20.04.2016, 11:00 Uhr

Der Glaube an den freien Willen

Begleiterin und Firmlinge: Edith Steinkellner mit Felix, Claudia und Bettina (v. l.) in der Grabenkirche: „Das Schöne hier ist das Gemeinschaftliche zwischen allen Generationen“, so die vier. (Foto: geopho.com)

Die WOCHE-Werteserie: Firmbegleiterin Edith Steinkellner und ihre Schützlinge erklären uns, was sie unter "Glauben" verstehen.

Warum sind wir hier? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wir alle stellen uns diese Fragen irgendwann. Inwieweit kann uns der Glaube eine Antwort darauf geben? Wir haben darüber mit Edith Steinkellner, seit über zehn Jahren Firmbegleiterin, und drei ihrer Firmlinge diskutiert. „Es ist befreiend, wenn man an etwas glauben kann“, sind sich Felix Schmidbauer und die Zwillinge Claudia und Bettina Baumgartner (alle 13) einig. Die Schwestern ministrieren seit acht Jahren, auch Felix stammt aus einer religiösen Familie. „Erziehung spielt eine starke Rolle“, meint Steinkellner. „In meinem Leben war der Glaube auch von klein auf ein zentrales Element.“ Doch woran genau glauben die vier? Und bedeutet Glaube gleich Religion? „Ich denke da an die alten Geschichten mit Moses und so“, meint Felix. Seine Firmbegleiterin sieht dies etwas differenzierter. „Ich habe schon interessante Diskussionen über Liebe geführt. Die Liebe – etwa zu den Eltern oder zum Partner – ist nichts, was ich materiell angreifen kann und trotzdem glaube ich daran, dass sie existiert. Das ist dann auch eine Art Glaube für mich.“

Gott, der alte Mann?

Wenn Glaube aber mit Religion in Zusammenhang steht, wer oder was ist dann Gott? Nach ein paar schweigsamen, nachdenklichen Augenblicken meldet sich Felix zu Wort: „Für mich ist Gott nicht unbedingt ein alter Mann im Himmel, sondern der Friede, von dem alles ausgeht.“ Eine Antwort, die so sicher und reflektiert aus dem Mund des 13-Jährigen kommt, dass Steinkellner schmunzelnd hinzufügt: „Genau das macht mir Spaß als Firmbegleiterin. Es ist so cool, sich mit jungen Leuten über Gott und die Welt auszutauschen.“ Und auch die 27-Jährige denkt bei der Gestalt Gottes nicht an einen Greis, der über den Wolken sitzend auf uns herabblickt. „Ich glaube einfach, dass es da etwas gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Menschen, so faszinierend wie wir sind, ein reines Zufallsprodukt sind.“ In Erklärungsnot käme sie bloß, wenn die altbekannte Frage nach dem Leid auf der Welt im Firmunterricht auftaucht. „Ich kann das nur so beantworten: Wir haben einen freien Willen zu handeln bekommen, daher passiert eben auch Böses auf der Welt.“ Claudia stimmt ihr nickend zu: „Ich denke, dass das für uns schon alles ganz gut hergerichtet ist. Wenn etwas schiefgeht oder die Umwelt zerstört wird, dann sind wir Menschen auch oft selbst schuld.“ So sollte man Gott laut unserer Diskussionsrunde nicht zuerst für das Übel verantwortlich machen, sondern auch für das Schöne. „Vor allem, dass wir auf der Welt sind, ist ein echtes Geschenk“, meint Steinkellner.

Zeit für sich

Sehr bald ist klar – gläubig sind sie alle: Edith, Felix, Bettina und Claudia. Doch warum eigentlich? „Ich gehe sonntags nicht in die Kirche, weil ich es wem schulde, sondern damit ich eine Stärkung für mein Seelenheil bekomme. Dann ist da noch dieses Vertrauen, dass alles ein gutes Ende haben wird“, so Steinkellner. Und Bettina, die lange nur ruhig zugehört hat, wirft die Frage in den Raum: „An nichts zu glauben ist doch auch nicht schön, oder?“

Was sagt Soziologe Stephan Moebius zum Thema "Glauben"
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