31.08.2016, 12:51 Uhr

"Den Handel nimmt man zu wenig wahr!"

Neo-Gremialobmann Hanns Stattmann will in seinem Amt den Dialog mit den Branchenkollegen verstärkt suchen (Foto: Privat/Stattmann)

Unternehmer Hanns Stattmann ist neuer Gremialobmann der Sparte Mode- und Freizeitartikel.

HERMAGOR. Der Unternehmer Hanns Stattmann (Moden Stattmann in Hermagor) ist der neue Gremialobmann der Mode- und Freizeitartikelhändler. Er löst damit Siegfried Rauter ab. Im Interview spricht er über seine Ziele, über die Schwierigkeiten in der Branche und wie man als Unternehmer erfolgreich sein kann.
WOCHE: Herr Stattmann, Sie vertreten die Interessen der Mode- und Freizeithändler. Und sind damit das Sprachrohr von rund 840 Händlern in ganz Kärnten. Eines ihrer großen Ziele ist der Stopp der Bürokratie. Ist der Amtsschimmel die Achillesferse im System?
HANNS STATTMANN: Die gesetzlichen Auflagen werden immer strenger und wachsen ins Unendliche. Wenn man als Unternehmer einen kleinen bürokratischen Fehler begeht, wird man gleich mit tausenden von Euro bestraft. Man ist viel zu sehr mit dem Abarbeiten der vorgeschriebenen gesetzlichen Auflagen und Bestimmungen beschäftigt. Es bleibt zu wenig Zeit für die Arbeit, die man als Unternehmer wirklich machen sollte: die Wirtschaft ankurbeln und für Wertschöpfung sorgen. Nicht die EU ist schuld, sondern der österreichische Beamtenapparat.
Zum Beispiel?
Nehmen wir die Allergenverordnung für die Wirte her. Die EU hat dazu ein Protokoll im Unfang von wenigen Seiten herausgegeben. Österreich hat dieses „erweitert“ und daraus ein dickes Gesetz gemacht.
Sie möchten sich im Besonderen auf den Ausbau der Förderungsmöglichkeiten für Handelsbetriebe engagieren. Wird der Handel diesbezüglich zu sehr vernachlässigt?
Der Handel liefert noch vor dem Tourismus und der Industrie am meisten Mehrwertsteuer an das Finanzministerium ab. Im Förderangebot der KWF werden wir jedoch stark vernachlässigt. Wir haben auf oberster Ebene zu wenig Gehör. Man nimmt uns zu wenig wahr. Es fehlt eine Lobby. 2020 gibt es vom KWF die nächste Verhandlungsrunde. Ob da für den Handel mehr herausspringt, wird sich zeigen.
Stichwort Umsatz. Etliche Händler beklagen einen deutlichen Umsatzrückgang. Immer mehr Geschäfte schließen. Wie können Unternehmer dagegensteuern?
Die Herausforderung liegt in der Frage: wie hebe ich mich als Unternehmer von anderen ab? Der Standort ist dabei nicht das wichtigste Kriterium. Wenn ich als Händler z.B. Produkte anbiete, die nur bei uns zu finden sind, habe ich ein USP und damit einen Wettbewerbsvorteil. Das ist auch mein Prinzip: Die Wulfenia-Trachten-Kollektion gibt es zum Beispiel nur bei uns.
Beklagt wird auch der Internethandel als Konkurrenz zum stationären Handel.
Ich bin nicht gegen den Internethandel. Aber er sollte in Österreich stattfinden. Damit bleibt die Wertschöpfung in Österreich und wir sichern Arbeitsplätze.
Blicken wir mal auf die Handelsbranche in Hermagor. Ihr Fazit?
Hermagor hat 30 Jahre lang nur auf ein Standbein gesetzt: Den Tourismus. Da hat man viel verschlafen. Wir bräuchten einen besseren Branchenmix. Es gibt bei uns durchaus Geschäfte, die laufen sehr gut. Andere wieder weniger. Viel hängt von der Unternehmerpersönlichkeit selbst ab. Ist er kreativ und innovativ, hat er auch Erfolg.
Das Interview führte Iris Zirknitzer
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