06.04.2016, 09:07 Uhr

Cosmopolitin mit künstlerischem Auge

Barbara Essl ist stets auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Motiv. Hier in einem Canyon im Antelope Tal (Foto: Michael Riedler)

Barbara Essl ist Berufsfotografin. Am 7. April eröffnet sie eine Ausstellung in Tarvis.
Von Iris Zirknitzer

GAILTAL. Wenn Barbara Essl durch die Linse ihrer Kamera blickt, taucht sie in eine Materie ein, durch die sich eine ganz neue Welt eröffnet – eine, die durch die Kunst der Fotografie möglich wird. Die Gailtalerin ist Berufsfotografin. Die jüngste Tochter von Horst Essl ist im Lesachtal und in der Gailtaler Bezirksstadt aufgewachsen. 2014 hat sie ihr Unternehmen „Barbara Essl Photography“ mit Sitz in Klagenfurt gegründet und sich selbständig gemacht.


In Medienbranche tätig

So schillernd wie ihre Bilder ist ihre Vita: 15 Jahre arbeitete die Gailtalerin als Radio- und Fernsehjournalistin. Nach der Dolmetschschule "Schola per Interpret e Traduttori" in Triest machte sie 1992 ein Praktikum bei einer Wiener Filmproduktionsfirma. Dort war sie als Aufnahme- und Produktionsleiterin für Imagefilme für Unternehmen tätig. Sie inskribierte dann an der Donauuniversität in Krems für den Studiengang Europäischer Journalismus. Nach dem Uni-Abschluss folgten Stationen beim ORF Kärnten, ORF Südtirol Heute, das ZDF Auslandskorrespondentenstudio in Rom sowie für das Medienbüro Italien und zuletzt als Redakteurin und Programmentwicklerin bei Servus TV. Im Juni 2011 erhielt Essl für die Sendung „literaTOUR“ auf Servus TV den Österreichischen Fernsehpreis für Erwachsenenbildung in der Sparte Sendereihe.

Aufbruch nach Paris

Ihr Weg führte sie bald nach Paris, wo sie eine Ausbildung für Studiofotografie (Stil-Life, Mode, Food) absolvierte. „Da habe ich die Fotografie von der Pike auf erlernt“, so Essl, die auch Schülerin von Paolo Roversi war, ein Modefotograf, der für seine Polaroidmodefotografien berühmt ist. "Hier experimentierte ich erstmals mit den Kunstformen der Fotografie, wie beispielsweise Image Transfer“, sagt sie. Eines ihrer Vorbilder als Fotografin stammt aus dieser Zeit: Sara Moon, die der Modefotografie Poesie verlieh. Ein weiteres Idol ist der Fotograf Gregory Colbert. Zwischen ihren Stationen bei den diversen Medien war die vielseitige Essl-Tochter immer als Fotografin tätig, u.a. von 2006 bis 2009 als Hotel- und Reisefotografin in Italien – so organisierte sie 2004 eine Abenteurerreise für das Projekt „Italia a Cavallo“ auf den Spuren der Garibaldis, 2.200 km am Pferderücken von Sizilien bis nach Friaul–Julisch-Venetien.


Hobby zum Beruf gemacht

Seit 2014 widmet sich die aparte Künstlerin beruflich vorwiegend der Fotografie. Die Liste ihrer Ausstellungen ist lang. Barbara hat u.a. im Museumsquartier in Wien und in der Galerie Junger in Shanghai ausgestellt. Der Zyklus „Signs“ etwa wurde im Renaissance Shanghai Yangtze Hotel gezeigt. Essls Interesse gilt primär der Architekur- und Kunstfotografie. Dafür war die heute 47-Jährige in den letzten Jahren häufig in Asien in Thailand, Kambodscha und China unterwegs. 2014 gab sie eine Ausstellung in Shanghai. Von dort unternahm Essl eine Reise ins Landesinnere um die ältesten Städte Südchinas und deren Architektur (Anhui Architektur) zu fotografieren. Essl: „Hier entstand auch der Zyklus Lost City im Gedenken an Millionen von Chinesen, die im Zuge der Erbauung des Yangtze Staudammes umgesiedelt wurden.“

Sich kreativ ausleben

Und was liebt die kreative Lady an ihrem Job? „Fotografie ist ein Medium, das normalerweise strenger Kontrolle unterliegt. Je nach kurzer oder langer Belichtungszeit ergeben sich unterschiedliche Effekte. Dasselbe gilt für die Blende oder die Verwendung von unterschiedlichen analogen Filmen oder digital ISO. Wann immer ich eines dieser Kriterien verändere, bekomme ich unterschiedliche Resultate. Mich diesen Vorgaben zu entziehen und die Kontrolle aufzugeben, zu experimentieren, fasziniert mich“, so Essl. Am 7. April eröffnet sie ihre nächste Ausstellung, den Werkszyklus „Lost City“ um 19 Uhr in Tarvis (siehe Infobox).


Zur Person

Ausbildung/berufliche Stationen:
•1996 „Master of Print and Audiovisional Journalism” Donau Universität Krems
•1998 Staatsprüfung Journalismus in Rom, Italien
•1997 bis 2003 Radio- und TV-Journalistin ORF, Südtirol Heute, Medienbüro Rom, ZDF Rom, diverse Printmedien
•2003/2004 Fotografenausbildung am „SPEOS Institute“ in Paris, Schülerin von Paolo Roversi
•2005 Reisefotografin und Organisatorin des Tourismusprojektes „Italia a Cavallo“, 2.000 km Ritt von der Westküste Siziliens bis nach Österreich
•2006 – 2009 Hotelfotografin in Italien
•Seit 2014 Berufsfotografin


Zur Sache

Den Abschluss der Vernissagen im Frühjahr 2016 bildet die Ausstellung in Italien, im mittelalterlichen Turm von Tarvis (Torre medioevale an der Piazza Unità), wo Essl u.a. den Werkszyklus „Lost City“, der während ihrer Chinareise 2014 entstanden ist, vorstellt. Die Vernissage findet am 7. April, ab 19 Uhr statt. Die Werke können bis einschließlich 31. Mai besichtigt werden.
Zu sehen ist derzeit auch noch folgende Ausstellung: Im Designer-Hotel am Domplatz in Linz, zeigt Essl noch bis 6. Juli ihre Fotoserie „Covered Canyon – ein Streifzug durch das unterirdische Antelope Tal“.
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