09.03.2016, 07:00 Uhr

Registrierkasse sorgt für rüdes "Foulspiel"

Ankick: Bevor’s aber etwa für Murfeld los geht, gibt’s einiges zu besprechen. (Foto: Oliver Wolf)

Fußballklubs laufen gegen neue Regelung Sturm – LUV-Obmann schmeißt sogar hin.

Ankick ins Frühjahr! Ab dem kommenden Wochenende nimmt auch die Landesliga, die höchste steirische Fußballliga, wieder ihren Betrieb auf. Hinter den Kulissen steigt bei den Klubs aber schon jetzt ein heißes Match – und der Gegner scheint übermächtig: Die Registrierkasse.
Die Verpflichtung zur Führung einer Registrierkasse (Infos dazu gibt’s weiter unten) macht nämlich auch vor den Fußballvereinen nicht halt. Der Steirische Fußballverband versucht, mit Infoveranstaltungen im Zuge seiner Regionalkonferenzen Aufklärungsarbeit zu leisten – in Bruck und Fürstenfeld hat man schon Station gemacht, die Klubs aus Graz und Graz-Umgebung treffen sich am kommenden Montag (14. März) beim Fußballverband. "Es herrscht ein Riesenunmut unter den Vereinen", weiß StFV-Boss Wolfgang Bartosch schon aus den bisherigen Sitzungen, was ihn da erwartet.

"Können nur aufklären"

"Viele Funktionäre sehen darin eine Existenzgefährdung – andere drohen mit Schließung. Noch ist zum Glück nichts passiert. Aber ich kann die Vereine natürlich verstehen. Wir können jedoch nur aufklären, was wir mit zwei Experten unserer Partnerkanzlei Dr. Dösinger & Partner auch versuchen – die Gesetze haben ja andere beschlossen", ist auch Bartosch merklich zerknirscht, stellt aber auch klar: "Populistischer Aktionismus bringt nichts – wir müssen jetzt gemeinsam versuchen, das Beste aus dieser Situation zu machen."
Hört man sich bei den Vereinen um, erhält man ein eher ernüchterndes Stimmungsbild. "Ich werde mich zurückziehen", stellt Leopold Stöhr, Obmann des LUV Graz klar, "ich mag meinen Kopf da nicht mehr länger hinhalten – wir sind ja alles Ehrenamtliche und auf einmal will man uns die Existenzgrundlage nehmen. Wir sichern mit den Kantineneinnahmen ja auch unseren Spielbetrieb. Große Sponsoren gibt es ja schon lange nicht mehr – oder gibt’s künftig etwa neue Förderungen seitens der Politik?"

Bei Jugendspielen geschlossen

In die selbe Kerbe schlägt Andritz-Obmann Andreas Martiner. "Für uns ist’s nicht einfach, das ehrenamtlich zu lösen. Wir werden die Kantinen so öffnen, dass wir die Umsatzgrenze nicht erreichen – bei Jugendspielen werden wir also geschlossen haben. Wir schaffen jedenfalls sicher keine Kassen an."
Anders sieht’s vor den Toren der Landeshauptstadt aus – "bevor wir uns strafbar machen, haben wir schon drei Registrierkassen bestellt", sagt Helmut Ogrizek vom SV Gratwein-Straßengel. Ähnlich sieht’s Pachern-Obmann Helmut Zengerer. "Es ist halt ein riesiger Aufwand, wir haben ja auch zwei Getränkestände – aber was soll’s …" Feldkirchen-Boss Günther Hermann ist realistisch: "Es gibt keine Erleichterungen – also werden wir uns dem wohl oder übel fügen müssen."

40 Registrierkassen für das Liebenauer Stadion

"Es ist nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe." Kurt Grössinger, Kantineur im Liebenauer Stadion und der Eishalle, ist gestärkt seit den Marathonsitzungen mit seinem Steuerberater. Die Registrierkassen (siehe Geschichte links) machen auch vor den Stadiontoren nicht halt. "Ich habe mich mit dem Kantinen-Betreiber des Klagenfurter Stadions und der Messehalle zusammengetan – wir haben 80 Kassen bestellt, 40 für jeden." Erspart bleibt die Registrierkasse den "fliegenden Bierverkäufern" in Liebenau.

Das ist neu:

Wenn ein Sportverein einen begünstigungsschädlichen Betrieb (z. B. "großes" Vereinsfest, Kantine, Fanshop) betreibt, besteht seit 1.1. 2016 sowohl Belegerteilungs- als auch Registrierkassenpflicht. Die Verpflichtung zur Führung einer Registrierkasse ist nur dann gegeben, wenn der Jahresumsatz mehr als 15.000 € netto beträgt und die Barumsätze den Betrag von 7.500 € übersteigen.
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