16.08.2016, 12:59 Uhr

Wie aus Angst Energie und Motivation wird

Glücklich in der Schule: Schulangst ist keine Einbahnstraße und lässt sich in Motivation verwandeln. (Foto: Bilderbox)

Dr. Streit gibt Tipps, wie die Schulangst des Kindes bestmöglich genutzt und in Motivation verwandelt werden kann.

Der Schulbeginn nähert sich wieder mit großen Schritten und mit ihm ein Thema, das rund 25 Prozent aller Kinder betrifft: Angst vor der Schule. Symptome wie „nicht wollen“, starke Kopfschmerzen oder Magenverstimmungen bringen Eltern meist dazu, ihr Kind zuhause zu lassen, weil sie nicht wollen, dass es ihm noch schlechter geht.

Angst nicht ignorieren

Schulangst kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen die sogenannte Trennungsangst, wenn Kinder denken, dass sie ohne ihre geliebte Bezugsperson nicht sein können. Zum anderen sind Kinder überfordert und zerbrechen an ihren eigenen Ansprüchen oder auch an denen ihrer Eltern. Weiters kann auch eine Außenseiterposition in der Klasse, die oft mit schlimmem „Gehänselt-werden“, also Mobbing, einhergeht, Ursache für Schulangst sein. Der Familienflüsterer Philip Streit erklärt in seinem neuen Buch „Ich will nicht in die Schule“, dass es darum geht, die Angst zu akzeptieren, ihr zu begegnen und mit ihr zu arbeiten. Viele Menschen bagatellisieren Angst und versuchen, sie zu verbannen. Dies ist aber falsch, denn Angst ist eine mächtige Energie, ohne die wir nicht überlebensfähig wären.

Tipps für Eltern

Das Wichtigste ist, der Angst zu begegnen und die Energie zu nutzen. Dabei ist es von Bedeutung, dass Kinder von Eltern und Lehrpersonal Rückhalt und Unterstützung bekommen. Es braucht Menschen, die Kindern begegnen und sie inspirieren anstatt sie zu bestrafen, abzuwerten und ihre Ängste zu bagatellisieren. Dr. Philip Streit gibt Tipps, wie Sie die Schulangst Ihres Kindes in Motivation umwandeln können:

1. Unterstützung. Nehmen Sie Ihr Kind so wie es ist. Seien Sie da und bieten Sie ihm Rückhalt.

2. Aufmerksamkeit. Seien Sie wachsam und hellhörig für die Angstsymptome Ihres Kindes.

3. Nicht ignorieren. Versuchen Sie aber nicht, die Angst zu verleugnen und durch eigene Aktivitäten wegzumachen. Damit nehmen Sie Ihrem Kind die Chance, sich selbst zu motivieren.

4. Regeln aufstellen. Sagen Sie Ihrem Kind deutlich, dass Schule verpflichtend und für seine Zukunft notwendig und wichtig ist.

5. Netzwerk aufbauen. Seien Sie in Kontakt mit Schule und Lehrern und tauschen Sie sich aus.

6. Hilfestellung. Stehen Sie Ihrem Kind zur Seite und zeigen Sie ihm durch positive Erfahrungen, wie aus Angst Motivation wird.

7. Widerstand leisten. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass durch seine Angst nicht die ganze Familie tyrannisiert werden kann.

8. Erfolge bemerken. Bestärken Sie Ihr Kind, wenn es selbstbewusster wird. Nehmen Sie ihm aber nicht die Arbeit ab, selbst Angst in Motivation und somit in Schulerfolg zu verwandeln.

DER EXPERTE

Dr. Philip Streit
ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
Tel.: 0316/77 43 44
Fax: 0316/76 39 19
Web: www.ikjf.at

Im Jänner 2016 hat er das „M42“, das neue Begegnungs- und Therapiezentrum des Institutes in der Moserhofgasse, eröffnet.

Jede Woche beantwortet der Psychologe in der „WOCHE“ eine Frage aus dem Themenfeld Erziehung und Beziehung.

Ihre Anregungen und Fragen richten Sie bitte an die Redaktion. Die E-Mail-Adresse lautet: redaktion.graz@woche.at oder senden Sie es uns auf dem Postweg an „WOCHE Graz“, Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz.

Sein neues Buch „Ich will nicht in die Schule. Ängste verstehen und in Motivation verwandeln“ erscheint diese Woche. Zu bestellen ist das Buch unter akjf@akjf.at oder unter 0699/16 03 0001.
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