10.03.2016, 06:00 Uhr

Auflegen, abshaken, und Adrenalin einatmen

Julia Caballera ist das Pseudonym, unter dem Julia Reiter die Grazer Clubszene gern mal "aufmischt“. (Foto: geopho.com)

Sie wollte beim Fortgehen nicht mehr auf die Musik warten müssen, die ihr gefällt. Deswegen legt Julia Reiter jetzt einfach selbst auf. Eine DJane zwischen musikalischen Adrenalinräuschen und sozialem Engagement.

Wie wird man DJane in Graz?
Im Sommer 2014 haben wir das DJ-Kollektiv „SoundMarie“ gegründet, im Frühjahr habe ich im stillen Kämmerchen geübt und in kleineren Clubs wie dem „Sub“ begonnen, weiter ging es dann im „Parkhaus“ bis hin zum Forum Stadtpark.

Wie kann man sich eure Arbeit im Kollektiv vorstellen?
Wir machen Partys als Kollektiv, haben aber alle auch alleine Gigs, weil unsere Stilrichtungen sehr verschieden sind. Wir treffen uns regelmäßig und unterstützen uns. Momentan versuchen wir auch gerade ein Sozialprojekt zu starten.

Welches Projekt ist das?
Wir wollen bei Sozialreinrichtungen unser Service anbieten zu Feierlichkeiten jeder Art, egal, ob ein Sommerfest im Männerwohnheim oder eine Caritas-Benefizveranstaltung, und dort kostenlos auflegen. Ich glaube, man kann im Sinne des Feierns und der Musik einen guten Austausch und Begegnung schaffen für Menschen, die diese Möglichkeit ansonsten nicht haben.

„SoundMarie“ besteht aus sieben DJanes, wolltet ihr bewusst nur Frauen dabei haben?
Das hat sich so ergeben. Ich glaube schon, dass wir als einziges Frauenkollektiv in Graz manchmal einen Vorteil haben, wenn bewusst DJanes gesucht werden. Die Branche ist nämlich noch sehr männerdominiert. Aber das wandelt sich langsam.

Wieso ist das deiner Meinung nach so und woran erkennt man einen Wandel?
Der technische Aspekt ist, denke ich, nach wie vor abschreckend für viele Frauen. Das DJ-Handwerk hat sich erst in den letzten paar Jahrzehnten entwickelt. Die Menschheitsgeschichte macht deutlich, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern in jedem Bereich seine Zeit dauert. Es werden aber immer mehr Frauen hinter den Turntables gezeigt, und nicht im Bikini-Ibiza-Style, sondern auf gleicher Ebene mit Männern. Umso mehr dieses Bild medial aufgegriffen wird, kann das ein Umdenken bewirken und Frauen möglicherweise stärker ansprechen, es auszuprobieren.

Du hast es probiert und machst dir gerade einen Namen in Graz. Apropos, wie bist du auf deinen DJ-Namen gekommen?
Ich liebe Spanisch und habe länger in spanischsprachigen Ländern gelebt. Mein Nachname Reiter wäre übersetzt „caballero“, daher Julia Caballera.

Was ist das Faszinierende am DJane-Dasein?
Ich liebe diese Dynamik zwischen Publikum und DJ – wenn du merkst, wie du die Spannung hebst und die Leute kurz vor dem Euphorieausbruch sind. Diese Mischung aus Anspannung und Nervosität und dann Aufatmen, wenn es klappt und die Menge zum nächsten ‚Track‘ voll abgeht, das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, ein richtiger Adrenalinkick.

War Musik immer ein großer Bestandteil in deinem Leben?
Ja, schon in meiner Kindheit, aber in einer ganz anderen Richtung. Der Traum meines Vaters war, dass wir als Familie eine Volksmusikgruppe gründen (lacht).
Jetzt legst du elektronische Musik auf. Was sagt er dazu?
Er hat sich inzwischen damit angefreundet, dass nichts aus seinem Volksmusik-Traum wird.

Bist du noch nervös, wenn du auf der Bühne stehst?
Das ist man immer, doch meine Hände zittern nicht mehr wie damals bei meinem ersten Auftritt. Ich bin aber auch kein Typ, der im Mittelpunkt stehen muss. Hinter meinem Mischpult fühle ich mich wohl und ‚shake‘ gern mit ab.

WOCHE-WORDRAP
Mein erster Gedanke in der Früh ist ... geht sich noch ein Schlummer aus?
Das Verrückteste, was ich je getan habe ... war mit 15 auf einem Lkw quer durch Peru zu trampen.
Das Schöne daran, eine Frau zu sein ist ... dass ich ich sein kann.

Steckbrief
Geboren am 23. 8. 1990 in Graz.
Studiert Anglistik und Pädagogik in Graz.
Ist Projektkoordinatorin bei MegaphonUni.
Legte im Stück „Johanna Holzschwert“ (Next Liberty) auf.
„Klänge der Menschlichkeit“, 1. April im Dom im Berg, nächster Gig.
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