. Was erwarten Sie sich? Ich erwarte mir, dass sie ähnlich wie davor in der österreichischen Universitätskonferenz auch im Bundesministerium viel verändern und weiterbringen wird. Und vor allem die Differenzen zwischen dem Bildungs- und dem Hochschulsektor sachlich behandeln und solide Lösungen und Kompromisse finden wird.

Ein Tipp Ihrerseits für Studienanfänger oder bereits Studierende? Angehenden Studierenden rate ich, sich vor dem Studium gut zu informieren, sich ernsthafte Gedanken zu machen, welches Studium nun wirklich das richtige ist. Die Uni Graz bietet dahingehend auch sehr viel an. Den bereits Studierenden lege ich ans Herz, während ihrere Studienlaufbahn auch über den Tellerrand zu blicken, sich durch Besuche von Lehrveranstaltungen andererer Studien zu bereichern und auch die Möglichkeit wahrzunehmen, einmal ein Semester im Ausland zu studieren. Ich finde, diese Chancen sollte man nutzen, denn sie sind für die spätere Laufbahn aber auch die persönliche Entwicklung wichtig und entscheidend.

WOCHE-WORDRAP

Das Beste daran, eine Frau
zu sein
… man kann leichter unkonventionelle Ideen vertreten und umsetzen.
Als Kind habe ich davon
geträumt
… einmal Forscherin zu werden.
Als Comic-Figur wäre ich
gerne
… Lisa Simpson

Steckbrief

- geb. 12. Februar 1958 in Graz,
- beendete das Studium der Psychologie an der KF-Uni-Graz 1984 mit der Promotion
- Nach anschließender Familienpause begann sie 1990 ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit an der TU Graz, ab 2005 an der KF-Uni
- 2009 bis 2011 war sie Leiterin des Instituts für Psychologie
- Seit 2011 ist sie Rektorin der Universität Graz.
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