22.03.2016, 11:30 Uhr

Gailtal hat hohen Vorrat an Holz

Der Wald ist für die Region ein wichtiger Faktor. Er stärkt die heimische Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze (Foto: KK)

Wie ist es um den Wald im Bezirk bestellt? Die WOCHE hat nachgefragt.
Von Iris Zirknitzer

GAILTAL. Der Bezirk Hermagor weist bei einer Gesamtfläche des Bezirkes von rund 810 km² eine Waldausstattung von annähernd 60 Prozent bzw. flächenmäßig ca. 48.290 Hektar auf. Die höchste Waldausstattung ist mit ca. 80 % der Fläche in der Gemeinde Gitschtal gegeben. Im Lesachtal beträgt der Waldflächenanteil aufgrund des relativ höheren Anteiles an Hochgebirgsflächen immerhin noch 49 % der Gemeindefläche.
"Die Zeit der großen Waldflächenzugänge ist vorbei, da kaum mehr landwirtschaftliche Nutzflächen in Wald umgewandelt werden. Der natürliche Anstieg der oberen Waldgrenze, begünstigt durch die Klimaerwärmung, bewirkt eine stetige Waldflächenzunahme", weiß Bezirksforstinspektor Wilfried Strasser. 1970 waren es 37.550 Hektar Wald oder 46 % der Fläche, die bis zur Jahrtausendwende auf 47.000 Hektar Wald bzw. 58 % anstieg. Seit 2000 beträgt der jährliche Waldflächenzugang bezirksweit zwischen zehn und 20 Hektar.

Wirtschaftsfaktor Fichte

Im Ertragswald verteilen sich die Baumarten zu zwei Drittel auf Nadelhölzer und ca. ein Drittel Laubholz. Der Anteil des Laubholzes ist steigend. Strasser: "Die Fichte ist mit rund 50 % Anteil die wichtigste Wirtschaftsbaumart. Der Tannenanteil beträgt noch acht %, nimmt jedoch bedingt durch die hohen Wildstände ständig ab. Junge Tannen können nicht in dem Maße nachkommen wie Tannen-Althölzer genutzt werden." Die Altholzbestände weisen einen Tannenanteil von 15 % auf. In den Jungwaldbeständen ist diese Baumart nur mehr mit 2 % vertreten. Die Buche ist mit ca. 15 % Anteil die wichtigste Laubholzart.

Viel Holz vor der "Hütte"

Die österreichische Waldinventur bescheinigt für den Bezirk Hermagor hohe Holzvorräte. "Im Ertragswald beträgt der Holzvorrat ca. 390 Vorratsfestmeter je Hektar Waldfläche. Die jährlich geerntete Holzmenge konnte auf rund 200.000 Erntefestmeter gesteigert werden. Der Zuwachs liegt bei rund 250.000 Erntefestmeter und die Nutzung ist daher nachhaltig", so Strasser.

Klimawandel

Die Klimaänderung zeigt auch Auswirkungen auf den Wald. 2014 sind durch die starken Schneefälle ca. 200.000 Erntefestmeter Schneebruchschadholz angefallen. "Der hohe Schadholzanteil und die überdurchschnittlichen Temperaturen, gepaart mit geringeren Niederschlägen während der Vegetationszeit, haben 2015 zu einer Borkenkäfermassenvermehrung geführt, der ca. 82.000 Erntefestmeter Fichtenholz zum Opfer gefallen sind. Aufgrund des milden Winters ist auch im laufenden Jahr ein hoher Anfall an Borkenkäferschadholz zu befürchten", so der Experte.

Mischwald

Die Fichte verabschiedet sich in den Tallagen und auf trockenen sonnseitigen Standorten zunehmend: "Die betroffenen Waldeigentümer setzen auf die Tanne als Ersatzbaumart, da die Tanne wesentlich trockenheitsresistenter ist als die Fichte. Auch Lärche wird vermehrt gepflanzt. Deren Aufwuchs ist jedoch auch durch Fegen und Verbiss stark gefährdet". Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist ein hoher Nadelholzanteil erforderlich. "Die Tanne wird aber aufgrund der viel zu hohen Wildbestände durch übermäßigen Wildverbiss am Aufwachsen gehindert", sagt Strasser. Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Forstbetriebe wird die Tanne zur unverzichtbaren Mischbaumart. Ein gesunder Mischwaldbestand kann den vielseitigen Anforderungen des Waldes am besten entsprechen.

Drei Fragen an ...

... Wilfried Strasser, Bezirksforstinspektor Bezirk Hermagor:

WOCHE: Welchen Stellenwert hat die Waldwirtschaft im Bezirk?
STRASSER:
Die Waldwirtschaft mit den nachgelagerten Zweigen wie Sägeindustrie, Tischler, Zimmerer etc. ist für den Bezirk Hermagor eine der wichtigsten wirtschaftlichen Säulen. Viele Investitionen in der Landwirtschaft könnten ohne den betrieblichen Hintergrund aus dem Wald nicht finanziert werden.

WOCHE:Hat der Rohstoff Holz Zukunft?
STRASSER:
Durch die prognostizierte weltweite Holzverknappung wird der Wert des nachhaltig produzierten Holzes steigen. Somit ist der Waldbewirtschaftung eine gute Zukunft beschieden. Unser Beitrag zur Erhaltung eines gesunden Waldes ist gefordert. Die Heranziehung von „klimafitten“ Mischwaldbeständen, die auch zukünftigen Anforderungen entsprechen, soll unser aller Ziel sein.

WOCHE: Ist das Thema Mischwald somit auch ein Schwerpunkt, der im Bezirk aktuell besonders ein Thema ist?
STRASSER:
Ja. Die Bezirksforstinspektion der Bezirkshauptmannschaft Hermagor hat sich des Themas Mischwald angenommen. Wie die Bestandeserziehung von zukünftigem Wertholz erfolgen soll, kann am besten im Wald gezeigt werden. So wurden u.a. auch im Bezirk Hermagor Beispielsflächen für die Baumarten Buche, Bergahorn, Kirsche, Esche und Lärche angelegt, an denen Wertholz produziert wird.

Zur Sache:

Waldnutzung bedeutet auch Waldpflege. Immer mehr Waldeigentümer entscheiden sich laut Bezirksforstinspektor Wilfried Strasser für eine naturnahe Waldbewirtschaftung.
"Die Entnahme von einzelnen hiebreifen Stämmen mit entsprechend hohem Durchmesser ist das Ziel – man richtet dabei das Augenmerk auf das sogenannte Plenterprinzip."
Unter „Plenterwirtschaft“ versteht man eine „urwaldähnliche“ Waldbewirtschaftung, bei der – im Unterschied zur Kahlschlagwirtschaft – Einzelbäume aus einem alters- und baumartenmäßig sehr unterschiedlich aufgebauten Waldbestand entnommen werden. Damit entspricht sie der immer häufiger geforderten naturnahen Waldwirtschaft, und ist auch ökonomisch interessant.
"Die gute Erschließung mit Forststraßen ist eine Voraussetzung für diese Art der Waldbewirtschaftung. Bei jeder Waldnutzung werden begleitend auch Pflegeeingriffe getätigt. Wertvolle Stämme sind nur durch entsprechende Pflege zu erziehen", so Strasser.
Um ein entsprechendes Einkommen aus dem Wald generieren zu können, sind zwei Komponenten besonders gewichtig. "Natürlich muss der Waldeigentümer sein Einkommen aus der Waldbewirtschaftung sichern. Darum werden so viel ökologisch wichtige Baumarten wie notwendig und so viel ökonomisch erforderliche Baumarten wie möglich in den Waldbeständen erhalten", betont der Eperte. Strasser schreibt im Zuge dessen vor allem der Buche einen hohen Stellenwert zu. "Die Buche ist zur Erhaltung der Produktionskraft des Waldbodens auf vielen Standorten dringend notwendig und wird als Mischbaumart gepflegt."
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