23.08.2016, 11:12 Uhr

Ein halbes Leben im Zeichen der Bank

Statt im Sitzungssaal will Heinz Beutelmayr in Zukunft mehr mit dem Motorrad unterwegs sein.

Gegen europäische Regulierungswut und für Transparenz. Heinz Beutelmayr zieht nach 31 Jahren als Funktionär für die Raiffeisenbank Grieskirchen Bilanz.

GRIESKIRCHEN (raa). Schon im Jahre 1985 wurde Heinz Beutelmayr zum Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Gallspach gewählt. Die ehrenamtliche Tätigkeit in der Führungsriege der Bank hat er bis ins Jahr 2016 fortgesetzt und war dabei maßgeblich für wichtige Entscheidungen der Bank mitverantwortlich.

BezirksRundschau: Wie sah die Welt der Raiffeisenbank in der Region vor über 30 Jahren aus, als sie als Funktionär einstiegen?
Beutelmayr: Damals waren es noch drei regionale Banken. Gallspach, Taufkirchen und Bad Schallerbach/Wallern. Uns war klar, dass wir als "Kleinformat" auf Dauer nicht bestehen konnten und so fusionierten wir im Laufe der Jahre zur großen Raiffeisenbank Region Grieskirchen mit heute elf Banken.

Warum wollten Sie bei einer Genossenschaftsbank mitgestalten?
Weil hier der Eigentümer mitentscheidet. Die meisten großen Banken sind Aktiengesellschaften, in denen die Hauptaktionäre entscheiden. Bei uns, einer Genossenschaftsbank, sitzt der kleine Mann aus der Region in den Entscheidergremien, ist Miteigentümer. Dadurch haben wir eine viel bessere Nähe zum Kunden.

Was war 1985 ihr größtes Ziel als Funktionär?

Unser Ziel war natürlich Grieskirchen. Die Raiffeisenbank hatte in der Bezirksstadt damals, obwohl einer der größten Banken in Österreich, kaum eine Bedeutung. Wir wollten der Dominanz anderer Banken in der Bezirkshauptstadt etwas entgegensetzen.

Bis 2016 war die Führungsriege der Bank ehrenamtlich, warum wurde das jetzt geändert?
Die ehrenamtliche Struktur war auch etwas schwerfällig. Heute hat eine Bank viele Herausforderungen und alles muss noch viel schneller gehen. Wir waren dann eine von drei Banken in Oberösterreich, die sich entschieden haben, hier neue Wege zu gehen und den ehrenamtlichen Vorstand abzuschaffen und ihn hauptamtlich zu machen. Dieser Vorstand wird durch einen Aufsichtsrat kontrolliert. Dieses Modell, glaube ich persönlich, sollte für die nicht ganz leichte Zukunft der Banken ein wesentlicher Vorteil sein.

Welche Vorteile hat der Kunde davon?
Noch raschere und effizentere Entscheidungswege, auch weil die Aufgaben jetzt klarer strukturiert sind. Ziel ist eine rasche Kreditentscheidung innerhalb kürzester Zeit.

Das bedeutete für sie auch einen Abschied aus der Führungsriege, war das schwer?
Nein. Bei mir war es auch eine altersbezogene Entscheidung nach 31 Jahren. Jetzt sind jüngere am Zug. Außerdem sind die Themen der Bank wichtiger als einzelne Personen im Vorstand.

Kann eine Raiffeisenbank vor Ort das einfach so für sich entscheiden?
Das ist auch der Vorteil einer Genossenschaft. Da gibt es keine Direktiven von oben, sondern unsere Bank ist für sich verantwortlich und die Miteigentümer können entscheiden. Nichtsdestotrotz sind wir gut vernetzt, beispielsweise mit der Raiffeisen-Landesbank oder anderen Zentralinstituten. Sollte es einer kleinen Raiffeisenbank schlecht gehen, springen die anderen Banken ein und lassen die kleinen Sparer nicht im Regen stehen. Als Aufsichtsratsvorsitzender war mir die Sicherheit der Kunden immens wichtig.

Was hat sich mit der EU verändert?
Es gibt zu viele Regularien, da leiden vor allem kleine Banken darunter. Für ein kleines Land wie Österreich ist das übertrieben. In den 1990er Jahren wurde vieles noch klein und fein geregelt. Heute ist man am Gängelband größerer Zentralinstitute wie der Europäischen Zentralbank. Unsere Bankenaufsicht FMA administriert nurmehr, und hat selbst damit, siehe Hypo, Probleme. Unter der europäischen Regelwut leiden die österreichischen Banken.

Geht der europäische Trend zu riesigen Bankhäusern?
Das unterscheidet die Raiffeisenbank von anderen Bankhäuser, die mehr und mehr spekulativ unterwegs sind. Unsere Aufgabe war und ist nicht Spekulation, sondern dem Kunden ein günstiges Darlehen zur Verfügung zu stellen und den Kunden über die Laufzeit zu begleiten. Wir sind beim ureigensten Bankgeschäft geblieben und das sind 80 Prozent der Großbanken längst nicht mehr. Das war auch der Grund, warum ich so lange Zeit mit dabei war.

Viele Banken erheben mehr und mehr Gebühren, muss das sein?
Große Banken verdienen heute nicht mehr mit den Zinsen, sondern mit den Spesen. Sicher sind Spesen notwendig, aber sie müssen transparent sein. Hier müssen die Geschäftsführungen umsichtig sparen, nichts kaputtsparen und die Kunden mit Gebühren nicht zu hoch belasten. Das ist der Vorteil unserer Bank, hier sitzt der Geschäftsführer vor Ort, hört zu und hat den Bezug zur Region.

Fällt der Ausstieg aus der Führungsriege schwer?
Ich habe das Gefühl, wir haben gute Arbeit gemacht. Jetzt sind jüngere und tüchtige Leute am Ruder. Ich vergieße keine Tränen und bin froh, mehr freie Stunden zu haben. Ich widme mich mehr meinen Familie, meinen Hobbys und freue mich auf lange Sommerabende.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.