23.06.2016, 08:00 Uhr

Stahlharte Wärme für Reininghaus

Ist aus Brüssel zurück nach Graz gekommen, um bei der Marienhütte einzusteigen: Markus Ritter. (Foto: geopho.com)

Markus Ritter von der Marienhütte über Vor- und Nachteile eines Stahlwerkes mitten in der Stadt.

Ohne, dass es viele Grazer bemerkt hätten, wird in der Marienhütte in der Südbahnstraße, nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt, seit Jahrzehnten Stahl produziert. Geschäftsführer Markus Ritter erzählt beim Business-Lunch mit der WOCHE, warum ihm das sogar recht ist und was er über die Entwicklung des benachbarten Reininghaus denkt.

WOCHE: Ich muss gestehen, dass ich bis vor Kurzem nicht gewusst habe, dass in Graz Stahl hergestellt wird.
Markus Ritter: Wenn wir hören, dass jemand gar nicht weiß, dass es uns gibt, ist das für uns eigentlich das größte Kompliment – das heißt nämlich, dass sich niemand durch uns beeinträchtigt fühlt.

Was bedeutet es aber für die tägliche Arbeit, dass Ihr Stahlwerk so zentral liegt?
Ein Stahlwerk mitten in der Stadt zu betreiben ist natürlich auch eine Herausforderung. So lange wir unsere Hausaufgaben machen, kann man aber gut koexistieren.

Welche Herausforderungen sind das?
Wir müssen den Transfer von etwa einer Million Tonnen Material – zum Beispiel Schrott, der hereinkommt oder Betonstahl, der hinausgeht – möglichst so bewerkstelligen, dass er niemanden stört. Ich kann Staub und Lärm beseitigen oder weitestgehend reduzieren, aber den Umstand, dass wir Material bewegen müssen, werden wir nie wegbekommen.

Bringt die Lage aber auch Vorteile mit sich?
Franz Großschädl, damals noch Eisenhändler und später Gründer der Marienhütte, hat den Platz in den 1950er-Jahren sicher gewählt, weil er gut an das Bahnsystem angeschlossen war. Ein Vorteil heute ist, dass wir direkt neben den Wärmeverbrauchern sind. Wir haben schon 1992 begonnen, Fernwärme auszukoppeln, die wir ohne große Verluste transportieren können. Was das Thema Energieeffizienz betrifft, gibt es, glaube ich, weltweit niemanden, der uns das Wasser reichen kann.

Stahlproduzenten haben ja an sich nicht gerade den besten Ruf, was ihre Umweltverträglichkeit angeht ...
Eine der Hauptvisionen in der Marienhütte ist, dass die Materialien, die bei uns hineinkommen, möglichst nicht als Abfall wieder herauskommen, sondern wiederverwendbar sind.

Ist Ihnen das persönlich wichtig, oder macht es einfach wirtschaftlich Sinn?
In Zeiten wie diesen, die nicht übertrieben industriefreundlich sind, ist es einfach notwendig, der Öffentlichkeit einen Zusatznutzen zu bieten, indem indem wir neben Stahl zum Beispiel auch Kunststein herstellen oder eben unsere Wärme auskoppeln.
Auch Reininghaus soll mit Marienhütten-Abwärme beheizt werden.

Stimmt es, dass sich viele Unternehmer vor Ort nicht stark genug in die Entwicklung des Stadtteils eingebunden fühlen?
Es ist schon viel besser, als es einmal war. Wir würden uns aber wünschen, dass im Verkehrskonzept berücksichtigt wird, dass wir unseren Materialfluss von einer Million Tonnen auch in Zukunft bewerkstelligen können. Ich bin mir nicht so sicher, ob das immer mitgedacht wird. Ich kann mich etwa an eine Veranstaltung erinnern, bei der das Projekt den ansässigen Betrieben vorgestellt wurde. Es hat mich erschrocken, dass der Bürgermeister dabei sinngemäß gemeint hat: Stadtentwicklung dauert Jahrzehnte und wer weiß, ob es euch in 30 Jahren noch gibt? Da habe ich mir gedacht: Das soll die Vision sein, die ihr habt?

Markus Ritter

Geboren am 25. August 1968 in Graz.
Verheiratet, zwei Söhne im Alter von 13 und 15 Jahren.
Matura am Akademischen Gymnasium in Graz 1986.
Jusstudium an der Karl Franzens Universität.
Postgraduale Europarecht-Ausbildung in Brügge.
Mitarbeit in der österreichischen Parlamentsdirektion unter dem jetzigen Bundespräsidenten Heinz Fischer.
Im Anschluss fünf Jahre als Beamter der EU-Kommission in Brüssel.
Rückkehr nach Graz und Einstieg in das Familienunternehmen Marienhütte im Jahr 2000.
Seit 2006 Geschäftsführer.
Erwartet von seinen Mitarbeitern Ehrlichkeit, Offenheit und Teamfähigkeit.
Verbringt seine Freizeit gerne mit seiner Familie, beim Lesen oder mit Musik.

Marienhütte

1948 von Franz Großschädl als Eisenhandel gegründet.
Das Stahl- und Walzwerk wurde 1969/70 erbaut.
Spezialisiert auf die Erzeugung von Betonstahl, der in einem Umkreis von 400 km im Bau eingesetzt wird.
Einstieg der Firmengruppe AVI und EVG der Familie Ritter 1987.
Adresse: Südbahnstraße 11, 8021 Graz.
285 Mitarbeiter
Kontakt: 0316/59 75 0
Web: www.marienhuette.at

Gast und Wirtschaft

Der Lindenwirt
Peter-Rosegger-Straße 125, 8052 Graz
Tel.: 0316/28 19 01
Web:www.lindenwirt.at
Öffnungszeiten: Täglich geöffnet von 6 bis 24 Uhr, À-la-carte-Essen von 11 bis 22 Uhr, Mittagsmenü von 11 bis 14 Uhr, Frühstück von 6 bis 10 Uhr.
Beschreibung: Beim Lindenwirt der Familie Poglitz gibt es eine ansprechende Karte auf der sich deftige österreichische Küche genauso findet, wie leichte vegetarische Gerichte.

Das Essen
Markus Ritter entschied sich erst für einen Salat mit Schwammerln und anschließend für die Kalbsbackerln, für die WOCHE gab es Eierschwammerln in Rahmsauce mit Serviettenknödeln, unser Fotograf wählte das Knoblauchkotelett.
Die WOCHE meint: Ausgezeichnete Küche – bei der großen Auswahl keine Selbstverständlichkeit – sowie aufmerksame und freundliche Bedienung haben im Lindenwirt überzeugt.
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