24.06.2016, 16:39 Uhr

(K)ein Dach über dem Kopf – Grazer Notschlafstellen platzen aus allen Nähten

Der Gemeindebau in der Laudongasse – für viele Wohnunslose in Graz ein kaum zu erfüllender Traum. (Foto: KK)

Die Notschlafstellen in Graz platzen aus allen Nähten – Stadträtin Elke Kahr fordert nun Ausbau.

Kein Job, kein Geld, keine Wohnung – für immer mehr Grazer traurige Realität. Beleg dafür ist auch die Tatsache, dass die rund 300 Notschlafstellen in der Stadt durchgängig belegt sind. "Wir hätten allein heuer bisher 228 Personen abweisen müssen – was wir natürlich nicht getan haben, wir haben Matratzenlager errichtet und die Menschen anderwertig untergebracht", erzählt Ulrike Silberschneider, Leiterin des VinziTels.
Unterstützung erhält sie von Wohnbaustadträtin Elke Kahr: "Seit rund drei Jahren ist ein akuter Mangel an niederschwelligen Notschlafstellen bemerkbar. Deshalb ist ein Ausbau dringend erforderlich – 100 weitere Notschlafstellen für die nächsten zwei Jahre würden da schon viel auffangen", geht die KPÖ-Politikerin auch mit konkreten Forderungen in die städtischen Budgetverhandlungen.
Das VinziTel (für Österreicher und Österreichern gleichgestellte Personen) war 2015 zum dritten Mal in Folge durchgehend überbelegt – und auch die von Caritas und der Stadt selbst betriebenen Notschlafstellen zeichnen ein ähnliches Bild. "Ein Grund für diese Konzentration auf Graz ist die Tatsache, dass derartige Unterkünfte in der übrigen Steiermark kaum existieren. Es braucht daher neben weiteren Notschlafstellen in Graz unbedingt auch Einrichtungen in den Bezirkshauptstädten und in Graz-Umgebung", fordert Kahr.

Nachbetreuung gefordert

Das Ziel der Notschlafstellen ist klar: "Am Ende soll den Menschen natürlich ein dauerhaftes Zuhause vermittelt werden", fährt die Politikerin fort. Doch Gemeindewohnungen sind in der Landeshauptstadt rar geworden – 1.958 Menschen stehen da aktuell auf der Warteliste, 159 davon befinden sich eben in einer Notsituation, haben also keinen dauerhaften Platz zum Wohnen.
Haben die Menschen dann endlich wieder einen festen Wohnsitz, werden sie alleine gelassen und damit sind viele überfordert. "Die Leute haben das eigenständige Wohnen verlernt – deshalb wäre eine Nachbetreuung durch geschultes Personal sehr wichtig, dadurch würde sich langfristig die Zahl der Wohnungslosen verringern", ist Silberschneider überzeugt.
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