16.03.2016, 08:00 Uhr

Der Experte erklärt: Stephan Moebius über den Wert "Freiheit"

Soziologe Stephan Moebius erklärt uns die Freiheit. (Foto: geopho.com)

Der Grazer Soziologe Stephan Moebius, der an der Karl-Franzens-Universität forscht und lehrt, begleitet die WOCHE-Serie „Wahre Werte“ (siehe Story rechts) wissenschaftlich. Was meint er zum Thema Freiheit?

„Unser modernes Freiheitsverständnis ist das Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse des 17. und 18. Jahrhunderts, insbesondere des Denkens der Aufklärung und der Kämpfe der Französischen Revolution. Für die Denker der Aufklärung ,wie zum Beispiel den Engländer John Locke, waren Freiheit und Eigentum, auch Eigentum des eigenen Körpers, unabdingbare Rechte. Die Werte der Französischen Revolution von 1789 waren Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Das heißt, hier wurde die Vorstellung vorherrschend, dass Freiheit nur im Zusammenspiel mit sozialer Gleichheit und Brüderlichkeit erlangt werden könnte: Ohne soziale Gleichheit und Brüderlichkeit keine Freiheit.

Positiv und negativ

Beide Vorstellungen, die der Aufklärung und der Französischen Revolution, bestimmen heute unseren Wert und das Verständnis der Freiheit. So unterscheiden wir in der Soziologie und Philosophie zwischen »negativer« und »positiver« Freiheit: Negative Freiheit bedeutet, wir sind frei von allen äußeren Zwängen und nicht durch andere eingeschränkt oder bestimmt. Das ist das, was wir für gewöhnlich unter Freiheit verstehen. Positive Freiheit bedeutet, dass es für die Verwirklichung von Freiheit bestimmte Faktoren braucht, wie zum Beispiel die Einbettung in einer Gemeinschaft, Grundrechte, Chancengleichheit, soziale Anerkennung und Wertschätzung. Beide Arten von Freiheit finden wir in unseren heutigen Demokratien als Grundwerte – zumindest rechtlich – verankert.
Eng verbunden mit diesem Wert der Freiheit ist zum Beispiel die Meinungsfreiheit, die ebenfalls Ergebnis der Menschenrechte ist. Sie ist gesetzlich eingeschränkt, sobald sie die Freiheit und die Würde anderer Menschen verletzt, etwa, wenn gegen bestimmte Menschen und Gruppen gehetzt wird, diese verächtlich gemacht werden oder zu Gewalt gegen Menschen aufgefordert wird. Es gilt sozusagen: „Die Freiheit ist immer die Freiheit des anderen“, sie geht nur so weit, wie sie die Freiheit und Würde des Anderen nicht einschränkt.“

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