23.08.2016, 16:10 Uhr

Tee und lange Unterhosen – Graz persönlich mit Michael Ostrowski

Immer für einen Scherz gut: "Ich hab schon gewusst, dass ihr hier ein Foto machen wollts, da hab ich mich gleich passend angezogen", so Ostrowski. (Foto: prontolux)

Ein wahrer Rock’n’Roller: Michael Ostrowski in einem teils unerwartet ernsten Gespräch.

Wenige Minuten zu spät und leicht angeschlagen wirkt Schauspieler Michael Ostrowski, als er zum Termin im Schubertkino erscheint. Er lächelt freundlich, zaubert einen „Gute-Laune“-Tee aus seiner Hosentasche und scherzt in Anspielung an seinen neuen Film „Hotel Rock‘n‘Roll“: „Lutschtabletten und selbst mitgebrachter Tee, das ist eben das wahre Rock’n’Roll-Leben!“

Rockig und unbeliebt

Gestern Abend feierte „Hotel Rock’n’Roll“ – der vorerst letzte Teil der Trilogie von „Nacktschnecken“ und „Contact High“ – Premiere in Graz. Am Wochenende war Ostrowski mit Kollegium am Rostfest in Eisenerz auf Promo-Tour. Die Spuren langer Nächte und musikalischer Showeinlagen mit der Filmband sind an seiner kratzigen Stimme erkennbar. Dennoch hat der 43-jährige Schauspieler, der für seine entspannte Art bekannt ist, nichts von seinem Humor eingebüßt. Auf die Frage, ob er auch nach Jahren immer noch gerne mit Pia Hierzegger, die wie schon in „Nacktschnecken“ auch in „Hotel Rock’n’Roll“ an seiner Seite spielt, und Co. zusammenarbeitet, meint er: „Ich möchte an dieser Stelle einmal festhalten, dass ich mit meinen Kollegen nicht klarkomme und mich keiner mag, deswegen bin ich alleine hier.“

Drehbuch statt Dissertation

Doch Ostrowski, der seine Karriere im Grazer Theater im Bahnhof begann, und für seine aberlustigen und abgedrehten Rollen in Film und Fernsehen bekannt ist, kann sich auch philosophisch und ernst zeigen. „Wie ich auf die Idee für meine Filme komme? Ich weiß es nicht. Es gibt Dinge, die nicht einzuordnen sind, wie im echten Leben eben. Film ist für mich eine größere Realität, das ist da, um etwas zu öffnen und nicht nur, um einfach abzubilden.“
Mit dieser nachdenklichen Art geht der Schauspieler, der nie vorhatte, Schauspieler zu werden („Ich habe studiert und bereits mit meiner Dissertation begonnen, dann habe ich gemerkt, dass ich doch lieber Drehbuch statt Doktorarbeit schreibe“) durchs Leben. „Ich schaue einfach, was auf mich zukommt und das mache ich dann.“ In „Hotel Rock’n’Roll“ scheint dies einiges zu sein: Von Schlagzeugern, die ihm beim Tauchen erscheinen, hin zu wilden Partys und dem Vertuschen eines Bankraubes – und das alles stets in verrückten Outfits. „Das ist der Vorteil an meinem Beruf, du kannst so viele Peinlichkeiten ausleben. Wenn ich in langen Unterhosen mit Stiefletten irgendwo moderiert habe, dann war das ja auch Absicht.“

Graz, Gries, Lend

An Graz schätzt der Künstler vor allem die kreative Szene rund um die Bezirke Lend und Gries und dass er auch weiterhin ganz normal fortgehen kann. Und wohin? „Na, das werde ich dir jetzt verraten“, grinst er schelmisch. Genauso ernsthaft beantwortet er auch die letzte Frage, ob ihm das Schauspielen nach wie vor Spaß macht: „Nein, gar nicht, es ist eine reine Qual.“

WOCHE-Wordrap

Mit 85 Jahren möchte ich sagen können, dass ...
... ich lebe.
Auf einen Kaffee gehen würde ich am liebsten mit ...
... meiner 96-jährigen Oma.
So würde ich mich selbst in drei Worten beschreiben ...
... humorvoll, geheimnisvoll, leidenschaftlich.
Richtig laut gelacht habe ich das letzte Mal ...
... bei diesem Interview.
Ich bin süchtig nach ...
... nix.
Würde ich den Papst treffen ...
... würde ich ihm vorschlagen, mit mir eine Version von „Futschikato“ (Lied aus Hotel Rock‘n‘Roll) aufzunehmen. Dann haben wir die südamerikanisch-lateinische Version –„Don Francisco“.

Steckbrief:

Name: Michael Ostrowski, (geb. Stockinger.)
Geboren am 3. 1. 1973 in Leoben.
Ist Schauspieler, Drehbuchautor und Moderator.
Studierte Englisch und Französisch in Graz, Oxford u. New York.
Hat zehn Jahre lang Theater gespielt.
Film/ Fernsehen: Nacktschnecken (2004), Contact High (2009), Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott (2010), Die Werkstürmer (2013), Bad Fucking 82013), Er ist wieder da (2015), Vier Frauen und ein Todesfall (seit 2004), die Schlawiner (2009 – 2012), uvm.
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