30.03.2016, 09:30 Uhr

Schlüssel zu einem freien Leben

Weiß den Wert der Demokratie zu schätzen: Thomas Gakire war für die UNO schon in einigen Krisenregionen im Einsatz. (Foto: geopho.com)

Die WOCHE-Werteserie: Thomas Gakire hat am eigenen Leib erfahren, was es heißt, ohne Demokratie zu leben.

Für jeden, der in Österreich nach dem Jahr 1945, also nach dem Ende von Diktatur und Krieg, geboren und aufgewachsen ist, ist Demokratie etwas Selbstverständliches. Es ist selbstverständlich, dass wir unsere politischen Repräsentanten frei wählen dürfen und es ist vor allem selbstverständlich, dass wir uns auch nach Lust und Laune über sie beschweren können. Wie Stephan Moebius, Soziologe an der Uni Graz, auf der linken Seite beschreibt, gibt es verschiedene Ausformungen der Demokratie, doch eines haben sie – bei aller berechtigter Kritik an Fehlentwicklungen und Systemschwächen – alle gemeinsam: die Macht liegt in einer Demokratie in letzter Konsequenz immer beim Volk.

„Die Hölle auf Erden“

Was es bedeutet, wenn dem nicht so ist, haben wir von Thomas Gakire erfahren, der 1996 als Student (über Umwege) aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Ruanda nach Graz gekommen ist und der danach jahrelang für das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in vielen Krisenregionen dieser Welt gearbeitet hat. „Ich habe zum Beispiel in Somalia miterlebt, wie die Menschen dort leiden, weil es keine Demokratie und keinen funktionierenden Staat gibt“, erzählt der Grazer. „Töten ist wie ein Spiel, es gibt kein funktionierendes Rechtssystem – das ist die Hölle auf Erden.“ Auch im Südsudan oder in Ägypten hat Gakire miterlebt, dass Menschen staatlicher Willkür ausgesetzt sind. „In einem Land ohne Demokratie zu leben, bedeutet Gefahr. Deshalb kommen auch so viele Leute zu uns nach Österreich, die ganz einfach Sehnsucht nach Freiheit, Sicherheit und einem normalen Leben haben.“ Der Begriff „Freiheit“ ist es auch, mit dem der geborene Afrikaner die Essenz der oft abstrakt wirkenden Demokratie auf den Punkt bringt. „Das bedeutet, sich auf rechtsstaatliche Prinzipien verlassen zu können, es heißt, dass die Bedürfnisse der Menschen in wichtige Entscheidungen einfließen und es heißt vor allem auch, dass alle gleich sind und dass keiner über dem anderen steht.“

Demokratie bedeutet Arbeit

Und auch, wenn Gakire aus eigener Erfahrung weiß, dass Demokratie eben alles andere als selbstverständlich ist, sieht er sie in Österreich gefestigt – trotz der meist sinkenden Wahlbeteiligung und der vielzitierten Politikverdrossenheit. Er glaubt an die Stärke der österreichischen Verfassung und er vertraut in das Prinzip der Gewaltenteilung, das dafür sorgen soll, eine zu starke Zentrierung der Macht zu vermeiden. Gleichzeitig ist für Thomas Gakire, der inzwischen bei „Jugend am Werk“ in der Flüchtlingsbetreuung beschäftigt ist, aber klar, dass hinter einer funktionierenden Demokratie viel Arbeit steckt: „Wir müssen Menschen, die aus anderen Kulturen zu uns kommen, die Möglichkeit geben sich anzupassen und Demokratie verstehen zu lernen. Gleichzeitig müssen wir selbst ständig weiter lernen und daran arbeiten, sie auch zu erhalten.“

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