29.03.2016, 09:37 Uhr

Wie erklärt man Kindern den Tod?

Was passiert, wenn jemand stirbt? Kinder haben oft viele Fragen zum Tod, wichtig ist: wahrhaftig zu antworten. (Foto: Bilderbox.com)

Ist der Opa im Himmel, wenn er gestorben ist? Was passiert nach dem Tod? Der Psychologe Dr. Streit liefert Antworten für Kinder.

Wenn geliebte Menschen sterben, ist das auch für Erwachsene sehr schmerzvoll und schwer zu verstehen. Wie aber kann man Kindern einen Todesfall erklären?
Ein Beispiel: Der Großvater ist verstorben und der 5-jährige Sohn hat Fragen wie: Was ist der Tod? Muss ich auch sterben?
Tatsächlich ist der Tod ein Thema, das unsicher macht. Er löst Angst aus, das hat drei Gründe: Der Tod ist unumkehrbar, universell – jedes Lebewesen muss sterben – und unvorhersehbar.

Wir Erwachsene versuchen, das Unvermeidliche zu akzeptieren. Religionen versuchen, Antworten zu geben. Wie aber gehen Kinder mit dem Tod um?
Mit 2 Jahren stellen Kinder keine Fragen dazu, weil ihre geistige Entwicklung noch nicht so weit ist. Sie können aber Trauer erleben. Das zeigt sich an Weinerlichkeit, Verstörtheit, Rückzug oder auch aggressivem Verhalten.

Zwischen 3 und 7 Jahren können Kinder den Tod nicht verstehen, entwickeln aber ein magisches Denken darüber: etwa, dass tote Menschen an einem bestimmten Ort sind oder etwas Zauberhaftes machen. Dazu kommen Sachfragen: Wie sieht ein Toter aus? Warum liegen Tote in einem Sarg? Diese Fragen können Sie kaum zufriedenstellend beantworten – aber sehr wohl wahrhaftig.
Ab dem 8. Lebensjahr können Kinder eine Art Zeitgefühl entwickeln und eine Idee davon, dass etwas ein Ende hat. Viele Fragen verarbeiten sie aber immer noch in einem magischen Kontext.
Ab dem 12. Lebensjahr ist eine realistische Wahrnehmung des Todes möglich: Kinder beginnen zu verstehen, dass ein Toter nicht zurückkommt. Echte Trauerarbeit ist nötig. Die Trauer um einen geliebten Menschen verläuft bei Kindern in 3 Schritten:
1) Das Nicht-wahrhaben-wollen.
2) Das Idealisieren des Menschen.
3) Wut und Aggression über das plötzliche Wegbleiben. Dann folgt eine Neuorientierung.
Kinder jeden Alters brauchen beim Umgang mit dem Tod sichere Begleitung.

7 Tipps: Das können Sie tun

1) Reden Sie nicht herum, beschönigen Sie nicht (mit Sätzen wie: „Er ist nur für längere Zeit weg“).
2) Bleiben sie wahrhaftig: „Tot“ bedeutet, dass der Mensch nicht mehr bei uns ist. Bei unter Zwei- bis Dreijährigen können Sie durchaus sagen, dass der Körper nicht mehr funktioniert und der Mensch deshalb nicht mehr da ist.
3) Hören Sie Ihrem Kind gut zu und lassen Sie es seine Vorstellungen erzählen, bevor Sie auf die Frage antworten. Bleiben Sie dabei stützend mit ihm verbunden.
4) Beachten Sie, dass Kinder auf ihre eigene Weise trauern. Oft sagen sie das nur nicht.
5) Für Trauer und Teilhabe an der Verabschiedung ist es eigentlich nie zu früh. Kindern ist das durchaus zumutbar und es ermöglicht auch einen Entwicklungsschritt.
6) Werden Sie nicht böse, wenn Kinder bei einer Trauerfeier ihr Spielzeug herausholen, so bewältigen sie die Situation am besten.
7) Ermöglichen Sie vor allem durch Rituale, klare Antworten und klare Vorgehensweisen ein angemessenes Verabschieden und Trauern. Stehen Sie Ihrem Kind dabei stützend zur Seite.
Eine zukunftsorientierte Erziehung, die Hoffnung nährt und Stärken fördert, ist ein wichtiger Anker, damit Kinder angemessen mit dem Tod umgehen können.

DER EXPERTE
Dr. Philip Streit
ist Psychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater.
Seit 20 Jahren leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz, das größte Familientherapiezentrum der Steiermark.
Jede Woche beantwortet er eine Frage zu Erziehung und Beziehung. Ihre Anregungen können Sie an die Redaktion schicken: elisabeth.poetler@woche.at
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