13.10.2016, 07:30 Uhr

Ein 80'er und das blaue Dingsda

Ein wacher und kritischer Geist: Schriftsteller Engelbert Obernosterer lässt wieder mit einem neuem Buch von sich hören

Engelbert Obernosterer hat jetzt sein 17. Buch „Das blaue Dingsda“ veröffentlicht.

MITSCHIG. Wenn es um das Schreiben geht, ist Engelbert Obernosterer ein Wiederholungstäter. Am 1. Oktober hat der gebürtige Lesachtaler im Schloss Möderndorf sein neues und mittlerweile 17. Buch mit dem Titel „Das blaue Dingsda - Ein Blick auf das Gailtal“ vorgestellt. Wie in früheren Werken entnimmt er die Motive für die einzelnen Miniaturen vorwiegend seiner Gailtaler Umgebung. Wir haben ein wenig nachgefragt.

WOCHE: Was meinen Sie eigentlich mit „Das blaue Dingsda“, was kann man sich darunter vorstellen?

ENGELBERT OBERNOSTERER: Alles, was man in den guten Jahren zu kennen meint, beispielsweise das Tal, seine Mitmenschen, ihre Gewohnheiten und dergleichen verschwimmt einem im Alter zu einem „Dingsda“ und sieht aus wie eine aus der Ferne betrachtete dunstig blaue Landschaft.

Die Beobachtungen haben allerdings nichts Verschwommenes, keine Wehmut und Sentimentalität.
Allerdings, Gefühlsduselei verbiete ich mir. Nur einige Gedanken an die Endlichkeit des Lebens,- ich werde Ende Dezember 80 - haben sich doch eingeschlichen. Jedes Alter hat halt seine spezifischen Themen.

Wie gefällt es ihnen in ihre Umgebung, dem Gailtal?
Es lebt sich hier wunderbar: lauter freundliche Nachbarn, gute Luft, herrliche Ruhe, der Wald beginnt gleich hinter meinem Haus.

Aber Ihre Bücher enthalten auch allerlei Kritisches.

Dass ich auch die andere, meist versteckte und verdeckte Seite von Menschen und Zuständen ins Auge fasse und beschreibe, gehört zum Versuch, der Wirklichkeit gerecht zu werden. Wenn ich Unschönes und Entstelltes schildere, so ist das nie herabwürdigend gemeint. Am ehesten öden mich Verhältnisse an, die zu sehr auf schön getrimmt sind. Ich meine, jeder sollte ein gutes Verhältnis zu seinen Fehlern haben; sie gehören auch zur Natur.

Fühlen Sie sich von den Leuten diesbezüglich verstanden?
Diejenigen, die mit meinen Sachen etwas anfangen können, halten gerade das sogenannte Kritische für eine längst fällige Ergänzung und Korrektur einer gut gemeinten Schönfärberei. Die Schönheit einer Sache ist immer nur die halbe Wahrheit.

Was gefällt Ihnen am Gailtal, beziehungsweise, was stört sie an den momentanen Zuständen?
Ich mag die bescheidenen, natürlichen Leute; die spenden, helfen und hängen das nicht an die große Glocke. Sie interessieren mich mehr als die, die sich als wichtig aufspielen. Ihnen und ihren Entscheidungen gegenüber bin ich skeptisch, so etwa den Richtlinien und Regulierungen aus Brüssel oder den schulischen Reformen, die sich Wiener Bürokraten von Zeit zu Zeit ausdenken.

Gibt es nächstes Jahr wieder einen neuen Obernosterer?
Das haben mich schon mehrere Bekannte gefragt, im Unterton zu vernehmen die Hoffnung, dass sie sich nicht noch einmal mit einem Buch von mir herumschlagen müssen. Ist ja auch anstrengend. Aber ich kann ihnen nichts versprechen. Ein bisschen was liegt ja noch in meinen Schubladen.

Dann freuen wir uns auf den nächsten Obernosterer.

Das Interview führte Iris Zirknitzer
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