16.06.2016, 09:28 Uhr

Auf zwei Rädern sicher unterwegs

Bei den Fahrprüfungen werden jährlich viele junge Radler in den Bezirken fit für den Verkehr gemacht. (Foto: Gemeinde Taufkirchen)

Fahrradprüfungen und Sicherheitsaktionen machen Kinder fit für den Straßenverkehr.

BEZIRK (jmi). Den Helm auf den Kopf geschnallt, die Lenkstange fest umklammert. Jetzt nur nicht die Verkehrsregeln vergessen! Tausende Schüler in den Bezirken zeigen auch heuer wieder Wissen und Geschick bei der Fahrradprüfung. Erfolgreich bestanden, dürfen sie zwei Jahre früher – also mit zehn – alleine auf den Straßen radeln. Diese Sicherheitstradition ist ein notwendiges Muss: 1065 Radunfälle ereigneten sich oberösterreichweit im Jahr 2014 laut Verkehrsabteilung des Landes OÖ. 26 Verletzte gab es dabei im Bezirk Grieskirchen, im Bezirk Eferding sogar 41. "Die Verkehrssituationen werden immer komplizierter. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder frühzeitig lernen, damit umzugehen", ist sich Gabriela Ecker, Direktorin der Volksschule Grieskirchen, sicher. Die vierten Klassen der Schule legten die Prüfung heuer bereits erfolgreich ab. Die Verkehrserziehung beginnt aber bereits mit Schuleintritt. Aus einem praktischen Grund, wie Heinz Raab, Abteilung Verkehr und Sicherheit der Bezirkshauptmannschaft Grieskirchen, erklärt: "Je früher die Kinder mit Verkehrsthemen konfrontiert werden, umso besser können sie sich im fließenden Verkehr bewegen."

"Je eher sich Kinder mit Verkehrsthemen befassen, umso sicherer sind sie auf der Straße."

Heinz Raab, BH Grieskirchen

Die jährliche Aktion im Rahmen des Lehrplans ließe sich laut Raab auf organisatorische Gründe zurückführen. "Damit setzten sich alle Kinder auseinander. Diese hohe Beteiligungsquote würde beispielsweise in den Ferien durch eine Aktion der Stadtgemeinde nicht zustande kommen. Durch die Lehrer als Autoritätspersonen wird den Schülern die Wichtigkeit der Aktion vermittelt."
Das betont auch Alfred Bachinger, stellvertretender Bezirkspolizeikommandant Grieskirchen: "Selbst wenn ein Kind mit zehn Jahren nicht an der praktischen Radfahrbewilligungsprüfung teilnimmt, so hat es sich im Lauf der vier Schuljahre mit den Verkehrsregeln auseinandergesetzt und weiß, wie es sich zu verhalten hat." So zum Beispiel an Kreuzungen: An diesen Stellen passiert jeder dritte Radunfall. Für die Kinder ist die alljährliche Sicherheitsaktion ein großer Spaß: "Die Kinder freuen sich, weil sie ab diesem Zeitpunkt selbstständig mit dem Rad fahren dürfen. Die Prüfung haben sie schriftlich und praktisch positiv abgelegt. Und dieser Erfolg ist die beste Motivation", weiß die Schulleiterin.

Die richtige Ausrüstung


Fahrradprüfungen und Verkehrssicherheitsaktionen wie "Meister auf 2 Rädern" weisen die Kinder nicht nur auf die Gefahren im Verkehr hin. Auch die eigene Sicherheitsausrüstung werde in den Mittelpunkt gerückt, wie Raab anmerkt: "Das Bewusstsein für Helmpflicht und sichere Fahrradausstattung wird immer größer." Deshalb findet auch die jährliche Radhelmaktion statt, organisiert vom Land OÖ, der AUVA, der Wiener Städtischen Versicherung, dem Roten Kreuz und dem Landesschulrat. Dabei werden Schutzhelme kostengünstig an die vierten Klassen der Volksschule verteilt. Jedes Jahr sind das oberösterreichweit 7000 Stück.
Nicht nur die jungen Radfahrer müssen sich die Gefahren im Verkehr zu Herzen nehmen, auch die erwachsenen. Im letzten Jahr wurden in Ober-österreich fünf Menschen bei Radunfällen getötet. "Erwachsene halten sich oft nicht so an die Verkehrsregeln, wie Kinder es nach der Radfahrprüfung machen. Man sieht das schon daran, wie Erwachsene zum Teil fahren: nebeneinander, Abbiegen ohne Handzeichen", erklärt Bachinger. Die Statistik gibt ihm recht: Fünf von sechs Radunfällen betreffen Personen ab 15 Jahren. Der Polizeikommandant betont deshalb: "Für einen Erwachsenen ist es genauso wichtig, dass er sich bewusst macht, dass Verkehr gefährlich ist. Wenn man auf der Straße unterwegs ist, dann ist man davon abhängig, dass man sich selber richtig verhält und es auch die anderen Verkehrsteilnehmer tun. Und das gilt ebenso für Autofahrer und Fußgänger."


Kommentar: "Sich Kinder als Vorbilder nehmen"

von Julia Mittermayr

Mehr als 1000 Menschen verunglücken in Oberösterreich jedes Jahr mit dem Rad. Dabei sind vor allem Erwachsene betroffen: In fünf von sechs Unfällen sind Personen ab 15 Jahren verwickelt. Warum? Weil Kinder bereits ab der ersten Schulklasse für den Straßenverkehr vorbereitet werden und sich Gefahren stärker bewusst sind. Von dem Verhalten können sich Erwachsene eine Scheibe abschneiden. Denn so mancher setzt sich mit zunehmenden Alter schnell über Verkehrsregeln hinweg. Nur: Erfahrung schützt vor Unfällen nicht. Auch bei der Ausrüstung haben die jungen Radfahrer den älteren einiges voraus – wie oft sieht man Erwachsene ohne Helm radeln. Mit Folgen: Schon bei einem Sturz mit geringer Geschwindigkeit kann der Kopfschutz zum Lebensretter werden. Der Spruch "Wer Köpfchen hat, schützt es!" kommt nicht von irgendwo.
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