17.05.2016, 16:20 Uhr

Dreck stärkt die Kinder

Wenn der Sandkuchen den Kindern schmeckt, sollte das für die Eltern kein Grund zur Panik sein.

Viele Eltern übertreiben es bei der Hygiene ihrer Kinder und bewirken damit genau das Falsche.

BEZIRKE (raa). "Mach dich nicht dreckig!", "Wasch dir die Hände!", "Fass den Hund nicht an!": Solche Sätze hören Kinder nur allzu oft. Die Gesundheit der Kinder geht den Eltern schließlich über alles. Doch man kann es übertreiben, darin sind sich Mediziner einig.
"Bei der Kinderhygiene sollte es nicht zu steril zugehen", rät der Eferdinger Kinderarzt Johannes Neugebauer. "Zu häufiges Waschen ist eher schädlich. Eine gewisse Menge 'Dreck' stärkt das Immunsys-tem der Kinder." Antiseptische Mittel oder Waschschäume bei Babys sollten vermieden werden. "Studien haben bewiesen, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind, gesundheitlich viel stabiler sind", so Neugebauer. "Bei diesen Kindern trat beispielsweise Asthma wesentlich seltener auf. Unser Immunsystem will beschäftigt werden, dafür sorgen nicht zuletzt Bakterien und Keime. "Ein eher unterbeschäftigtes Immunsystem neigt früher dazu, Allergien zu entwickeln. Der Umgang mit der Natur ist von daher eine Sensibilisierung gegen diese Überempfindlichkeiten", weiß der Kinderarzt. Einer Studie zufolge kann zu große Reinlichkeit zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Heuschnupfen und anderen Allergien führen.
Auch vor einer übertriebenen Reinigung der eigenen vier Wände mit der chemischen Keule rät der Mediziner ab. "Alles im üblichen Maße ist auch für Kinder völlig ausreichend."
Übervorsichtige Eltern würden am liebsten alles, selbst die Kinder steril halten. Aus Sorge um deren Wohlbefinden fordern Eltern nur allzu oft den Einsatz von Antibiotika. "Ich fürchte, viele Kollegen verschreiben zu oft Antibiotika ohne richtige Indikation. Antibiotika sind sicher ein Segen, aber sie helfen nur bei bakteriellen Infektionen, nicht bei viralen." Einer britischen Studie zufolge sorgen scheinbar unspektakuläre Reinigungsmittel, Weichspüler und Seifen dafür, dass die Kinder gegen Antibiotika resistent werden können.
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