24.05.2016, 13:51 Uhr

Der letzte "Mohikaner", der (fast) alles hat

Das Reich der Greimels: Gerti und Josef Greimel in ihrem Geschäft auf der Ries. (Foto: Prontolux)

WOCHE-Schwerpunkt "Wir kaufen daheim" – die Greißlerei Greimel auf der Ries ist wohl so etwas wie der letzte echte Grazer Nahversorger.

Sie sind so etwas wie die letzten Mohikaner ihrer Zunft – Gerti und Josef Greimel betreiben mit "Greimels Greißlerei & Kuchen" auf der Ries ein Geschäft, das wie aus der Zeit gefallen scheint. Einen echten Nahversorger, wie es ihn in Graz eigentlich gar nicht mehr gibt.
Deshalb ist das sympathische Ehepaar ja geradezu prädestiniert für den Auftakt zu unserem Themenschwerpunkt "Wir kaufen daheim", der uns über die nächsten Wochen und Monate begleiten wird. "So ein Geschäft werdet ihr in der Stadt wahrscheinlich nicht mehr finden", empfängt Josef Greimel die WOCHE beim Lokalaugenschein lächelnd.
Und es ist auch wirklich erstaunlich, was man auf ihren 114 m² alles bekommt: Von der Putzereiannahmestelle über einen Paketdienst bis hin zu Lebensmitteln – und zu Mittag wird auch ausgekocht. "Von der Kartenspielrunde bis zu Wanderern – zu Mittag sind wir eigentlich immer voll", erzählt Gerti Greimel, von ihrem Mann liebevoll "Unternehmenssprecherin" genannt, stolz.


Lange Geschichte

Bei den Lebensmitteln setzen die Greimels voll auf Regionalität: "2014 haben wir komplett auf Bio und Regionalität umgestellt. Wir kaufen direkt bei den Bauern – uns ist auch wichtig, dass wir alle Lieferanten persönlich kennen", stellt die gelernte Gastronomin klar. Das ist für Frau Greimel auch das Erfolgsgeheimnis. "Die Leute wollen eine Geschichte zu den Produkten – wollen eine ordentliche Ansprache, das bekommen sie ja sonst kaum noch. Diese persönlichen Kundenbeziehungen sind sicher ein Geheimnis, dass es uns noch immer gibt."
Das Kaufhaus an der Riesstraße kann nämlich auf eine lange Tradition zurückblicken. Seit knapp 120 Jahren befindet sich in diesem Haus schon ein Nahversorger – im Jahr 1992 haben die Greimels das Geschäft von Frau Lachmann, der Großtante von Frau Greimel, übernommen. An den alten Namen erinnert ja noch immer die Bushaltestelle vorm Geschäft.

Viele Jungfamilien

Den typischen Kunden gibt’s eigentlich nicht. "Zu uns kommen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten – auch viele vom LKH, wir sperren ja schon um 6 Uhr auf. Was wir merken ist, dass auch immer mehr Jungfamilien bei uns einkaufen. Gerade die legen immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit. Für die älteren Kunden sind wir aber noch immer der Nahversorger, bei dem sie alles bekommen. Deshalb nehmen wir auch Pakete an und haben eine Putzereiannahmestelle eingerichtet."
Die Wünsche der Familie Greimel für die Zukunft: "Die Bürokratie gehört endlich entstaubt und uns nicht immer weiter das Leben schwer gemacht – und auch die Politik sollte einmal an die Kleinunternehmer denken, nicht nur an die großen Konzerne."
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