26.04.2016, 13:20 Uhr

Liebe am Arbeitsplatz: Wie es funktionieren kann

Sie hat Geschlechterrollen im Fokus: Sigrid Fischer leitet das Frauenservice. (Foto: bilderbox.com)

Sie haben sich in einen Kollegen/eine Kollegin verliebt? Der Psychologe Philip Streit erklärt, was es zu beachten gibt.

Obwohl Sie es nicht wollten, ist es geschehen: Sie haben sich in einen Kollegen/eine Kollegin verliebt. Da stellt sich die Frage: Wie soll man damit umgehen?
Sich am Arbeitsplatz zu verlieben ist nicht ungewöhnlich: Etwa ein Drittel der Beziehungen entsteht laut Statistiken am Arbeitsplatz: Hier verbringen Menschen die meiste Zeit. Man arbeitet zusammen, trifft sich, macht Dienstausflüge, vielleicht eine Dienstreise miteinander. Die Treffen sind unverfänglich. Niemand kann etwas sagen, wenn man den Schwarm zum Kantine-Essen begleitet. Auch Gesprächsthemen sind vorgegeben.

Gemeinsame Kraft nutzen
Der Arbeitsplatz ist ein idealer Ort, um miteinander in Resonanz zu treten: Man hat gemeinsame Aufgaben, freut sich, wenn etwas gelingt, hilft einander. Aus diesen positiven Momenten kann etwas Beziehungsähnliches entstehen, besonders, wenn es eine erotische Anziehung gibt.
Bis Ende des 20. Jahrhunderts waren Beziehungen am Arbeitsplatz gar nicht gern gesehen: Das gehöre nicht hierher, störe den Arbeitsablauf. Heute hat sich das geändert: Nicht wenige Manager meinen, dass man die gemeinsame Kraft eines Pärchens nützen kann.
Aber eine Herausforderung ist eine Liebelei oder Beziehung am Arbeitsplatz immer noch. Am problematischsten erscheinen Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Wenn sie enden, verlässt oft der Mitarbeiter die Firma.

Neun Tipps
1.) Halten Sie
Privates privat, so lange es nichts Festes ist. Sonst kommt es zu unnötigem Getratsche und auch unnötiger Belastung, wenn nichts daraus wird.
2.) Gehen Sie in sich und überprüfen Sie, ob es das wirklich wert ist, sich darauf einzulassen.
3.) Wenn Sie merken, dass sich mehr entwickelt, outen Sie sich. Es ist nämlich schwer, eine Beziehung zu verbergen: Sie schauen sich anders an, gehen anders miteinander um. Mit dem Outing müssen natürlich beide einverstanden sein.
Dann können Sie die Beziehung offen, klar und in angemessener Form bekannt geben, vielleicht bei Kaffee und Kuchen.
4.) Ihr Chef sollte nicht als letzter davon erfahren, sondern als erster.
5.) Trennen Sie Berufliches und Privates strikt:
Beziehungsstreitigkeiten am Arbeitsplatz sind das pure Gift – für Sie selbst und für den Betrieb.
Bedenken Sie: Liebe kommt und geht. Genießen Sie die Begegnungen, aber wahren Sie die Form.
Intimitäten haben im Job nichts verloren. Dies wirkt befremdend, auch wenn lange niemand etwas sagt. Küssereien bei Betriebsfeiern kommen nicht gut an.
6.) Ihre Arbeitsleistung sollte nicht leiden. Eher im Gegenteil, Ihre gemeinsame Synergie sollte positiv spürbar werden.
7.) Vergessen Sie die Beziehung zu anderen Kollegen nicht, gehen Sie weiter mit Ihnen Mittag essen.
8.) Reflektieren Sie Ihr Handeln von Zeit zu Zeit. Lassen Sie sich Ihr Tun auch von außen reflektieren.
9.) So können Beziehungen auch am Arbeitsplatz ihren Platz haben und ein positives Klima fördern.

DER EXPERTE
Dr. Philip Streit
ist Psychologe, Psychotherapeut und Lebens- und Sozialberater. Seit 20 Jahren leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. www.ikjf.at
Jede Woche beantwortet er eine Frage rund um Erziehung und Beziehung.
Ihre Anregungen können Sie an die Redaktion schicken:
elisabeth.poetler@woche.at
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