10.06.2016, 22:47 Uhr

Grenzenlos. Hilflos. Mindestsicherung.

Grenzenlos hilflos.

Ohnmacht oder Wut? Was überwiegt? Ich kann es Ihnen nicht sagen. Wir sind in Österreich und das spüre ich seit Tagen immer mehr. Dort , wo ich glaubte in einem demokratischen, sozialen Land zu leben, in dem Arbeit ihren Wert hat aber auch jene am Rande der Gesellschaft sich nicht verloren glauben brauchen.
So dachte ich bis ich in die Realität gezwungen war, Realität einer Nachbarschaft mit einer bulgarischen Familie. Bulgarien ist Eu Land, das sei vorab erwähnt. Eben werden Sie denken, die habens eh gut, diese Leute.

Wo, wenn nicht in Österreich

muss man nachweisen, ohne Unterstützung hier leben zu können wenn man um eine Unterstützung sprich die Mindestsicherung ansucht?
Wo, wenn nicht hier bei uns benötigt man eine Aufenthaltsbestätigung obwohl man nachweislich gemeldet ist und erhält diese nur wer – siehe oben – mit Nachweis des Monatseinkommen für die Familie größer gleich 1500.—Euro auch wenn dieser schon über 6 Monate gezeigt hat, dass eine Familie auch mit weniger Geld leben (überleben) kann.
Und nur hier wird man im Kreis geschickt zwischen AMS, GKK, Magistrat, Amt der LR und so einiges mehr und ist nach 1 Stunde Warten in 60 Sekunden abgefertigt.

Keiner hilft weiter

, keiner informiert oder ist interessiert. Nur nicht zahlen müssen. Wovon diese Ausländer – auch EU Bürger sind Ausländer - leben wollen, geht uns Österreicher wohl nichts an. Hat sie jemand eingeladen, in unser Land zu kommen?
Wie bitter klingt der Satz der Frau, dass „education in Bulgaria is here in Austria the same as no education“, einer Journalistin bei verschiedenen Rundfunkanstalten in Bulgarien.
ER hingegen ist 2-facher Magister, in Molekularbiologie und Theologie, möchte seine Doktorarbeit schreiben und ist nach Österreich gegangen, weil hier kluge Köpfe gebraucht werden. So hieß es zumindest. Heute erinnert sich keiner mehr daran bei jenen Stellen, bei denen er sich bewirbt.
Das 8-jährige Töchterlein geht hier in Graz in die Schule. Familienbeihilfe gibt es keine weil – siehe oben – die Bestätigung fehlt, dass diese 3 ohne Geld vom Staat leben können.
Was sie bis jetzt auch getan haben. Sie putzte 3 Monate für eine Reinigungsfirma, nun gekündigt hat sie keinen Anspruch auf Geld vom AMS und so bemüht sich dieses gleich gar nicht, ihr offene Stellen anzubieten. Und wegen eines Deutschkurses…bitte das wisse man beim AMS wirklich nicht.

Sie lächelt immer

aber ihr Gesicht ist blass. Ich habe Spenden gesammelt um ein Überleben zu sichern und weil ich mich für Österreich geniere.
Weil ich nicht glauben kann, dass die Löcher im sozialen Netz soo groß sind, dass diese Familie durchfallen kann, dass kein Amt zuständig und keine Hilfe möglich ist. Rasche Hilfe, weil die Kassen sind bald leer.
400000 Arbeitslose in Österreich. Hier geht es doch nur um zwei. Ein Schicksal unter vielen.

Das ist nicht mein Österreich

wo arbeitswillige Menschen keine Chance bekommen, wo es keine Solidarität gibt mit jenen, die aus dem Ausland zu uns kommen, wo Gesetze beschossen werden, die so undurchschaubar sind, dass diese damit eine Nichtunterstützung und keine Chance auf negative Leistung in Aussicht stellen. Sie verstehen?

Die Bulgaren sind meine Nachbarn. Ich kann nicht wegschauen. Ich sehe in ihren Augen ihre Ungläubigkeit, ihre Enttäuschung und steigende Hoffnungslosigkeit. In Österreich, dem Land auf das ich stolz bin, hier geboren zu sein.
Nachdenken tut Not. Geiz ist längst nicht mehr geil. Not sucht Hilfe.

Wer findet sie?

0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.