31.05.2016, 07:56 Uhr

Nach Insolvenz: Exklusiv-Interview mit Feinkost-Zampano Karl Schirnhofer

Karl Schirnhofer: „Das Leben zu bewältigen, ist die größte Herausforderung.“ (Foto: Bernhard Bergmann)

Der Kaindorfer Unternehmer Karl Schirnhofer verkauft jetzt sogar seinen Tesla und will sich so mit Banken privat einigen.

In Folge der Zielpunkt-Pleite hat es Ende letzten Jahres auch den Kaindorfer Fleisch- und Wurstproduzenten Schirnhofer erwischt: Mit 1. Dezember 2015 wurde Insolvenz angemeldet, 280 Gläubiger und 270 Arbeitnehmer waren davon beteroffen. Die Gläubiger erhalten 30 Prozent ihrer Forderungen, davon 10 Prozent binnen 14 Tagen nach Rechtskraft und weitere 20 Prozent binnen zwei Jahren. Nun will Karl Schirnhofer mit dem Verkauf seines Elektroautos private Schulden, die aufgrund von Privathaftungen für die Firmenkredite entstanden sind, teilweise begleichen.
In einem Exklusivinterview mit der WOCHE Hartberg-Fürstenfeld nimmt er dazu Stellung.

Herr Schirnhofer, Ihre Anzeige über den Verkauf Ihres Elektroautos (Tesla Roadster, Neuwert ca. 100.000 Euro, Anm. der Red.) wird viele Diskussionen auslösen. Sie sind ja mit Ihrer Firma in Konkurs gegangen, wie kann man das erklären?
KARL SCHIRNHOFER: Ganz einfach, der Erlös soll dazu beitragen, meine privaten Schulden, die aufgrund von Privathaftungen für die Firmenkredite entstanden sind, teilweise zu begleichen. Mein Haus ist schon verkauft.

Teilweise, was heißt das genau?
Teilweise heißt, dass ich diese privaten Schulden, in meinem Leben nicht mehr erarbeiten werde können und deshalb mit den Banken eine außergerichtliche Einigung anstrebe. Kommt das nicht zustande, dann muss ich Privatkonkurs anmelden.

Heißt das, dass Ihre Firma weiterhin wirtschaftliche Probleme hat?

Nein, das heißt es nicht, aber ich werde einen Investor in die Firma holen müssen, der es logischerweise nicht erlauben wird, dass ich zukünftige Gewinne für mich privat entnehmen kann.

Kann die Region hoffen, dass Ihre Firma Zukunft haben wird und die Arbeitsplätze erhalten bleiben?
Ja, das kann ich aus heutiger Sicht behaupten, aber ob alle Arbeitsplätze gehalten werden können, möchte ich aufgrund der Vorkommnisse aus der jüngsten Vergangenheit nicht garantieren, dann hätte ich nichts daraus gelernt.

Es ist außergewöhnlich für einen Unternehmer, nach Insolvenz so ein Interview zu geben.
Mag sein, aber als Unternehmer muss ich auch einen Konkurs akzeptieren, somit gehört er auch zu meinem Leben. Das Leben an sich zu bewältigen, ist die Herausforderung und dabei geht es mir gut.
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