23.03.2016, 07:09 Uhr

Abdul fiebert seinem ersten Marathon entgegen

Hat große sportliche Ambitionen: Abdul, der vor zweieinhalb Jahren aus Afghanistan geflüchtet ist. (Foto: Reinhold Straßer)

Ein Musterbeispiel an Integration ist der 17-jährige Afghane, der sich sowohl sportlich als auch im Laientheater engagiert.

GALLSPACH. Die sportliche Entwicklung des 17-jährigen Abdul, der vor zweieinhalb Jahren aus seiner Heimat Afghanistan geflüchtet ist, ist wirklich beeindruckend. Vor einem Jahr nahm er an seinem ersten Laufbewerb teil. Die acht Kilometer beim Eferdinger Osterlauf waren für ihn kein Problem.
Wenige Wochen später bewältigte er in Salzburg bereits die 21 Kilometer lange Halbmarathondistanz. Mittlerweile hat der fleißige Bursche fünf Halbmarathons beendet und beim Saisonauftakt 2016 in Wels durfte er sich über 1:24:57 freuen, was eine neue persönliche Bestleistung bedeutet.
Ursprünglich hätte er beim Welser Halbmarathon gar nicht starten dürfen, weil er mit Jahrgang 1999 zu jung ist. Doch nach Reklamationen seines Trainers Reinhold Straßer wurde die Altersklasse U23 um diesen Jahrgang erweitert. Abdul ließ dann in Wels alle seine älteren Kollegen hinter sich und gewann diese Altersklasse.

Der Halbmarathon war aber nur ein Testlauf für Abduls großes Ziel. Am 3. April wird er in Linz seinen ersten Marathon in Angriff nehmen. Auch dort wird er wahrscheinlich der jüngste Teilnehmer sein. Sicher aber nicht der langsamste, denn er wird sich mit seinem Trainer an die Fersen eines offiziellen Tempomachers heften. Dieser soll nach 3 Stunden und 15 Minuten im Ziel sein.

„Abdul könnte wahrscheinlich sogar schneller laufen, aber der erste Marathon soll ohne großes Risiko und mit vielen positiven Eindrücken gelaufen werden. Er ist ja noch so jung und hat, wenn er in Österreich bleiben darf, noch eine rosige sportliche Zukunft vor sich.
In den Augen mancher ´Experten´ ist Abdul sicher noch zu jung für die 42,2km lange Distanz. Aber es ist sein großer Wunsch und bevor er diese lange Strecke im Training und ohne Betreuung probiert, ist es sicher so besser.“

Im Training wurde auf Abwechslung viel Wert gelegt. Neben kürzeren, schnellen Läufen standen auch langsame, lange Läufe am Programm. Mehr als vier Laufeinheiten pro Woche waren aus Zeitgründen nicht möglich und auch nicht notwendig. Das geplante Marathontempo wurde mit einem Tempomacher einmal 32 Kilometer am Stück geübt und machte kaum Probleme.

Für den in Gallspach lebenden Asylwerber, der unter der Woche jeden Tag nach Linz fährt um den Hauptschulabschluss zu machen, ist der Laufsport die liebste Freizeitbeschäftigung. Vor einem halben Jahr hat er sich zudem einer Theater-Laiengruppe in Wels angeschlossen.
Am liebsten würde er jedoch eine Berufsausbildung machen und sein eigenes Geld verdienen. Dies verbieten aber unsere Gesetze.
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