29.09.2016, 16:12 Uhr

Bund und Land sind sich einig: "Die Landwirtschaft muss gestärkt werden!"

Landwirtschaftlicher Schulsterschluss: Bundesminister Andrä Rupprechter und Agrarlandesrat Johann Seitinger. (Foto: Lebensressort)

Zahlreiche Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass die heimische Landwirtschaft eine Zukunftsperspektive hat.

"Die Landwirtschaft im Allgemeinen befindet sich in einem erheblichen Strukturwandel", wirft der steirische Agrarlandesrat Johann Seitinger im Vorfeld der Landesagrarreferentenkonferenz in die Runde. Gründe dafür gebe es jede Menge. "Gerade im heurigen Jahr hat man, bedingt durch Frostschäden und andere Naturkatastrophen, in der Steiermark gesehen, welche Auswirkungen der Klimwandel haben kann. Da die Bauern ihre Werkstatt unter freiem Himmel haben und somit als erste die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommen, brauchen sie den vollen Rückhalt der Politik. Die bestehenden Vorsorgemodelle müssen angepasst und ausgebaut werden." Weitere Problemzonen ortet Seitinger im Bezug auf die Marktkonzentration von großen Unernehmen sowie in der überbordernden Bürokratie, die auch vor der Landwirtschaft nicht Halt macht.

Hilfe für Unwetteropfer

Bundesminister Andrä Rupprechter, der im Zuge des heute in der Grazer Burg stattfindenden Treffens aller landwirtschaftlicher Organisationen, die in der steirischen Agrarwirtschaft tätig sind, ebenfalls in Graz weilt, ist mit einigen Weichenstellungen von Seiten der österreichischen Politik zufrieden. "Mit den Änderungen des Hagelversicherungs-Förderungsgesetzes und des Katastrophenfondsgesetzes wurden wichtige Schritte in Richtung einer umfassenden Ernteversicherung gesetzt. Landwirte, die sich heuer im Frühjahr gegen Dürre, Stürme oder starke Regenfälle versichert haben, bekamen in den letzten Tagen den von der öffentlichen Hand getragenen Prämienanteil in Höhe von 50 Prozent von der Hagelversicherung refundiert beziehungsweise gutgeschrieben."
Über diese Schiene soll der notwendige Anreiz geschaffen werden, um in den kommenden Jahren die versicherten Flächen auszuweiten.

EU-Sanktionen aufheben

Als weitere Problemzone wurde der Milchmarkt identifiziert, nicht zuletzt auch aufgrund der EU-Sanktionen gegen Russland. "25 Prozent der Käseexporte gingen nach Russland, diese Einnahmequelle ist von heute auf morgen versiegt", sagt Seitinger. Ein Lichtblick: Die von Rupprechter geforderte und durchgesetzte freiwillige Milchmengenreduzierung wurde mit finanzieller Unterstützung durch die EU umgesetzt und zeigt Wirkung. "Im nächsten halben Jahr haben die Landwirte eine Reduzierung der einzelbetrieblichen Milchmenge in Österreich im Umfang von 60.000 Tonnen geplant", führt Rupprechter aus. Trotz der leichten Entspannung fordert der Bundesminister die Aufhebung der EU-Sanktionen gegenüber Russland, da sich "die Situation in Europa seit dem Brexit verändert hat."

Kampf der Bürokratie

Schlussendlich soll auch der exorbitanten Bürokratie im Bereich der Landwirtschaft entgegengewirkt werden. Eine von Rupprechter initiierte Verwaltungskommission hat dazu im ersten Schritt mehr als 50 Bundesgesetze und fast 300 Verordnungen aus den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft, Forst, Wasser und Abfall geprüft und ein umfangreiches Deregulierungspakete geschnürt. "Das Einsparungspotenzial sehen wir hier bei fünf Millionen pro Jahr."
Den Problemen zum Trotz sieht Seitinger für die heimische Landwirtschaft eine Zukunftsperspektive: "Bauern tragen Verantwortung für den wesentlichen Teil der Lebensqualität unserer Gesellschaft. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: die Gesellschaft ist aufgerufen, die nötige Solidarität aufzubringen, um unseren Bauern Rückhalt und Existenz zu geben."
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