09.03.2016, 11:53 Uhr

Nur wenige Kiebitze überleben den Frühling

Die Landwirtschaft brachte uns einst Kiebitze, heute ist die moderne Agrarkultur ihr größter Feind.

TAUFKIRCHEN/TRATTNACH (raa). Manche können sich erinnern – noch vor Jahren kamen mit dem Frühling ganze Schwärme von Kiebitzen auf unsere Äcker, um dort zu brüten. "Vor 20 Jahren haben sich vor unserem Haus sicher zehn Brutpaare Mitte März eingefunden", weiß Hans Dieter Zwirchmaier. "Im Laufe der Jahre wurden es immer weniger, und heuer hat sich nur ein Brutpaar eingefunden."
Der Schwund an Kiebitzen blieb auch der europaweit engagierten Organisation BirdLife nicht verborgen. In den Gemeinden Scharten und St. Marienkirchen ist der Rückgang der Kiebitze lange bekannt. "Ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit dem Kiebitzschutz", so Hans Uhl von BirdLife. "Wir stoßen in diesen Ackergebieten aktuell auf das große Problem, dass kaum ein Bauer bereit ist, selbst bei relativ kleinflächigen Schutzmaßnahmen mitzumachen." Dabei würde eben das vom Land und anderen gefördert. "Mehr als ein unverbindliches Wohlwollen haben wir noch nicht erreicht," so Uhl. Aber es geht auch anders. Landwirt Gerhard Heitzinger aus Reischau hat einige Kiebitze auf seinen #+Feldern. "Wenn ich die Nester sehe, fahre ich mit dem Traktor halt weitläufig vorbei." Das schützt die Jungtiere, und #+solch ein Engagement wird finanziell sogar gefördert. Landwirte können für Kiebitzinseln als Ackerstilllegung eine Prämie von bis zu 700 Euro pro Hektar erhalten. "Rund 20 bis 25 Prozent der Bauern im Bezirk Grieskirchen sind beim Natur-Förderprogramm 'Umweltgerechte Bewirtschaftung' dabei und lassen ihre Wiesen teilweise bis Anfang Juli stehen, damit die selteneren Vögel nisten und züchten können", so Robert Gaubinger von der Bezirksbauernkammer Grieskirchen.
Hans Dieter Zwirchmaier und Gabie Herzlichst ist das nicht genug. Sie suchen den Dialog mit den Bauern, um noch mehr Verständnis für die Kiebitze zu erlangen. "Wenn zumindest zwei bis drei Bauern hier Interesse zeigen, kann man an die Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich herantreten und anfragen, ob dieses Kiebitzprojekt unterstützt wird", rät der Experte von BirdLife den engagierten Taufkirchnern.
Zudem stellen er und Herzlichst Warnschilder auf, die sich speziell an Hundebesitzer richten. "Gerade freilaufende Hunde auf den Feldern sind auch eine Gefahr für die junge Brut", weiß Zwirchmaier.
Die Brutzeiten der Kiebitze beginnen jetzt und ziehen sich bis in den Mai. Ab dem Juni werden die Jungvögel flügge. Noch stehen die Vögel nicht auf der Liste der bedrohten Tiere, auch wenn der Bestand in Europa stark zurückgegangen ist. "Ohne Hilfe bin ich mir sicher, dass es über kurz oder lang keine Kiebitze mehr geben wird", befürchtet Zwirchmaier.
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