22.03.2016, 08:20 Uhr

Offener Brief eines Bürgers der Stadt Hartberg

Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Sehr geehrte Herrn Vizebürgermeister! Werte Stadt- und Gemeinderätinnen und Gemeinderäte!

Tief betroffen und überrascht verfolgen viele Bürger der Stadt die prekäre Situation der negativen Finanzen der Stadt und die Auseinandersetzungen mancher Gemeindevertreter gegen den Stadtrat für Finanzen.
Groß war die Hoffnung vieler Bürger nach dem Verkauf der Sparkasse - viele waren gegen den Verkauf - dass sich Hartberg in eine neue Aufbruchsphase begeben werde. Vielen war auch klar, dass durch die Millionen aus dem Verkauf auch Schulden gedeckt werden würden. Vieles wurde von den Verantwortungsträgern versprochen.
Als die vielen teuren Projekte in Angriffe genommen werden sollten, wurden Warnungen aus dem Kreise der Opposition ausgesprochen. Diese wurden negiert und als Panikmache dargestellt.
Nun ist die Stunde der Wahrheit angebrochen! Es kann nicht so weitergemacht werden, wie es die Gemeindeführung nach jahrelangen Vorgabemustern praktiziert hat. Es ist beschämend, dass Hartberg, trotz des hohen Erlöses aus dem Sparkassendeal, nach wenigen Jahren (seit 2006) vor dem Bankrott steht! Es ist erschütternd, dass Stadtvermögen wie Häuser verkauft, Betriebsgebäude verpfändet werden und man sogar vor einem Vorkaufsrecht für die Keimzelle von Hartberg, dem Schloss Hartberg, nicht Halt macht, um überhaupt ein Budget erstellen zu können.
Wer meint, dass man mit diesem Stil das Schiff in ruhigere Gewässer manövrieren könnte, irrt. Einmaleffekte sind keinesfalls geeignet, die noch weiterhin hohen Schulden der Stadt abzubauen. Es rächt sich nun, dass aus der Veranlagung keine Rücklagen geschaffen wurden (Höchste Personal- und Kapitalkosten). Als ich vor Jahren mit einigen Stadt- und Gemeinderäten darüber gesprochen habe, war die Antwort, dass Geld auf einem Sparbuch keinesfalls für die Gemeinde passen würde. (Die Stadtgemeinde sei keine Sparkasse!) Investition für die „Zukunft“ war der große Renner!
In vielen Diskussionen war der Großteil der Bevölkerung keinesfalls mit dem überdimensionierten Parkdeck einverstanden. Der Vorschlag einer damaligen Gemeinderätin mit der Erstellung eines Projektes für eine kleinere und billigere Variante in der Alleegasse wurde einfach abgeschmettert.
Die überzogene Größe des neuen Bauhofes (nach Bürgermeisteraussage auch für die umliegenden Gemeinden geplant?) zeigt, wohin Fehlplanungen führen. Zusätzlich sei noch erwähnt, dass die Abteilungen für Wasser und Kanal im ÖKOPARK der Stadtwerke Hartberg gut beheimatet waren.
Sie, werte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, haben in den Gemeinderatswahlen von uns Bürgern das Mandat erhalten, zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger zu handeln und dafür Verantwortung zu übernehmen.
Vielen Personen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist es unverständlich, dass Sie als Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, womöglich durch ihr Abstimmungsverhalten den mit der Aufgabe für Finanzen betrauten Gemeinderat, DI Ludwig Robitschko, abberufen könnten, weil er die Wahrheit über das Finanzdebakel öffentlich gemacht hat und daher nicht bereit war, weiterzumachen wie bisher.
Sie werden sich fragen, warum ich mich heute mit meinem Schreiben zu Wort melde? Warum ist es nur einer von vielen, der sich die Zeit und den Mut nimmt, gegen die jetzige Situation aufzutreten?
Sie, liebe Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, wissen genauso wie ich, dass sich die Mehrheit der Bürger der Stadt nicht aus der Deckung wagt.
Ich war viele Jahre Personalvertreter für 800 Lehrer. Auch in dieser Funktion musste ich Position beziehen, auch wenn dies oftmals nicht einfach war. Doch hat sich Ehrlichkeit und Arbeit sehr wohl gelohnt. Das bewies der Erfolg meiner Arbeit in all den Jahren, in denen ich als Spitzenkandidat antrat und auch Verantwortung übernommen habe.
Nun, als Mensch mit vielen Lebensjahren, möchte ich diesen Brief zur Misere der Stadt nicht umsonst geschrieben haben. Ich bin ein denkender Mensch, der politisch sehr interessiert ist. Ein Mensch, der den Mut hat zu sagen, was sich viele Hartbergerinnen und Hartberger denken jedoch nicht öffentlich zu sagen wagen.
Einst haben viele Menschen der Stadt dazu beigetragen, dass Hartberg eine Stadt von Bedeutung wurde (nachzulesen im Buch der Geschichte der Stadt Hartberg).
Hartberg muss wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden. Wirken Sie ohne persönliche Befindlichkeiten für die Stadt und geben Sie den Menschen Hoffnung, dass Sie zusammenstehen und nicht einen andersdenkenden, offenen Menschen einfach zum Abschuss freigeben.
Die kommende Gemeinderatssitzung wird zeigen, wer für einen Neuaufbruch, für die Sanierung der Finanzen in der Stadt steht. Wir Menschen - das sind viele in Hartberg - werden intensiv verfolgen, wie Sie die anstehenden Probleme lösen werden und wer für das finanzielle Desaster die Verantwortung übernehmen wird.
Ein Sprichwort sagt: "Es ist nie zu spät, klüger zu werden!"
Als Bürger der Stadt:
Werner Mucknauer

Antwort auf „Offener Brief eines Bürgers der Stadt Hartberg“
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