11.07.2016, 18:00 Uhr

Diese Forellen sind nicht für die Fisch'

Betreibt mit viel Liebe und Hingabe auf seinem Hof Bio-Fischzucht: Markus Steiner. Die Kunden wissen das zu schätzen

Die Familie Steiner betreibt Biologische Landwirtschaft und züchtet Bio-Fische.
Von Iris Zirknitzer

LENZHOF. Wer im Gailtal glücklich gezüchtete Fische sehen will, wird bei der Familie Steiner am Klein-Lenzhof fündig. Auf 1.080 Metern Seehöhe, am Fuße des Reißkofels, liegt der Bergbauernhof von Markus und Anneliese Steiner. Die beiden betreiben auf ihrem Hof biologisch-nachhaltige Landwirtschaft. Neben Rotwild tummeln sich dort Schweine und Hühner.

Naturteiche

Etwas abseits von Haus und Stall befinden sich zehn Naturteiche, die sich terrassenförmig in den Berghang schmiegen. In diesen „wuselt“ es von Regenbogenforellen, Lachsforellen und Bachsaiblingen.
Jeden Tag schaut Markus Steiner nach seinen Fischen. „Ich vergewissere mich, ob es ihnen gut geht“, sagt der Landwirt. Im Klartext: Steiner prüft, ob seine Forellen und Saiblinge gesund sind. Wenn sich ein Fisch unwohl fühlt, bemerkt er das sofort. „Frisst das Tier plötzlich nichts mehr, oder hält sich permanent beim Zu- oder Abfluss des Wassers auf, sind das Indikatoren dafür, dass etwas nicht stimmt“, erklärt der Fachmann. Fisch-Krankheiten kommen so gut wie nie vor – das ist der biologischen Aufzucht zu verdanken. Für diese gibt es gesonderte Richtlinien: Eine davon betrifft die „Behausung“. Plastik- oder Betonbecken sind tabu. Die Fischlein der Steiners dürfen sich in Naturteichen aalen.


Mehr Freiraum

Im Gegensatz zur konventionellen Fischzucht ist die Besatzdichte bei der Bio-Haltung um ein Vielfaches geringer. Pro Sekundenliter Zufluss sind 50 Kilogramm Fisch erlaubt. „Unsere Fische haben daher entsprechend mehr Platz“, so Steiner. Während in der konventionellen Zucht die Zugabe von Sauerstoff erlaubt ist, fällt dieses Hilfsmittel für Bio-Fische weg. Für ausreichend Sauerstoffzufuhr sorgt das Bachwasser, das durch eine zulaufende Quelle die Teiche speist. Besonders die Saiblinge stellen hohe Ansprüche an die Qualität des Wassers. Die ideale Wassertemperatur für diesen Fisch liegt zwischen zehn und 12 Grad. „Im Vergleich dazu ist die Forelle etwas unproblematischer in der Haltung“, sagt Steiner.

Richtige Fütterung

Gefüttert werden die Tiere mit einem speziellen Bio-Futter mit hochwertigen Komponenten, die u.a. aus dem Meer stammen. Die richtige Fütterung ist das Um und Auf für gesunde Fische. Im Sommer füttert Steiner weniger, da die Wassertemperatur ansteigt. Ist es im Winter zu kalt, bekommen die Fische gar kein Futter. „Sie bewegen sich dann weniger und haben daher keine Verdauung“, so der Experte.

Lange Reifezeit

Am Hof der Steiners habe die Fische ausreichend Zeit, um heranzureifen. 1,5 Jahre reift die Regenbogenforelle, bis sie mit einem Gewicht von 1,5 Kilogramm schlachtreif ist. Noch länger brauchen Bachsaiblinge und Lachsforellen – ganze 2,5 Jahre. Das Resultat: das Fleisch ist kompakt und zergeht beim Verzehr auf der Zunge.
Die Landwirtschaft ist mittlerweile zum Brotberuf des heute 55-Jährigen geworden. Vor 14 Jahren hat der gelernte Koch von seinem Onkel den Hof übernommen. 2006 hat Markus, der zuletzt bei der Wildbach- und Lawinenverbauung angestellt war, mit Gattin Anneliese den Betrieb auf Bio umgestellt und ist seitdem im Vollerwerb tätig. Bereut hat er den Schritt nie: „Ich bin mit vollem Herzen Landwirt“.

Zur Sache

Neben dem Gailtaler Speck produzieren Markus und Anneliese Steiner diverse regionale Spezialitäten. Vom Rotwild werden neben Hirschsalami und Hirschwürstel auch küchenfertiges Frischfleisch angeboten. Mit Muttersauen (schwäbisch-hällische) und Eber züchtet das Paar die Ferkel selbst. Aus den Mastschweinen werden der Gailtaler-Speck und noch viele andere Produkte hergestellt. Die Bio-Eier von den Hühnern werden für die hausgemachten Teigwaren verwendet, oder am Markt verkauft. Frisches und geräuchertes Filet von der Bio-Forelle, Tatar von der kalt geräucherten Forelle, frisch gebackenes Vollkorn- und Bauernbrot sowie selbstgebrannte Schnäpse ergänzen die Angebotspalette. Die Produkte kann man am Bio-Bauernmarkt in Villach, am Bauernmarkt in Hermagor oder ab Hof kaufen. Auch online kann man diese erwerben – über die Homepage www.biohof-steiner.at

Zur Sache

Biologische Teichwirtschaft: Laut den Bio-Austria Richtlinien dürfen max. 10 Kilogramm Forellen in einem Kubikmeter Wasser gehalten werden. Das entspricht einem drei bis fünf mal größeren Raum beim Schwimmen als bei konventionell gehaltenen Forellen.

Die Fütterung darf nur mit zertifiziertem Futter erfolgen. Es wird darauf geachtet, dass die tierischen Eiweißkomponenten ausschließlich aus Nebenprodukten von zertifizierten und für den menschlichen Verzehr gefangenen Fischen stammt.
Die Gentechnikfreiheit im Futter und der Zucht müssen garantiert sein.

Die Bewirtschaftung der Teiche erfolgt ohne Fisch-Filets-Pestizide, ohne vorbeugende Antibiotika, ohne Hormone und ohne andere synthetische Zusatzstoffe.

Mehr Beiträge im Rahmen unseres Schwerpunktes "Leben mit Wasser": www.meinbezirk.at/leben-mit-wasser

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