11.05.2016, 09:00 Uhr

Graz verliert seine schönsten Feste

Tausende Besucher zog das Augartenfest mit seinen vielen Bühnen und breitem Kinder- und Sportprogramm jährlich an. (Foto: simon.jimenez.at & ganzGustav.at)

Kurzfristige Absage des Augartenfests sorgte für Aufregung – doch woran mangelt es wirklich in der Eventkultur?

Am 3. Mai kam die überraschende Meldung für alle Grazer Konzert- und Festivalliebhaber – das Augartenfest ist abgesagt! In zwei Monaten hätte die Party steigen sollen: Musik auf mehreren Bühnen, entspannte Leute auf Picknickdecken und gute Stimmung. Doch nun geht die 35-jährige Tradition eines der größten und beliebtesten Stadtfeste zu Ende. Doch warum?
„Wir konnten das Festival nicht mehr kostendeckend tragen“, meint Ewald Muhr von „Vorwärts Jakomini“. Der Verein war bislang für die Organisation des Augartenfestes verantwortlich. „Uns tut es sehr leid, dass wir die Veranstaltung absagen müssen, aber durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen wurde das finanzielle Risiko zu hoch“, erklärt Muhr.

Graz – Festivalstadt oder nicht?

Während im Lend vergangene Woche noch eifrig „gewirbelt“ wurde, scheinen es Formate dieser Art in Graz nicht leicht zu haben. So stand etwa das Springfestival vor ein paar Jahren beinahe vor dem Aus. Und von Werner Schrempf, dem Intendanten des Straßenfestivals La Strada, heißt es: "Vorschriften wie das neue Veranstaltungsgesetz machen es uns nicht einfacher, aber wir passen uns – so weit möglich – den Rahmenbedingungen an." Das Veranstaltungsgesetz von 2012 gilt auch als Hauptursache der Absage des Augartenfestes. Wer das Gesetz wirklich ernst nimmt, muss mit gewissen Einschränkungen rechnen. „Durch das Gesetz sind große und kleine Veranstalter relativ gleichgestellt", meint etwa Armin Egger, Geschäftsführer der Messe Congress Graz GmbH. Egger kann gut nachvollziehen, dass das Augartenfest deswegen abgesagt werden musste.
"Das Veranstaltungsgesetz ist natürlich wichtig, aber die Auflagen sind jetzt sehr hoch." So sind beispielsweise die Vorschriften für Festivalzelte und für den allgemeinen Brandschutz nicht zu unterschätzen. "Die Veranstalter tragen eine große Verantwortung, für Vereine im Freiwilligen-Bereich ist das finanziell nicht ganz leicht", so der Messe Congress-Geschäftsführer.

Die Kassa ruft zur Pflicht

Ein weiterer Grund für die Absage des Augartenfestes ist laut Verein "Vorwärts Jakomini" die Registrierkassenpflicht. "Bei großen Festen ist dieses System unpraktikabel", meint auch Armin Egger. So würden sich die Wartezeiten unnötig verlängern, wenn die Besucher in den Pausen zwischen den Bands gleichzeitig zu den Getränke- und Essensständen aufbrechen. "Da muss es schnell gehen, weil sich niemand lang anstellen will, und jetzt kommt noch das Bonnieren hinzu", so Egger.
Trotz aller widriger Umstände bleibt Ewald Muhr von "Vorwärts Jakomini" optimistisch: "Uns liegt es sehr am Herzen ein neues Format, ähnlich dem Augartenfest, zu etablieren. Wir sind schon dabei, Ideen zu entwickeln."
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