21.09.2016, 10:41 Uhr

Lügen haben kurze Beine

Pinocchio bekam beim Lügen eine lange Nase. (Foto: Pixabay)

Soll man Freunde bei Unwahrheiten konfrontieren oder dies ignorieren?

Wer behauptet, dass er nicht lügt, lügt garantiert. Laut einer Studie lügt der Mensch 70 bis zu 200 Mal täglich. Dies trotz der Gebote der Moral, die klar festlegen, dass Lügen nicht erlaubt und verwerflich ist. Aber dennoch lügen Menschen. Etwa aus Höflichkeit, vor Angst oder aus Scham.
Lügen sind letztendlich immer schädigend und zerstörend. Eine unglaubliche Last wird aufgebaut, indem man versucht, das Lügenkonstrukt aufrechtzuerhalten. Die Erfahrung zeigt aber, dass dieses Konstrukt über kurz oder lang immer in sich zusammenbricht. Dann hilft es nur, bei der Wahrheit zu bleiben, egal, wie fortgeschritten die Situation schon ist. Denn auf Dauer gefährden und zerstören Lügen Beziehungen, da es keinen Rückhalt und Vertrauen mehr gibt.

Tipps vom Familienflüsterer
Lügen sind an Mimik, Gestik, höherer Stimme oder mangelndem Augenkontakt des Gegenüber erkennbar. Diese Möglichkeiten nennt Dr. Philip Streit, um mit der Lügenherausforderung umzugehen:

1. Gutes Klima. Bemühen Sie sich immer um eine gute Beziehung zu sich selbst und zu anderen. Dies schafft ein Klima, in dem man offen und ehrlich zueinander ist und auf Lügen verzichtet.
2. Respekt. Achten Sie auf Wertschätzung und positive Gespräche. Dies macht so manche Notlüge überflüssig. Pflegen Sie angemessenen Kontakt, auch Augenkontakt. Das macht offen.
3. Aussprache. Wenn Sie das Gefühl haben, dass über die Maßen gelogen wird, sprechen Sie dies fragend an. Konfrontieren Sie nicht. Beginnen Sie ein positives Gespräch und bleiben Sie beharrlich bei Ihren Fragen.
4. Selbstläufer. Wenn Sie dazwischen immer positive Beziehungssignale senden, werden sich die sogenannten verlogenen Dinge von selbst zurechtrücken.

DER EXPERTE

Dr. Philip Streit
ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
Tel.: 0316/77 43 44
Fax: 0316/76 39 19
Web: www.ikjf.at

Im Jänner 2016 hat er das „M42“, das neue Begegnungs- und Therapiezentrum des Institutes in der Moserhofgasse, eröffnet.

Jede Woche beantwortet der Psychologe in der „WOCHE“ eine Frage aus dem Themenfeld Erziehung und Beziehung.

Ihre Anregungen und Fragen richten Sie bitte an die Redaktion. Die E-Mail-Adresse lautet: redaktion.graz@woche.at oder senden Sie es uns auf dem Postweg an „WOCHE Graz“, Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz.

Sein neues Buch „Ich will nicht in die Schule. Ängste verstehen und in Motivation verwandeln“ erscheint diese Woche. Zu bestellen ist das Buch unter akjf@akjf.at oder unter 0699/16 03 0001.
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