29.06.2016, 07:00 Uhr

Schulpsychologe Josef Zollneritsch fordert: "Kürzere Sommerferien für bessere Noten!"

Schulpsychologe Josef Zollnertisch würde sich eine Änderung der Ferienstruktur wünschen. (Foto: Zollneritsch)

Der Landesreferent der Schulpsychologie hält eine Änderung der Ferienstruktur für notwendig.

In einer Woche starten die steirischen Schüler in die lang erwarteten Sommerferien. Zwei Monate Spaß, Entspannung und lernfrei. Eine Pause, die zu lange ist, wie Schulpsychologe Josef Zollneritsch findet. "Kinder brauchen Erholungsphasen, doch in neun Wochen geht die Lernmotivation verloren."

Ewiges Thema

So wünscht sich der Experte eine andere Ferienregelung. "Man könnte im Sommer locker zwei Wochen rausnehmen und diese dafür unter dem Jahr einbauen, so wie es in Deutschland der Fall ist." Die Umstrukturierung der Ferienzeiten ist keine neue Forderung. "Es hat sich aber noch immer nichts geändert", meint Zollneritsch. "Die letzte Pisa-Studie hat gezeigt, dass 25 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler weder lernerfassend lesen noch schreiben können. Lange Unterbrechungen kommen diesen Misskenntnissen nicht entgegen."

Fördern und motivieren

So sieht der Schulpsychologe gerade auch während der Ferien einen Förderbedarf gegeben. "Die Schulen tragen Verantwortung und sollten speziell nach der langen Sommerpause vor Beginn des neuen Schuljahres unterstützende Programme anbieten." Damit würden Bildungsanreize für die Schüler geschaffen werden und die Motivation aufrechterhalten bleiben. "Man muss die Lernbereitschaft von Kindern stärken. Wenn sie das Gefühl haben, Dinge nicht zu verstehen, nimmt diese ab." Außerdem würden besonders Schüler aus sozial schwächeren Milieus von Förderungen profitieren. "Der Schulerfolg steht in direktem Zusammenhang mit dem sozialen Status. Nicht alle Eltern können ihre Kinder ausreichend unterstützen", erklärt Zollneritsch. So sieht der Experte in kürzeren Sommerferien Vorteile für das Lernverhalten von Kindern sowie gleiche Voraussetzungen für alle gesellschaftlichen Milieus und einen sozialen Nutzen. "Die Schule lehrt Kinder durch den Austausch miteinander auch auf einer sozial-emotionalen Ebene."

WOCHE-Wissen
Gestaffelt: Während im Burgenland, in Niederösterreich und Wien die Sommerferien bereits am 2.7. beginnen (bis zum 3.9.), müssen sich die restlichen Bundesländer eine weitere Woche gedulden (9.7.-10.9.).
Pisa-Studie: Die internationale Schulleistungsstudie der OECD wird alle drei Jahre in den meisten EU-Ländern durchgeführt.
Deutschland: Unsere Nachbarn haben im Sommer "nur" sechs Wochen schulfrei.

Schreiben Sie
Ihre Meinung ist gefragt: Sind zwei Monate Sommerferien zu lang? Denken Sie, dass kürzere und vermehrte Unterbrechungen während des Schuljahres zu besseren Lernerfolgen bei unseren Schülern führen würden?
Schreiben Sie uns Ihre Gedanken an leserbrief@woche.at oder kommentieren Sie auf www.facebook.com/wochegraz.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.