21.06.2016, 08:07 Uhr

Heuernte: Ein Wettlauf mit der Zeit

Die zweite Mahd sollte schon erfolgt sein. Aber das Wetter macht den Landwirten einen Strich durch die Rechnung (Foto: pixabay)

Das unbeständige Wetter erschwert den Gailtaler Bauern die Heuernte.

GAILTAL. Rund einen Monat schon hält sich im Gailtal hartnäckig die labile Wetterlage. Seit Ende Mai gab es kaum einen Tag, an dem es nicht geregnet hat. Die Wetterkapriolen machen den Bauern in der Region die Heuernte alles andere als leicht. Für die Landwirte wird das Mähen und Einbringen von Heu zum Wettlauf mit der Zeit.
Besonders Betriebe, die nicht nur Silage, sondern trockenes Heu aus dem Gras machen wollen, sind betroffen und bangen jetzt um die Ernte.

Trockenes Wetter nötig

Was die Landwirte für die Heuernte brauchen, sind halbwegs trockene Böden und einige Tage warmes, trockenes Wetter. Doch das ist Mangelware. „Den Silo haben wir gut weggebracht. Aber beim Heu hapert es gewaltig mit der Mahd, weil es immer wieder regnet. So eine Situation hatten wir schon lange nicht mehr“, sagt Herwig Kofler aus Reisach. Der Landwirt hat auf seinem Hof 30 Stück Milchkühe und 50 Stück Mutterkühe, Kälber und Kalbinnen. 20 Hektar Grünland bewirtschaftet er. 15 bis 16 Hektar davon werden als Heu geerntet, der Rest wird siliert.
„Drei Tage durchgehend trockenes Wetter bräuchte ich, um ernten zu können. Das war bisher nicht der Fall. Je länger das Futter steht, umso mehr verliert es an Qualität., bis das Heu praktisch nur noch den Nährwert von Stroh hat", so Kofler.
„Mit jedem Tag, an dem ich nicht ernten kann, sinkt die Qualität vom Grünfutter. Für die Milchkühe ist so ein Futter nicht optimal, da es fast keine Nährstoffe mehr hat“, berichtet der Landwirt.
Sind wichtige Mineral- und Nährstoffe wie Proteine, Calcium, Phosphor, Kalium oder Natrium aus dem Futter draußen, hat das laut Kofler eine geringere Milchleistung zur Folge.

Futter verliert Qualität

Betroffen ist auch Martin Tschurtschenthaler aus Sussawitsch. Er bewirtschaftet 52 Hektar. Davon sind 12 Hektar Ackerflächen, den Rest bilden Wiese und Weideland. 110 Stück Vieh stehen in seinem Stall: davon 58 Mutterkühe, der Rest sind Kälber. „Es ist eine Katastrophe. Die Menge an Futter wäre ja durchaus vorhanden, aber durch die lange Stehzeit und den vielen Regen ist das Gras nicht mehr viel wert. Und je länger ich zuwarten muss, desto weniger Inhaltsstoffe sind noch da“, sagt Tschurtschenthaler. Auch er wartet schon sehnlichst auf drei oder vier trockene, warme Tage, damit er mit der Ernte klappt. Der Landwirt ist froh, dass er mit einem blauen Auge davon kommt. „Ich bin zum Glück durch die Haltung von Mutterkühen und ihren Kälbern nicht von der Milchproduktion als Einnahmequelle abhängig. Ideal ist die Situation aber auch in meinem Fall nicht.“

Kein Nährwert

Albert Zankl aus Rattendorf hat rund 30 Stück Rinder – Milchkühe, Mutterkühe und Kälber. Auf einer Grünfläche von 50 Hektar, die er bewirtschaftet, gäbe es genug zu ernten, aber: „Das Futter ist jetzt schon minderwertiger. Wenn es noch länger steht, wird es immer schlechter. Für die Kühe ist es dann bloß noch zum 'Bauchfüllen' und hat keine Energie und Nährstoffe mehr“, klagt der Landwirt.

Zufüttern mit Kraftfutter

Nicht besser ergeht es Markus Oberressl aus St. Lorenzen im Gitschtal. Er hat rund 110 Stück Rinder – davon 60 Milchkühe. "Den ersten Schnitt, die Silage haben wir schon eingebracht. Für das Trockenfutter brauche ich nun aber drei bis vier Tage schönes Wetter." Auch Oberressl bangt um eine gute Ernte. "Die Qualität des Futters, das nun schon so lange steht, wird immer schlechter." In so einem Fall müssen die Bauern oftmals auf eine größere Menge Kraftfutter zugreifen.


Gefahr durch Schimmel

"Ich befürchte, ich dass ich den Mangel an Nährstoffen im Heu durch das Zufüttern mit Kraftfutter kompensieren muss. Gefährlich für die Tiere wird es, wenn das Futter durch die Nässe "faulig" wird und es daher zur Bildung von Schimmel kommt. Da die Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze, die Mykotoxine, hochgiftig sind, ist so ein Futter für die Tiere auch nicht mehr verwertbar. „Man kann nur hoffen, dass das Wetter endlich besser wird“, sagt Zankl und spricht damit vielen Landwirten aus der Seele.
Laut den Experten der ZAMG, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Klagenfurt soll in dieser Woche vorübergehend tatsächlich eine Besserung eintreffen.

Zur Sache

Meteorologe Paul Rainer (ZAMG) zur Wetterprognose: "Wir steuern in diesen Tagen auf eine günstigere Wetterphase zu. Donnerstag und Freitag sind bis zu 31 Grad möglich. Die Gewittergefahr ist vorerst gering.
Der Samstag könnte anfälliger für Gewitter werden. Ab Sonntag muss man in Folge wieder mit wechselhafterem Wetter rechnen. Die Regenschauer und Gewitter können wieder häufiger werden. Es ist mit kurzen, kräftigen, Regengüssen zu rechnen. Es wird kühler. Die Temperaturen bewegen sich dann nur um die 20 bis 25 Grad.
Die labllen Luftmassen lassen derzeit noch kein stabiles Hoch zu. Ich rate den Bauern, dass sie bis Samstag die günstige Wetterlage nützen und das Heu ins Trockene bringen. Danach wird es wieder schwerer. Längere, trockene Phasen sind momentan nicht in Sicht."
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