21.04.2016, 09:22 Uhr

"Ich war so hungrig, endlich zu unterrichten"

Von 1976 bis 2013 wirkte Hans Hohenwarter am BORG Hermagor, davon die letzten 12 Jahre als Direktor

Das BORG Hermagor ist 50. Hans Hohenwarter war Schüler der ersten Stunde.

JENIG. Das BORG Hermagor feiert heuer das 50-jährige Jubiläum. Gleichermaßen groß war die Freude bei den Wegbereitern, die für diesen Schultyp gekämpft haben, als auch bei der Bevölkerung, als 1966 erstmals die Türen dieser Bildungsstätte den Gailtalern offen stand. Hans Hohenwarter aus Jenig war Schüler der ersten Stunde. Er besuchte den ersten, vierjährig geführten Jahrgang und wurde später Direktor an der Schule.

Der Zufall führt Regie

Die Erinnerungen an diese Zeit sind bei dem Gailtaler noch sehr lebendig. „Ich besuchte gerade die achte Klasse der Volksschule in Tröpolach, als ich das erste Mal davon gehört habe, dass es in der Bezirksstadt nun ein Gymnasium gibt“, so Hohenwarter. Dass Hans zu dieser Zeit nicht wie üblich die Hauptschule in Hermagor besuchte, hat einen simplen Grund: „Es fuhr kein Bus in den Ort. Zu Fuß wäre der Weg zum nächstgelegenen Bahnhof in Tröpolach zu weit gewesen. Schneereiche Winter hätten das Unterfangen zusätzlich erschwert“, berichtet Hohenwarter.
Ohne Hauptschulabschluss war der Weg in das Gymnasium so gut wie ausgeschlossen. Durch eine glückliche Fügung des Schicksals wurde es für den 14-jährigen Hans aber möglich. Simon Einetter, Direktor an der Volksschule Tröpolach, beobachtete seinen Schüler Hans schon länger und wurde auf sein Talent aufmerksam. Einetter teilte Hans‘ Eltern mit, dass es eine gute Chance gäbe, den Sohn aufs Gymnasium zu schicken. Einetter förderte seinen Schützling und bereitete ihn auf die Aufnahmeprüfung für das BORG vor. Hans bestand diese. Im Herbst 1967 saß er, der Volksschüler, das erste Mal in der allgemeinbildenden Höheren Schule. „Hätte das nicht geklappt, wäre als Alternative nur eine Lehre oder Fachschule im Bereich Elektrotechnik in Frage gekommen“, sagt Hohenwarter.


Schwerer Start

Besonders die erste Zeit in der Schule war für den Teenager alles andere als eine „gmahte Wiesn“. "Das erste Jahr war aus geistiger und psychischer Hinsicht eine große Herausforderung. Ich hatte als Volksschulabgänger in etlichen Fächern Defizite, die ich erst aufholen musste. Eine Förderkultur für Schüler, wie sie heute besteht, gab es damals nicht. Das Motto lautete: entweder du kommst mit, oder du bleibst auf der Strecke.“ Dazu standen im BORG neue Sprachen wie Englisch oder Latein am Stundenplan, die Hans erst von der Pike auf pauken musste. In Letzterer kristallisierte sich Hohenwarter als „Naturtalent“ heraus – sehr zur Freude seiner Lehrer.
Hans war ein Kämpfer. Im Sommer 1971 hielt er sein Maturazeugnis in der Hand. Im Herbst darauf inskribierte er an der Uni in Wien fürs Lehramtstudium Mathematik, Physik und Chemie. Der frisch gebackene Lehrer trat nach dem Hochschulabschluss seinen Dienst im Hermagorer BORG an. „Man hat mich dort schon sehnlich erwartet“, so Hohenwarter und ergänzt: „Ich war hungrig zu unterrichten und freute mich wahnsinnig auf diesen Job.“


Zum Direktor ernannt

Um 2000 wurde der Direktor-Posten vakant. Der Jeniger bewarb sich und wurde 2001 Leiter der Schule.
Ihm ist es auch zu verdanken, dass erstmals Informatik am BORG nicht nur als Wahlfach, sondern ab dem Schuljahr 1997/98 als eigener Schulzweig aus der Taufe gehoben wurde. Hohenwarter erinnert sich noch gut daran, dass er 1982 für die ersten beiden Rechner – der Marke Commodore VC 20 – extra in die Steiermark gereist ist und diese für den Unterricht erworben hat.
Hohenwarter ist seit 2013 in Pension. Wenn er auf seine Zeit als Pädagoge am BORG zurückblickt, ist ihm vor allem die Freude am Umgang mit der Jugend im Gedächtnis verankert. „Dass ich meinen Schülern vieles mit auf ihren Weg in die Zukunft habe geben dürfen, erfüllt mich mit Freude.“

Zur Sache

Hans Hohenwarters Schul-Einstieg in das seinerzeit gerade neu installierte musisch-pädagogische Realgymnasium Hermagor war eine Kuriosität.
Er schaffte 1967 die dortige Aufnahmsprüfung in die 5. Klasse von der 8. Volksschul-Klasse aus. Die erforderlichen Englisch-Kenntnisse wurden in den Ferien vor dem Eintritt in das Gymnasium erfolgreich nachgeholt.
1971 hatte er die Matura in der Tasche und setzte seine Ausbildung unmittelbar daran von 1971 bis 1976 mit dem Lehramts-Studium für Mathematik, Physik und Chemie in Wien fort.
Von 1976 bis 2013 wirkte Hans Hohenwarter am BORG Hermagor, die letzten 12 Jahre als Direktor. 2013 ging er in Pension. Bereits als Schüler des Gymnasiums entwickelte sich die Begeisterung zur Musik – insbesondere zum Singen. Hohenwarter gründete 1975 den Vokalkreis Karnia mit weiteren sieben Sängern als "Singkreis Waidegg".
1976 heiratet er seine Maria. Aus der Ehe entstammen die inzwischen erwachsenen Kinder Christina und Hannes.
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