22.06.2016, 00:00 Uhr

Ein Leben in der Warteschleife

Seit Herbst des Vorjahres wohnen 15 syrische Asylwerber im Zentrum von Hermagor.

HERMAGOR (jost). Die Adresse Gasserplatz 1 ist die neue Heimat der syrischen Männer im Alter zwischen 24 und 47 Jahren. Die Selbstversorger-Unterkunft wird von Burgi Berger zur Verfügung gestellt und betreut. Die WOCHE hat die Asylwerber besucht und von ihren Ängsten, Hoffnungen und Sehnsüchten erfahren.

Traumatische Erlebnisse

Besucher werden herzlich und in gut verständlichem Deutsch empfangen und manchmal mit selbstgekochten syrischen Spezialitäten verwöhnt. Die Männer erzählen von ihrer zerbombten Heimat, der Flucht vor dem Krieg und daß sie wegen der Gefährlichkeit und hohen Schlepperkosten ihre Familien zurücklassen mussten. Der 24-jährige Aiham schildert z.B.: Ich habe mit meinem Bruder Hassan nach gefährlicher Bootsüberfahrt von der Türkei nach Griechenland die Balkanroute in zwölf Tagen bei Kälte und Regen zu Fuß geschafft“. Mohamed ist traurig und sagt: Ich habe meine Frau und meine beiden Kinder seit drei Jahren nicht mehr gesehen“. Deshalb sind die Smartphones auch die einzige Lebensader, die die Asylanten mit ihrer Heimat verbindet.

Zermürbendes Warten

Alle Männer vereinen die einzelnen Schicksale und die Tatsache, daß sie hier in Österreich vorerst zum Nichtstun verurteilt sind. Außer den Alltagsarbeiten bleibt ihnen nur das ungewisse Warten auf ein positives Asylverfahren, denn erst dann dürfen sie einer Arbeit nachgehen und ihre Familien nachholen. Dabei können die Männer eine hohe berufliche Qualifikation oder Universitätsausbildung nachweisen und sind z.B. Sportjournalist, Arabischlehrer, Offizier, Fabrikant oder Bilanzbuchhalter.

Um Integration bemüht

Die Hoffnungen und Erwartungen der Flüchtlinge prallen auf Ängste und Vorurteile der verunsicherten Bevölkerung. Doch es gibt zum Glück Menschen, denen das Wohl der Männer am Herzen liegt und die um eine fruchtbringende Integration bemüht sind. Eine Steuerungsgruppe unter Vorsitz von BH Heinz Pansi ist dabei, notwendige Strukturen zu schaffen. Margit Wieser erklärt: „Wir müssen den hier lebenden Menschen möglichst schnell Perspektiven geben, sie in soziale Projekte einbinden und ihnen ihre Würde zurückgeben“. Gelungen ist dies bereits Klemens Fheodorff, der es ermöglichte, daß der gelernte Bildhauer Rafik bei Herbert Unterberger an seiner Jesus-Skulptur arbeiten darf. Glücklich schätzen kann sich auch Ali, denn er absolviert gerade eine Lehre in Schluga`s Wirtshaus. Die Männer wissen allerdings, daß Integration nur mit Deutsch-Kenntnissen möglich ist, deshalb besuchen sie auch den täglichen Sprachkurs von Heide Schatz.

Besucher-Wunsch

Zum Abschluß des Besuches äußert Samir noch eine große Bitte: „Wir sind dankbar, daß wir hier leben dürfen, aber bitte gebt uns die Chance Euch zu zeigen, daß wir keine schlechten Menschen sind. Wir würden uns über Besuche sehr freuen, denn nur so können wir uns ohne Angst und Mißtrauen begegnen und voneinander lernen“.
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