31.08.2016, 11:31 Uhr

Wie aus der Zeit gefallen

Nach mehr als 40 Jahren schließen Erika und Günter Kräftner ihr Geschäft endgültig. (Foto: Prontolux)

1854 gegründet, schließt der Textilspezialist "Kräftner" zum Jahreswechsel seine Türen.

Schon das schwarze Schild mit dem geschwungenen, silbernen Schriftzug, erinnert an vergangene Zeiten, geht man darunter durch und betritt das Textilfachgeschäft "Kräftner", verstärkt sich dieser Eindruck noch einmal. Hier sieht es so aus, wie es eigentlich schon lange nirgendwo mehr aussieht: Keine raffinierte Warenpräsentation, die sich irgendein Interior-Designer ausgedacht hat, dafür Wände voller Regale, in denen man einst aus bis zu 2.000 Herrenhemden wählen konnte, unzählige Laden, in denen sich noch mehr Knöpfe in allen möglichen Formen und Farben verbergen und Tische, unter deren gläsernen Platten man bunte Schnüre und etliche andere Waren begutachten kann.

Eine Institution
Bereits 1854 als Standl am Jakominiplatz gegründet, übersiedelten die Vorfahren des heutigen Inhabers Günter Kräftner im Jahr 1909 an den heutigen Standort in der Reitschulgasse 13. "Wäsche, Blusen, Hemden Berufskleidung – egal, ob für Damen, Herren oder Kinder, wir haben eigentlich alles gehabt. Früher war 'Kräftner' DAS Geschäft in Graz, jeder ist zu uns gekommen", erzählt Erika Kräftner und ihr Mann ergänzt: "Zu Weihnachten sind sie sogar in Zweierreihen bei uns gestanden und wir hatten bis zu sieben Mitarbeiter gleichzeitig."

Ein Abschied
Inzwischen ist das aber lange her, das Ehepaar ist eigentlich seit elf Jahren in Pension, geöffnet hat man nur noch vormittags – einigen alten Stammkunden zuliebe: "Einige sind schon mit ihren Großmüttern gekommen und inzwischen selbst alt", so Frau Kräftner, mit einem Schmunzeln im Gesicht. "Jeden Tag sagen mir die Leute, dass wir ja nicht zusperren dürfen, weil sie nicht wissen, wo sie dann hingehen sollen – bei uns kriegt man ja alles, was man sonst nirgendwo mehr bekommt", berichtet ihr 76-jähriger Mann. Zum Jahresende ist trotzdem Schluss, die Gesundheit spielt inzwischen nicht mehr so richtig mit und auch eine neue Registrierkasse will sich das Unternehmerehepaar nicht mehr anschaffen. Mit den Kräftners verabschiedet sich dann auch ein Stück Grazer Geschichte endgültig in den Ruhestand.
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