27.04.2016, 11:00 Uhr

Über die schönen Dinge im Leben

Designaffin: Natascha Afana mag schöne Dinge und verkauft sie auch. (Foto: Privat)

Natascha Afana über ihren Concept Store „Tash Living“ und Graz als Designstadt.

Im Concept Store „Tash Living“ am Glacis kann nicht jeder Designer seine Stücke verkaufen, Natascha Afana legt Wert auf Individualität und die richtige Einstellung. Dafür verzichtet sie manchmal sogar auf ihren Gewinn.
Warum sie das tut, wie designbewusst die Grazer sind und was der Designmonat (Eröffnung am 29. 04.) dazu beiträgt, erzählt sie beim WOCHE-Business-Lunch.

WOCHE: Was ist eigentlich ein Concept Store?
Natascha Afana: Ein Concept Store nimmt sich immer ein bestimmtes Thema vor. Man sucht sich eine bestimmte Zielgruppe und sagt, dass man zum Beispiel designaffine Leute ansprechen will, oder ganz auf Sport setzt. Concept Stores haben außerdem ein sehr breites, bunt gemischtes Sortiment. Oft gibt es zum Beispiel Möbel, Kleidung, etc. Dafür ist das Sortiment nicht besonders tief, das heißt, es gibt dann zum Beispiel nur drei Stück und das war’s.

Was ist das Konzept von Tash Living?
Ich habe Architektur studiert und mein Herz hängt sehr an Interieur und Möbeldesign, deshalb habe ich für mich diesen Schwerpunkt gewählt. Das Ganze habe ich dann anhand von verschiedenen Designwelten aufgezogen.

Designwelten?
Mir persönlich gefallen viele verschiedene Richtungen, deshalb habe ich mir an die 20 Wohnstile überlegt. Fünf davon zeige ich gerade in verschiedenen Bereichen des Stores, die nach bestimmten ästhetischen und thematischen Kriterien zusammengestellt sind. Es gibt zum Beispiel das Thema „Penguin Party“, wo alles schwarz-weiß ist.

Die Ideologie von „Tash Living“ lautet „Lebe deine Vielfalt“. Warum?
Der Markt gibt vor, was gerade modern ist und so wohnen dann alle. Bei der Kleidung hat sich das inzwischen emanzipiert und jeder läuft herum wie er will. Was das Wohnen angeht, leben aber viele noch immer zu wenig so, wie sie eigentlich sind. Ich befürworte ein Wohnen, das sich auf eher weniger Stücke beschränkt, das aber eine Mixtur aus vielen Lieblingsdingen ist – egal, ob ich die geerbt, irgendwo am Flohmarkt gefunden oder selbst gebaut habe. Erst dieser Mix bringt unsere Persönlichkeit richtig zum Ausdruck.

Ihr Concept Store soll außerdem eine Plattform für Jungdesigner sein.
Ja, auch wenn ich bei kleinen Labels oft weniger verdiene, weil deren Produktionskosten sehr hoch sind, helfe ich gerne, wenn jemand seine Arbeit sonst nirgends präsentieren kann. Vorausgesetzt, die Produkte passen in eine der aktuellen Designwelten.

Wie designinteressiert sind die Grazer?
Sehr unterschiedlich. Es gibt viele, die sehr interessiert sind, denen auch bewusst ist, dass Design von kleinen Labels, die nicht in Massen in China produzieren, auch mehr kostet. Es gibt aber auch viele, die gerne Design hätten weil es gerade hip ist, das aber zu Billigstpreisen.

Graz ist „City of Design“, am Freitag beginnt der „Designmonat 2016“. Wie wirkt sich das auf die Design-Szene und die Menschen in der Stadt aus?
Für mich ist es super mitzumachen, weil es einen großen Werbewert hat. Und ich glaube auch, dass bei vielen in der Stadt das Interesse für das Thema durch Formate wie den „Designmonat“ weiter steigt. Es gibt zum Beispiel viele, die das zum Anlass nehmen, einen Samstag lang die Stores und Shops abzugehen, die beim „Designmonat“ mitmachen.

Natascha Afana

Geboren am 6. März 1982 in Graz.
Ist gelernte Chemielabortechnikerin und hat jahrelang in der Pharmabranche gerabeitet.
Hat die berufsbegleitende Abendmatura abgelegt.
Architekturstudium ab 2008, Abschluss 2014.
Gleich im Anschluss Gründung von „Tash Living“.
Ihr liebstes Designobjekt ist (im Moment) ein Sideboard aus den 50er-Jahren, gefunden bei einem kleinen Händler in Deutschland.
Hätte gerne einen alten Dreikanthof, den sie selbst umbauen möchte.
Gutes Design muss für Afana reduziert und trotzdem schön sein, dabei aber immer auch eine Funktion haben.

Tash Living

Concept Store für Interior, Design und Lifestyle, Café, Plattform für Jung-Designer und Studio für Raumgestaltung.
Eröffnung im April 2015.
Inhaberin und Geschäftsführerin ist Natascha Afana, Teilhaber ist ihr Verlobter Alexander Galler.
Am 13. Mai sind bei „Tash Living“ im Rahmen des heurigen „Designmonats“ die Lichtobjekte „dlights“ der Grazer Künstlerin und Designerin Ivy Kollmann zu sehen.
Adresse: Glacisstraße 65, 8010 Graz.
Web: www.tash-living.at
Tel.: 0316/84 11 80

Gast und Wirtschaft

Café Promenade
Erzherzog-Johann-Allee 1, 8010 Graz
Tel.: 0316/813 840
Web: www.promenade.aiola.at
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 9 bis 1 Uhr, Freitag und Samstag von 9 bis 2 Uhr, Sonntag von 9 bis 24 Uhr.
Beschreibung: Das Café Promenade wird wie die zwei Aiolas am Schloßberg und in St. Veit und der Landhauskeller von Judith und Gerald Schwarz geführt und das merkt man – auch wenn jedes Lokal eine eigene Ausrichtung hat.

Das Essen
Natascha Afana entschied sich für das geröstete Sauerteigbrot mit Paradeisern, Spiegelei und Rucola, für die WOCHE (Redakteur und Fotograf) gab es jeweils das Focaccia mit Ei, geschmolzenem Cheddar und Schinken.
Die WOCHE meint: Im Promenade isst das Auge mit: Sowohl Sauerteigbrot als auch Focaccia haben nicht nur geschmacklich überzeugt, sondern waren auch schön anzusehen. Der Gastgarten lässt auf wärmere Tage hoffen und das Service ist freundlich und aufmerksam.
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